Österreich Pillerseetal: Auf dem Waiwi über die Alpen

Die Kerbe gibt den Blick auf die beeindruckenden Loferer Steinberge frei. Foto: Helmut Lackner/TVB Pillerseetal
Die Kerbe gibt den Blick auf die beeindruckenden Loferer Steinberge frei. Foto: Helmut Lackner/TVB Pillerseetal

Drunten im Tal hört man, es sei doch gut, wenn heutzutage ein christliches Zeichen gesetzt werde.

Im leicht schäbigen Bergrestaurant auf der Buchensteinwand wird auf Wunsch das von einem Volksmusikanten komponierte Wallfahrerlied aufgelegt. Doch bei näherer Betrachtung erweist sich das angeblich größte Gipfelkreuz der Welt nicht als religiös, sondern als kommerzielles Projekt: Es ist Event-Architektur, dazu gedacht, an Seminare und Hochzeiter vermietet zu werden.

Die Aussicht von dem bequem mit dem Sessellift erreichbaren Gipfelkreuz auf das Massiv der Leoganger und Loferer Steinberge ist spektakulär. Die 1.462 Meter hohe Buchensteinwand grenzt das kleinere Pillerseetal von dem großen Tal ab, das St. Johann in Tirol mit Saalfelden im Salzburger Land verbindet. Sie ist der Mittelpunkt eines neu eingerichteten Weitwanderwegs namens Waiwi zwischen Waidring und dem Wildseeloder, der in voller Länge etwa drei Tage beansprucht und teilweise mit Seilbahnen abgekürzt werden kann.

Landschaft ähnelt einem Vulkankrater

Nach dem Auftakt im Mittelgebirge südlich von Waidring oder einer Wanderung entlang des Pillersees wird es erst hinter der Buchensteinwand richtig aufregend. Erst geht es hinunter nach Fieberbrunn und dann wieder hinauf mit einer Kabinenbahn auf den Lärchfilzkogel. Von da wandert man flach hinüber zur Wildalm und dann in etwa einer Stunde hinauf zur Wildseeloderhütte. Die liegt am Rand einer mit Wasser gefüllten Karmulde, dem fast kreisrunden Wildsee.

Die Landschaft ähnelt einem Vulkankrater, obwohl hier nie ein Ausbruch stattgefunden hat. Zum Baden ist der See womöglich auch im Hochsommer zu kalt. Aber es gibt ein kleines Ruderboot, mit dem man gegen eine kleine Gebühr auf den See hinausrudern kann. Was sich lohnt: Der Blick vom Ufer gegenüber der Hütte durch den Einschnitt auf die Loferer Steinberge. Sie gehören zu den eindrucksvollsten Landschaften Tirols, sind aber seltsamerweise nicht besonders bekannt, weil die Gipfel keine besondere Herausforderung darstellen.

Über einen Klettersteig hinauf zur Henne

Zum aussichtsreichen Wildseeloder (2.118 Meter) bräuchte man noch eine Stunde, ebenso zur etwas niedrigeren Henne, die auch über einen Klettersteig erreichbar wäre. Die Beobachtung des Sonnenaufgangs von beiden Gipfeln dürfte eindrucksvoll sein, doch leider ist die gemütliche, frisch renovierte Wildseeloderhütte oft ausgebucht. Als Tagestour lohnt sich der Weg bei gutem Wetter auch in der Zeit nach der Schließung der Hütte Ende Oktober. Das Pillerseetal eignet sich mit seinen flachen Wanderwegen auch für einen gemütlichen Herbsturlaub. München ist mit dem Auto knapp zwei Stunden entfernt. Stress- und staufrei geht es mit dem Zug: Man muss nur in Wörgl vom EC oder IC in einen stündlich verkehrenden, S-Bahn-ähnlichen Triebwagen umsteigen, der einen auf einer schönen Strecke durch das Brixental über Kitzbühel nach Fieberbrunn bringt, dessen Umgebung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen ist.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading