Man bleibt hängen, wenn Max Mannheimer im Video aus seiner Vergangenheit erzählt und nach einigen Sätzen die Nummer 99728 zeigt. KZ-Wächter haben sie ihm in Auschwitz in den Unterarm tätowiert. Lange hat er seiner Enkelin erklärt, das sei eine Telefonnummer. Mit dem Holocaust wollte er das kleine Mädchen nicht belasten. Auch Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, hat mit ihren Kindern nie über die NS-Zeit geredet. Ein Fehler, sagt sie heute.

Doch wie Mannheimer hat Knobloch später viel über das Unsagbare gesprochen - als Überlebende der Shoa und damit als Zeitzeugin, die jetzt im Zentrum einer neuen Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums München stehen. Wie es weitergeht, wenn diese Zeugen nicht mehr leben? Darüber spricht Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, wo die Schau ihre erste Station hatte.

Herr Skriebeleit, die Deutschen werden als "Weltmeister im Erinnern" bezeichnet. Auf der anderen Seite vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine Dokumentation über die NS-Täter und den Zweiten Weltkrieg im Fernsehen läuft. Ist das nicht eine absurde Situation?

Jörg Skriebeleit: "Weltmeister im Erinnern" zu sein und dass im Fernsehen ständig diese Dokumentationen laufen, widerspricht sich nicht. Es gibt eine deutlich wahrnehmbare Repräsentation von NS-Verbrechen in all ihren Schattierungen. Und das kann zum Eindruck führen "Weltmeister im Erinnern" zu sein, was ja aus dem Ausland bestätigt wird. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob das nicht zu einer gewissen Sättigung und zu Überdruss führt und das Thema schwächer macht.

Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Erinnern in der Gedenkstätte?