Ostbayern– deine Fußballtalente Straubinger Eric Martel: Im Laufduell mit Timo Werner

Spielt seit 2018 bei RB Leipzig: der Straubinger Eric Martel. Foto: Fabian Roßmann

Der Straubinger Eric Martel (17) hat einen großen Traum: Fußballprofi werden. Dafür wechselte er vor zweieinhalb Jahren zu RB Leipzig. Im Training mit den Profis bekommt er es dabei unter anderem mit Nationalstürmer Timo Werner zu tun.

André Kleinknecht kann sich noch gut erinnern. Als er Jugendtrainer beim SSV Jahn Regensburg war, ließ er seine Spieler einmal verschiedene Stationen durchlaufen und machte daraus einen Wettkampf. Eric Martel wurde dabei nur Zweiter. „Er wollte unbedingt, dass wir das im nächsten Training noch einmal machen, der zweite Platz hat ihn fix und fertig gemacht“, erzählt Kleinknecht. Es ist eine Szene, die den Charakter von Eric Martel ganz gut beschreibt. „Er ist von klein auf ein sehr ehrgeiziger Spieler gewesen, auch bei Rückstand hat er nie aufgegeben“, sagt sein ehemaliger Jugendtrainer.

Heute spielt der gebürtige Straubinger Martel im Nachwuchs des Bundesliga-Spitzenteams RB Leipzig. Dass er dorthin kam, hat er auch seinem unbändigen Willen zu verdanken. „Als ich zum ersten Mal beim Probetraining in Leipzig war, wurde ich noch abgelehnt“, blickt Martel zurück. Vor allem die Schnelligkeit wurde als Defizit ausgemacht. Der Nachwuchskicker dachte aber gar nicht daran, aufzugeben. Stattdessen trainierte er hart, spielte ein zweites Mal in Leipzig vor, schloss besser ab und wurde genommen.

Regensburg und Leipzig? "Nicht zu vergleichen"

Vor rund zweieinhalb Jahren ist er nach Leipzig gewechselt. Angefangen mit dem Fußball hatte er in Straubing, in der U11 wechselte er vom RSV Ittling zum SSV Jahn Regensburg. Der Schritt nach Leipzig war dann nochmals ein viel größerer. „Nicht zu vergleichen“ seien die Bedingungen des Jahn und in Leipzig. „In Regensburg ist alles einfach ein bisschen kleiner“, formuliert es Martel. Damals haben sich die Jugendspieler noch in Containern umgezogen. „In Leipzig hat man viel modernere Sachen und alles was man braucht.“

Nicht nur sportlich war es eine Umstellung. Auch schulisch wechselte er in ein anderes Bundesland, hat hierbei aber keine großen Unterschiede zwischen Bayern und Sachsen festgestellt. Anfangs sei es nicht ganz einfach gewesen, weg von zu Hause zu sein. „Aber ich habe dann doch sehr schnell Anschluss und neue Freunde gefunden“, erzählt Martel. Einmal pro Woche sieht er seine Familie meist, wenn sie zu den Spielen kommt, einmal pro Monat ist er im Schnitt in der niederbayerischen Heimat.

Viel Zeit neben Schule und Fußball bleibt dem Talent aber ohnehin nicht. Um 7 Uhr beginnt die Schule und dauert bis 15 Uhr. Nach einer kurzen Pause steht das Training an, dazu kommen Hausaufgaben und Zeit zum Lernen. Am Wochenende stehen die Spiele an. Auch international sind die Leipziger unterwegs – da gibt es dann eine Freistellung in der Schule, der Stoff muss aber nachgeholt werden. „Es ist nicht leicht, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt er. „Aber ich schaffe es ganz gut.“ Im Sommer will er sein Abitur machen.

Lob vom Trainer - Training bei den Profis

Der Fokus liegt aber auch auf der fußballerischen Ausbildung. Hier läuft es für Martel in Leipzig richtig gut. Als jüngerer Jahrgang ist er absoluter Stammspieler in der U19-Mannschaft der Leipziger, hat fast alle Spiele gemacht. Sein Trainer Alexander Blessin hatte ihn in seinen Planungen schon vorgesehen. „Wenn man die letztjährige U17 sieht, dann hat man natürlich gewisse Vorstellungen“, sagt er. „Aber, dass er sich so schnell weiterentwickelt, war nicht abzusehen.“ Der Youngster durfte auch schon mehrmals bei der Profimannschaft trainieren, bestritt dort im Sommer die Vorbereitung und ist auch aktuell hin und wieder dabei.

An sein erstes Training bei der ersten Mannschaft kann sich der 17-Jährige noch gut erinnern. Das war in der vergangenen Saison, als Ralf Rangnick noch Trainer der Leipziger war. Martel hat während des Trainings ein Tor erzielt und einmal den Pfosten getroffen. So erarbeitet man sich Respekt. „Ralf Rangnick kam dann nach dem Training zu mir und meinte, dass ich es gut gemacht habe“, erzählt der Defensivspieler.

Martel über Werner: "Er ist wirklich sehr schnell"

Im Training mit den Profis bekommt Martel vor Augen geführt, was noch fehlt, um beständig auf höchstem Niveau zu agieren. Da gibt‘s dann auch schon mal ein Laufduell mit Nationalspieler Timo Werner. „Er ist wirklich sehr schnell“, sagt Martel mit einem Augenzwinkern. „Da ist es schwer hinterherzukommen.“ Allgemein sei das Tempo viel höher. „Du musst schneller im Kopf sein, schnell reagieren, immer auf Zack sein und sofort wissen, was du mit dem Ball machen willst“, sagt Martel.

