Ostbayern – deine Fußballtalente Lutz Hastreiter: Steiler Aufstieg im Vilzinger Höhenflug

Lutz Hastreiter hat es in der bisherigen Saison auf 18 Einsätze im Bayernliga-Team der DJK Vilzing gebracht. Foto: Fabian Roßmann

Das Ziel vor der Saison: Ein Einsatz in der ersten Mannschaft. Die Bilanz zur Winterpause: 18 Einsätze, sieben davon von Beginn an. Lutz Hastreiter hat bei der DJK Vilzing einen steilen Aufstieg hingelegt.

Trainer Christian Stadler hat es ihm im Vorfeld nicht gesagt. “Erst als die Aufstellung an der Tafel stand, habe ich gesehen, dass ich spiele”, blickt Lutz Hastreiter auf den 2. November zurück. Der Tag des großen Stadtderbys. Die DJK Vilzing zu Gast beim Rivalen ASV Cham – und Hastreiter mittendrin. Er durfte von Beginn an ran. „Das war einfach nur Freude“, beschreibt er seine Gefühle von damals. Er wollte im Derby unbedingt spielen - „weil‘s halt die Chamer sind“, wie Hastreiter sagt. Und den ASV, da macht der 19-Jährige keinen großen Hehl draus, mag er nicht besonders. „Umso motivierter“ sei er entsprechend gewesen, als er von Beginn an spielen durfte. Und Hastreiter zahlte das Vertrauen seines Trainers zurück, machte ein „Riesenspiel“, wie es Stadler ausdrückt. Am Ende stand der Derbysieg, die Revanche für die Hinspielniederlage im eigenen Stadion war geglückt.

Das Derby war eines von vielen Highlights für Lutz Hastreiter in den vergangenen Monaten. Er kam vor der Saison frisch aus der Jugend. Der Plan der Verantwortlichen: Hastreiter sollte zweimal pro Woche bei der ersten und einmal bei der zweiten Mannschaft trainieren, spielen sollte er dann in der zweiten Mannschaft in der Kreisliga. „Mein Ziel vor der Saison war, dass ich im Training der ersten Mannschaften möglichst viel mitnehmen kann und, wenn‘s gut läuft, auch ein Spiel absolvieren darf“, sagt er. Doch dieser Plan ging mächtig schief. Denn zur Winterpause stehen bei bisher 20 Spielen schon 18 Bayernliga-Einsätze in der Statistik, sieben davon von Beginn an. „Wenn man vor der Saison darauf gesetzt hätte, hätte man sicher einiges an Geld gewonnen“, sagt Stadler und lacht.

Chance genutzt

Mit der Entwicklung des Youngster hat in Vilzing so keiner gerechnet – nicht der Trainer, nicht die sportliche Leitung und schon gar nicht der Spieler. Hastreiter hat sicher davon profitiert, dass sich mit Ben Kouame ein Konkurrent auf seiner Position vorne rechts gleich im ersten Saisonspiel schwer verletzt hat. „Trotzdem musst du die Chance, wenn du sie bekommst, auch erst nutzen“, betont Stadler. Und Hastreiter hat seine Chance genutzt!

Dabei waren die Anfänge nicht ganz einfach, der Unterschied zwischen Nachwuchs-Bezirksoberliga und einem Herren-Bayernliga-Topteam ist eben doch ziemlich groß. „Ein Training bei der ersten Mannschaft war anstrengender als ein Spiel im Nachwuchs“, sagt Hastreiter. Auch in puncto fußballerisches Können war er einen Schritt hinterher. „Da habe ich anfangs schon gedacht: Was mache ich eigentlich in dieser Mannschaft?“, gibt er zu. Doch das sei von Einheit zu Einheit besser geworden, erzählt er. Sein Ehrgeiz war geweckt. „Du willst den Unterschied zu den anderen Spielern immer weiter verringern und einfach mithalten können“, sagt er.

Geholfen hat dabei auch das Vertrauen des Trainers. „Der Unterschied zum Jugendbereich war anfangs riesig. Wenn du da einen Trainer hast, der nicht auf die Jugend setzt, bist du nach zwei Trainings raus. Aber Christian hat mich immer mitgenommen, hat mich spielen lassen, hat mir das Vertrauen geschenkt“, weiß Hastreiter das zu schätzen.

Stadler, das ist im Gespräch deutlich zu spüren, gefällt es, mit jungen Spielern zu arbeiten. „Mir macht das unheimlich viel Spaß. Junge Spieler bringen einfach das gewisse Etwas mit, sind unbekümmert und zeigen vollen Einsatz“, sagt er. Deshalb findet es der Trainer auch gut, dass man sich im Verein vor der Saison dazu entschieden hat, zwei Plätze im Kader für Talente zu reservieren. „In Vilzing wird für einen so kleinen Verein eine sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet, deshalb wollten wir das in Form von Kaderplätzen auch honorieren“, sagt Sepp Beller, einer der beiden Sportlichen Leiter am Huthgarten.

