Ostbayern Bedeuten Schneemassen automatisch Hochwasser-Gefahr?

Durch die Schneemassen der vergangenen Tage kommt nun auch vielerorts in Bayern auch das erste Hochwasser. Diese Bilder wurden am Mittwoch bei Vilsbiburg im Landkreis Landshut aufgenommen. Foto: km

Seit vergangenem Samstag haben Teile Ostbayerns mit Unmengen von Schnee zu kämpfen. Zugausfälle, unpassierbare Straßen, „schneefrei“ an zahlreichen Schulen. Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt. Doch durch die Schneemassen könnte in den kommenden Monaten eine weitere Gefahr drohen: Hochwasser

Michael Kühberger, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Deggendorf, hat die Lage genau im Blick. Die Meldungen über Niederschläge, Schneeschmelzen, Grundwasserstände und Wetterprognosen sind das tägliche Geschäft seiner Behörde. Die Experten agieren mit Erfahrungswerten und mittels mathematischer Formeln, so entstehen die Prognosen für die jeweils nächsten Tage.

Selbstverständlich, meint er im Gespräch mit idowa, könnte der Schnee, der in den vergangenen Tagen gefallen ist, die Pegel auf der Donau und ihren Zuflüssen sehr rapide steigen lassen: „Wenn der Schnee wegen eines Wetterumschwungs sehr schnell taut, sind natürlich auch Ausuferungen möglich. Damit wir aber ein wirklich gravierendes Hochwasser sehen, braucht es noch andere Faktoren – ergiebigen Regen zum Beispiel. Beim Wetter allerdings sind Prognosen, die weiter als zwei Tage in die Zukunft reichen, ziemlich unsicher.“

Schmelzwasser nur ein Faktor

Für den Moment habe der Schnee nur bedingt Einfluss auf die Pegelstände der Flüsse in der Region. „Was als Schnee runterkommt und liegen bleibt, kommt nicht in den Flüssen an. Damit es dort einen wirklichen Schub gibt, müsste auch der Schnee in allen Höhenlagen gleichzeitig tauen. In den Zuflüssen wirken sich Regen und Schneeschmelze quasi stündlich aus, die Donau reagiert langsamer, es dauert zwei bis drei Tage, bis das Schmelzwasser dort ankommt“, erklärt Kühberger.

Schmelzwasser sei einer von mehreren Faktoren für die Entstehung eines Hochwassers. Die Schneekatastrophe vom Winter 2005/2006 habe kein Hochwasser nach sich gezogen, während beim Junihochwasser 2013 die Schneeschmelze sogar in den Alpen weitgehend vorbei war und kaum noch eine Rolle gespielt habe.

Darum ist die aktuelle Wetterlage sogar positiv

„Im Moment“, sagt Michael Kühberger weiter, „sind wir über die Wetterlage sogar sehr glücklich“. Der Nachschub an Flüssigkeit führe dazu, dass sich neben den Pegelständen auf den Flüssen auch die Grundwasserstände erholen. Nach dem Dürre-Sommer 2018 sei das „bitter nötig“.

Auch für den Warentransport ist die derzeitige Entwicklung positiv. „Eigentlich brauchen wir genau solche Winter. Erstmals seit Monaten erreichen wir auf vielen Flüssen wieder die normale Pegelstände“, sagt Kühberger. Die Schiffer freuts natürlich. Dennoch: das Wasser wartet schon. Entscheidend für die Lage ist, wann es wo ankommt.

Auch von Seiten des Bayerischen Umweltministeriums scheint man für den Fall der Fälle gewappnet. "Die Behörden arbeiten eng zusammen, um drohende Hochwasserlagen rechtzeitig zu erkennen. Das Umweltministerium steht in ständigem Austausch mit den Behörden vor Ort. Im Ernstfall kann so schnell und konsequent reagiert werden", äußert sich Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gegenüber idowa.

In einem aktuellen Lagebericht des Hochwasser-Nachrichtendienstes vom 9. Januar heißt es: "An Altmühl, Abens, Haidennaab, Schwarzer Laber, Wörnitz und Unterer Steinach gibt es stellenweise kleine Ausuferungen bzw. Überflutungen land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Aufgrund der sinkenden Schneefallgrenze ist derzeit nicht mit einer Verschärfung der Lage zu rechnen." 

Eine Hochwasser-Katastrophe scheint der Region Ostbayern derzeit also nicht bevorzustehen.

 

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