Österreich Ein Paradies für Familien und Freerider

, aktualisiert am 25.01.2019 - 10:56 Uhr
Herausforderung für wagemutige Skifahrer: Die "Ochsakopf"-Abfahrt weist 70 Prozent Gefälle auf. Foto: Rosi Thoma

Zwei Bahnen verbinden das kleine Skigebiet Warth-Schröcken mit der mondänen Arlberg-Arena.

Könnte er heute auf seine Heimatgemeinde Warth herunterblicken, hätte Pfarrer Johann Müller seine helle Freude. Als der Urahn des Skisports am westlichen Arlberg vor 125 Jahren in einer Zeitung las, dass die Skandinavier sich zwei Bretter an die Füße schnallen, wenn sie im Winter von einem Ort zum anderen wollen, besorgte er sich so ein Paar. Denn auch Warth war bei massenhaft Schnee abgeschnitten von der Welt. Um nicht ausgelacht zu werden, begann der junge Pfarrprovisor heimlich nachts zu üben.

Müller muss ein Naturtalent gewesen sein. Denn bald machte er sich quer über den Arlberg auf nach Lech und kam dort unbeschadet an. Damit stampfte der Pionier im wahrsten Sinne des Wortes das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs aus dem Boden, das als eines der fünf größten der Welt gilt. Mit dem Bau der Flexenbahn und der Erweiterung durch den Auenfeldjet wurde das landschaftlich bezaubernde Warth-Schröcken 2018/19 Teil des "Run of Fame" nach Lech, Zürs und St. Anton. Für Nostalgiker bieten heute viele Skischulen die aufgepeppte Pfarrer-Müller-Tour an. Zum Pendeln auf einsamen Pfaden.

Über den höchsten Gipfel

Das "Matterhorn von Warth" gehört Österreich und Deutschland gemeinsam: Die Grenze führt genau über den höchsten Berggipfel. Diese Besonderheit ist aber lange nicht die einzige Extravaganz in dem Dorf mit gerade mal 170 Einwohnern am Fuße des "Großen Widderstein". Wie eine Insel erscheint das tausendjährige Örtchen in der Arlberg-Arena mit seinen mondänen Nobelorten. Ein Traumziel für Genuss-Skifahrer und Tourengeher.

Vor allem Familien fühlen sich hier wohl. Die Sonnenhänge ringsum bieten ein weitläufiges und sicheres Übungs- und Erlebnisgelände. Ganz begeistert ist der kleine Timm in Paulis Ski-Arena an der Salober Talstation von Schneemann Pauli. "Da, da !", jubelt der kleine Mann, jagt den ausgebüchsten Schneeflocken nach und sammelt sie im Eispalast wieder ein. Cora, seine ältere Schwester, nimmt inzwischen die wellige Kuchlbahn unter die Bretter und wagt sich mutig in moderate Steilkurven.

Die Eltern der beiden haben ihren Spaß auf der nicht weit entfernten Funsloipe Steffisalp. Anna und Max aus München sind geübte Rider. An den Rampen und Schanzen zum Abheben, Tubes, Fun- und Butterboxen macht ihnen keiner etwas vor. Morgen wollen sie mit dem Auenfeldjet nach Lech wechseln. Ihre Kinder sind in der Ganztags-Skischule ja gut aufgehoben.

Unberührter Firn

Freeride-Pro Martin "McFly" Winkler rät da nicht ab. Mir vertraut er später an: "Dort drüben gibt es zwar unzählige Möglichkeiten, doch so weite, freie Hänge mit vielen Kuppen, Cliffs und kleinen Rinnen findet man nur in Warth-Schröcken." Tatsächlich kämen inzwischen mehr Tagesgäste aus den großen Ski-Arenen nach Warth als umgekehrt. Kann ich verstehen. Im Frühjahr gibt es hier traumhaft unberührten Firn. Auch an Mutproben mangelt es nicht. Neben den endlosen blauen und roten Abfahrten fordert die "Ochsakopf"-Abfahrt mit 70 Prozent Gefälle und der "Walserschuss" mit 60 Prozent heraus.

"Bei uns", sagt Thomas Walch, Seniorchef des Viersterne-Hotels Walserberg, "muss jeder mehrere Berufe haben." Die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, fordert den Bewohnern des Hoteldorfs viel Engagement und Fantasie ab. Frisch verliebt kam Thomas mit seiner Irene in den achtziger Jahren ins Tal. Der örtliche Bäcker Vinzenz ermöglichte dem jungen Paar den Einstieg in seinen um Café und Fremdenzimmer erweiterten Handwerksbetrieb. Das Haus erfüllt heute höchste Ansprüche. Doch die Backstube ist geblieben. Walch bäckt hier täglich viele Sorten Brot, alle köstlich. Er versorgt damit den ganzen Ort und die Umgebung. Auch Alois Feuerstein kümmert sich um das leibliche Wohl der Gäste und der Einheimischen. In seiner "Wälder Metzge" und der hauseigenen Sennerei trocknen Hunderte von Speckseiten und Hartkäselaiben an wohltemperierter Luft.

Schützender Schnee

Auch wenn man in diesem Winter nicht unbedingt damit punkten konnte: Warth-Schröcken ist das naturschneereichste Skigebiet der Alpen. Ursächlich dafür ist die geografische "Nordstaulage" zwischen 1.260 und 2.800 Metern. Sie beschert dem Schneeloch jede Menge Powder. Trotzdem gibt es eine Beschneiungsanlage und die wurde in diesem Winter sogar erweitert. "Wir brauchen Schneesicherheit noch vor Weihnachten", sagt Ulrike Schlierenzauer, die Chefin des Berghotels Körbersee, das nach einem nahen Gewässer benannt ist. Außerdem schützt der technische Schnee Flora und Fauna vor Skikanten und Pistengeräten, wie der englische Alpenwetterexperte Fraser Wilkin herausfand.

Für die richtige Dosierung sorgt Ulrikes Papa, Fritz Schlierenzauer. Seit 1976 steigt er jeden frühen Wintermorgen hinauf zur Lawinenstation, um Wind und Wetter zu beobachten und den Schnee zu vermessen. Noch so ein Beweis: Wer in Warth groß geworden ist, hat sich die Liebe zur Heimat bewahrt.

Weitere Infos unter www.warth-schroecken.com

 

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