Offener Brief "Das 'Phänomen' Missbrauch gibt es keinesfalls in jedem Verein"

Christian Richter ist seit 20 Jahren Überungsleiter für Karate. Foto: Richter

Gloria Fürstin von Thurn und Taxis hat in einem am 21. Juli im Bayerischen Rundfunk veröffentlichten Interview den Misshandlungsskandal an der Grundschule und dem Domspatzen-Internat in Regensburg als "Phänomen" bezeichnet, "das in jeder Schule und in jedem Sportverein" vorkomme. Christian Richter, Karate-Trainer aus Straubing, hat dies zum Anlass genommen, einen Protestbrief an die Fürstin zu schreiben.

Christian Richter nimmt die Verantwortung für seine Schutzbefohlenen sehr ernst. Er will klar verstanden wissen, dass Missbrauch und Misshandlung keinesfalls ein "Phänomen" sei, das in jedem Verein vorkomme.

In seinem Brief findet der Familienvater klare Worte für seine Empörung: "Wirklich aber vollkommen aus der Fassung hat mich Ihre Aussage gebracht, dass Sie diese Vorkommnisse verharmlosend, ja fast verniedlichend als „Phänomen“ bezeichneten, das in jedem Sportverein vorkommt. - Wie bitte? In jedem Sportverein? (...) Unser Verein existiert seit über dreißig Jahren und (...) wir [nehmen] als Trainer den Ausdruck „Schutzbefohlener“ sehr ernst. Ich sehe mich also – wie tausende andere Trainer und Sportvereine – in meiner Ehre aufs tiefste verletzt (...)", so Richter in seinem Protestbrief.

Der Vater zweier Söhne erklärt im Gespräch, er stehe zu seiner Verantwortung als Trainer für Kinder und Jugendliche: "Wenn mir die Eltern ihre Kinder für einen gewissen Zeitpunkt zum Training oder zu Wettkämpfen übergeben, ist es selbstverständlich meine Pflicht als Trainer, die Kinder vor physischer und psychischer Gewalt zu schützen. Selbst bei einer Kontaktsportart wie Karate gibt es klare Regeln, die nicht überschritten werden dürfen." Hierauf würde äußerst streng geachtet. "Leider musste ich in meiner Schulzeit erleben, dass meine Lehrer sich über das Züchtigungsverbot immer wieder hinweggesetzt haben," sagt der Sportler.

Noch zu seiner Schulzeit in den 70er- und 80er-Jahren habe es "Watschen" gegeben, die oftmals Traumata zurückgelassen hätten. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass schon damals die schlechten Lehrer zu Züchtigungen greifen mussten, die guten hatten das nicht nötig und haben sich anders Respekt verschafft."

Dass solche Regelübertretungen geschehen sind, sei nicht zu entschuldigen, und dürfte auf keinen Fall verharmlost werden. Dass Misshandlungen in Sportvereinen an der Tagesordnung sein sollten, weißt Richter aber streng zurück. "Hier wird die Arbeit von Tausenden Übungsleitern und Trainern diffamiert."

I. D. Gloria Fürstin von Thurn und Taxis war für eine Stellungnahme zum Brief von Christian Richter bislang nicht zu erreichen.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

3 Kommentare

Kommentieren

null

loading