"Lernwillig und lernfähig"

In Vilzing gibt es viel Lob dafür, wie sich Hastreiter eingebracht hat. „Er ist lernwillig und ein intelligenter Spieler“, sagt Stadler. Dem pflichtet Beller bei: „Dass er talentiert ist, wussten wir. Wir haben aber schnell gesehen, dass er mehr als nur talentiert ist. Er ist intelligent, lernwillig und lernfähig. Das sind wichtige Eigenschaften für einen jungen Spieler.“

Hastreiter spielte bislang nur in Vilzing Fußball – von der F-Jugend bis zur ersten Mannschaft. Die Zusammenschlüsse mit anderen Teams änderten sich zwar – mal war es die JFG Chamer Land, dann die SG Chambtal – doch Vilzing als Stammverein hielt er immer die Treue. Andere Optionen hatte er durchaus. Der Jahn klopfte einmal an. Doch dann hätte es für ihn neben der Schule nur noch Fußball gegeben – und das wollte er nicht, er wollte in der Freizeit mehr als nur Fußball spielen. In Cham war er zwischenzeitlich am Stützpunkt, ging aber schließlich freiwillig - auch wegen des Gefühls, dass man die Spieler dort für den ASV abwerben will. Hastreiter wollte aber in Vilzing bleiben. „Da hat für mich alles gepasst.“

Hastreiter ist damit ein gutes Beispiel, dass man es auch ohne ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) weit bringen kann – zumindest bis in den höheren Amateurfußball. Dass es einen Leistungsunterschied gibt, das hat Hastreiter in der Jugend selbst erfahren. Da spielte man in Testspielen auch mal gegen die Teams vom Jahn, 1860 oder Nürnberg. „Da ging es für uns dann darum, nicht zweistellig zu verlieren und vielleicht ein Tor zu schießen“, sagt er. Technisch, vergleicht er, werde man bei den größeren Clubs sicher besser ausgebildet. Dafür habe man in einem kleineren Verein mehr Freiheiten. „Wenn du dich bei einem kleineren Verein stetig verbessern willst, dann haut das auch gut hin“, sagt er. Und mit der Bezirksoberliga spielte Hastreiter auch dort meist auf sehr gutem Niveau.

Tolle Talente - auch ohne NLZ

Sepp Beller gefällt es, dass auch der Weg ohne ein NLZ nach wie vor möglich ist. Früher habe es das noch deutlich öfter gegeben, dass Spieler aus kleineren Vereinen im hochklassigen Amateurbereich aufgetaucht sind. Aber auch heute gebe es noch genügend Fälle. Beller war in den letzten Monaten auf vielen Fußballplätzen unterwegs und hat viele junge Talente gesehen. „Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie viele tolle Talente in den unterklassigen Vereinen aufschlagen“, sagt er. Die einen seien vielleicht durchs Raster gefallen, andere hätten den Aufwand, den ein NLZ mit sich bringt, vielleicht nicht leisten können oder wollen. „Gerade im bayerischen Wald gibt es noch viele Spieler, die – wenn sie den nötigen Ehrgeiz entwickeln – locker in der Landesliga oder Bayernliga spielen können.“ Beller mag diese Art von Spielern: „Sie tendieren mehr zum Straßenfußballer, werden in keine taktische Zwangsjacke gesteckt.“

Er sehe auch keinen großen Unterschied zwischen einem Spieler wie Lutz Hastreiter und einem U19-Spieler von Jahn Regensburg. „Natürlich gibt es Dinge, in denen er sich noch verbessern muss. Aber das sind Defizite, die jeder 19-Jährige hat, dass er sich in erster Linie an den Männerfußball gewöhnen muss“, sagt Beller.

Dass er noch viel zu lernen hat, das weiß auch der Offensivspieler selbst. Bislang konnte er viel mit seiner Schnelligkeit lösen. Dafür passte die Position vorne rechts gut. Da konnte er nach Einwechslungen gegen müde Gegner noch den einen oder anderen Nadelstich setzen. „Aber körperlich bin ich noch einen großen Schritt zurück, auch technisch und taktisch muss ich noch einiges nachholen“, sagt er. Zudem müsse er sich im Abschluss verbessern und und in manchen Situationen ruhiger agieren.