Die Schnelligkeit ist ein Thema, an dem der Straubinger noch arbeiten muss. Seine Stärken hat er laut seinem Trainer im Kopfballspiel, der Übersicht und in der Zweikampfführung, auch wenn er da noch zu oft in Tacklings gehe. „Krake“ ist der Spitzname, weil Martel eine so große Reichweite hat. Vor allem aber lobt Blessin die Mentalität seines Schützlings: „Er hat eine unglaubliche Gewinnermentalität, ist sozusagen eine Kampfsau.“ Solche Typen seien für eine Mannschaft ganz besonders wichtig. Auch Martel selbst sieht in der Einstellung eine seiner Stärken: „Ich hatte schon immer diese Einstellung, konnte noch nie verlieren. Egal ob früher bei Monopoly oder beim Uno-Spielen mit meiner Freundin – ich hasse es einfach wie die Pest, zu verlieren.“

Und das kann auch ein Schlüssel für die weitere Entwicklung werden. „Im Fußball wird heutzutage sehr viel im Kopf entschieden“, weiß Martel. Entsprechend werde derjenige weit kommen, der die richtige Einstellung und Mentalität besitzt. Das sieht auch Alexander Blessin so: „Ich bin felsenfest davon überzeugt: Mentalität schlägt am Ende des Tages das Talent.“

Beste Bedingungen

In Leipzig hat Martel beste Bedingungen um sich weiterzuentwickeln. Vom Cheftrainer bis zum Physio – sieben Hauptangestellte stehen den Spielern der U19 zur Verfügung. Dazu ist die Infrastruktur in allen Bereichen top. „In Deutschland gibt es wohl niemanden, der bessere Bedingungen hat“, sagt Alexander Blessin. Auf rund sechs Hektar gibt es alles, was das Fußballerherz begehrt: Beste Plätze, einen modernen Kraftraum (von dem aus die Jugendspieler die Profis sehen können), einen Speed Soccer Court und vieles mehr.

Durch die Teilnahme an der UEFA Youth League haben die Leipziger aber auch einen Einblick erhalten, was in anderen Ländern gemacht wird. „Wenn man sich zum Beispiel Benfica Lissabon ansieht: Da stehen teilweise acht Trainer gleichzeitig auf dem Platz und arbeiten mit den Spielern noch viel individueller“, erzählt Blessin.

Der Trainer - früher selbst Profi, unter anderem ein halbes Jahr bei Jahn Regensburg – hätte sich in seiner Jugend solche Voraussetzungen durchaus gewünscht. „Zu meiner Zeit gab es keine Nachwuchsleistungszentren. Wir sind nach der Schule nach Hause, mussten die Hausaufgaben machen – und dann waren wir bis abends auf dem Bolzplatz. Das war auch schön“, erzählt er. Zumal das Leben im NLZ auch seine Schattenseiten hat, wie Blessin weiß: „Die Spieler haben alle einen großen Traum und müssen sich diesem eben unterordnen. Die Jungs müssen selbst entscheiden, ob sie diesen Traum erreichen wollen.“ Blessin ist dabei wichtig, dass er sich auch in die Situation und die Probleme seiner Spieler hineinversetzt. Denn für ihn zählt nicht nur der Sport: „Wir wollen die Jungs natürlich sportlich, aber auch menschlich und schulisch nach vorne bringen.“ Was ihm auch wichtig ist: „Die Spieler müssen bereit sein Fehler zu machen, denn nur daraus lernt man.“ Es sei wichtig, dass seine Spieler mutig agieren.

Blessin über Martel: "Bodenständig und geerdet"

Eric Martel ist dabei ein Spieler, der vorangehen kann und soll, sagt Blessin. In der U19 ist er Stammspieler und soll nach und nach mehr in eine Führungsrolle hineinwachsen. Dazu prädestiniert ihn auch seine Position im Zentrum. Er kann flexibel sowohl als Innenverteidiger als auch als Sechser eingesetzt werden. Während Martel auf der Sechs ein bisschen lieber spielt, sieht ihn sein Trainer derzeit in der Verteidigung einen Ticken stärker. „Das Tolle bei Eric ist auch, dass er die Sachen annimmt. Er ist sehr wissbegierig und versucht, die Dinge sofort umzusetzen“, lobt sein Trainer. Zudem sei er bodenständig und geerdet. „Das alles sind wichtige Punkte, die ihm helfen können, vielleicht irgendwann einmal Profi zu werden.“

Das ist das große Ziel von Eric Martel: Profi werden, am liebsten in Leipzig. Am Abend, wenn es dunkel ist, kann man vom Trainingsgelände aus durch die Bäume die Red Bull Arena, das Stadion der Profis, leuchten sehen. Dort will er eines Tages spielen. „Aber es ist auch klar, dass es sehr schwierig ist, hier reinzukommen“, sagt Martel. Schließlich sind die RB-Profis inzwischen ein absolutes Spitzenteam, dem Martel – früher eigentlich Fan des FC Bayern – nun im Titelkampf natürlich die Daumen drückt. Am Ende braucht es auch das nötige Quäntchen Glück – im richtigen Moment die Chance zu erhalten und sie dann auch zu nutzen. Eric Martel ist seinem Ziel mit gerade einmal 17 Jahren aber schon ziemlich nah.

 

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