Leistung bestätigen

Jetzt stehen wichtige Monate für das Talent an, findet auch Stadler: „Er zählt jetzt als vollwertiges Kadermitglied. Jetzt geht es für ihn darum, dass er immer eine Alternative für uns sein kann. Dafür muss er an seiner Konstanz und seinen Fehlern arbeiten.“ Für Stadler heißt das konkret: „Dass er öfter die richtige Entscheidung trifft, handlungsschneller und kaltschnäuziger ist. Jetzt kommt die Phase, in der er nicht mehr der Underdog ist, sondern sich beweisen und seine Leistung bestätigen muss.“

Auch das Derby in Cham hat gezeigt, dass es noch Sachen zu lernen gilt. In einer Situation, als die Chamer zunehmend mehr Druck machen, rutschte Hastreiter weg. Stadler bemängelte von außen das falsche Schuhwerk. „Da muss er einfach lernen, dass er zwei Paar Schuhe hat und die richtige Wahl trifft“, kann der Trainer heute darüber lachen. Hastreiter kann sich noch gut an die Szene erinnern. „Cham hatte danach eine große Torchance. Da siehst du natürlich blöd aus, wenn du wegrutscht, zum Glück ist daraus kein Tor entstanden.“ Nur an den Schuhen lag es aber nicht, wie er mit einem Schmunzeln ergänzt: „Letztens bin ich auch mit den Eisenstollen ausgerutscht. Vielleicht sollte ich einfach mal meinen Laufstil hinterfragen.“

Später im Spiel in Cham zeigt Hastreiter aber, was ich auch auszeichnet. Nämlich ein großer Wille, eine große Leidenschaft. Nach einem Laufduell wollte ihn Stadler schon auswechseln, weil er dachte, Hastreiter könne nicht mehr. Doch kurz darauf zog der 19-Jährige noch einmal einen Sprint an. „Der kann ja doch noch“, kommentierte Stadler in Richtung der Vilzinger Bank. „Zwischen Genie und Wahnsinn – das liebe ich so an den jungen Kerlen“, sagt der Trainer.

Neben dem Fußball studiert Hastreiter aktuell in Regensburg, er will Bauingenieur werden. Dann hat er rund eine Stunde Anfahrt zum Training. In den Semesterferien hat er es dafür umso schöner, in Vilzing wohnt er nur wenige Hundert Meter vom Stadion entfernt. Dann kommt er mit dem Fahrrad zum Training. „Das ist fast schon eine Trainerbeleidigung“, scherzt Stadler, der die weite Anfahrt aus Weiden zurücklegen muss.

Bodenständig, zuverlässig, sympathisch

In Vilzing schätzen sie die bodenständige Art ihres Youngsters. „Er ist ein lustiger Typ. Noch ein bisschen schüchtern und zurückhaltend – aber immer zuverlässig, lernwillig und ein unheimlich sympathischer Kerl“, charakterisiert ihn Stadler. Sepp Beller beschreibt ihn als „bodenständig und ruhig, aber auch kameradschaftlich. Wenn wir im Verein etwas unternehmen, ist er immer mit dabei.“

Sportlich werden sie ihm die nötige Zeit für die Entwicklung geben. „Ich wünsche mir, dass er gesund bleibt und genauso hart weiterarbeitet“, sagt Stadler. „Dann bin ich davon überzeugt, dass er ein gestandener Bayerliga-Fußballer werden kann.“ Hastreiter müsse nun „dranbleiben und weiter fleißig sein, dann kann er ein Top-Bayernliga-Spieler werden – oder sogar mehr“, findet Sepp Beller. Denn die Vilzinger haben mit Platz zwei zur Winterpause ja bekanntlich gute Chancen, den Aufstieg in die Regionalliga zu packen. Hastreiter hat seinen Vertrag kürzlich ligenunabhängig verlängert. Dass es dann nochmal schwieriger werden würde, weiß er. Die Verantwortlichen hätten ihm aber gesagt, auch im Falle des Aufstiegs mit ihm zu planen. „Das gibt einem natürlich Selbstvertrauen“, sagt er. Und ein Regionalliga-Aufstieg wäre für Vilzing „natürlich cool“.

Ob mit oder ohne Aufstieg - „für mich ist das derzeit ein absoluter Traum“, betont Hastreiter. Im Nachwuchs war die erste Mannschaft das große Ziel, vor der Saison wünschte er sich einen Einsatz. Damit hat das sympathische Talent jetzt schon mehr erreicht als gedacht. Jetzt soll die Entwicklung weitergehen. „Ich möchte“, sagt Christian Stadler, „dass wir uns nach der Saison alle auf die Schulter klopfen und sagen können: Wir haben ein eigenes Talent entwickelt und bei uns in der ersten Mannschaft eingebaut.“

Info: In der Serie "Ostbayern - deine Fußballtalente" stellt idowa einmal im Monat ein Fußballtalent aus der Region näher vor. Hier geht's zu Teil eins der Serie über Josef Gottmeier von der SpVgg Unterhaching.

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