Niederlande Zwischen Multikulti und dem Manhattan Europas

Faszinierende Wohnsiedlung: die Kubushäuser in Rotterdam. Foto: Daniela Feldmeier
Faszinierende Wohnsiedlung: die Kubushäuser in Rotterdam. Foto: Daniela Feldmeier

Die Städte Amsterdam und Rotterdam in den Niederlanden haben mehr als nur "Fietsen" zu bieten.

Der Duft von frischen Waffeln liegt in der Luft. Darunter mischt sich der süßliche Geruch von Karamell. Sofort glaubt man, die zähe, klebrige Masse auf der Zunge zu spüren. Schaut man durch das große Schaufenster an der Ecke Kalverstraat/Heiligeweg in Amsterdam, reihen sich handtellergroße, runde Waffeln auf einem Holzbrett aneinander. Toppings wie Smarties, Marshmallows oder Nüsse neutralisieren den klebrigen Eindruck und lassen die Leute reihenweise in "van Wonderens Stroopwafel"-Laden strömen.

Die Niederländer sind also nicht nur für Tulpen, Gouda und Fahrräder - die in Holland "Fietsen" heißen - bekannt: Seit über 200 Jahren backen sie auch Stroopwafeln, eine klebrige Spezialität aus einer Schicht Karamellsirup, eingehüllt in zwei dünne Waffeln.

Amsterdam - eine Stadt auf Holzpfählen

Fred, ein gebürtiger Holländer und Städteguide für Kreuzfahrttouristen, führt die Besuchergruppe tiefer in die Stadt hinein. Mit einer Waffel in der Hand schlendern die Schiffspassagiere ein Stück weiter nördlich in eine eigene, kleine Stadt mitten im multikulturellen Amsterdam. Bereits an der hölzernen Eingangspforte erzählt der weißhaarige Mann mit Regencape von einem wahren Idyll, das sich dahinter verbergen soll. Leider säumen an diesem regnerischen Tag Pfützen die Wege des Begijnhofs, des ältesten Hofs Amsterdams. Dem geschichtlichen Hintergrund tut dies allerdings keinen Abbruch: Laut Fred lebten hier seit 1346 sogenannte Beginen. "Sie waren fromme Frauen, die nicht in ein Kloster eintreten wollten, aber dennoch die Geborgenheit einer Gemeinschaft suchten." Auch heute wohnen hier noch alleinstehene Frauen. Daher sind nur einige Wege für Besucher frei. "Andere sind abgesperrt, weil die Damen ihre Privatsphäre schützen wollen. Aus Rücksicht sollten wir hier auch leise sein", weiß der Touristenguide.

Überlieferungen zufolge soll in diesem Hof mit viel Grün ringsum das älteste Haus der Stadt stehen. Es trägt heute noch die Original-Holzgiebeln von 1528. Ansonsten hat sich das Bild geändert: Holzhäuser sind schmalen, rötlichen Backsteinhäusern - wie sie so typisch sind für Amsterdam - gewichen. Dennoch stellt Holz wortwörtlich immer noch die Grundlage für die Stadt am IJsselmeer dar: Amsterdam ist auf hunderttausenden Fichtenstämmen gebaut. Etwa elf Meter tief wurden die Pfähle vor Jahrhunderten in den Untergrund gerammt. Auch heute noch bilden sie die Basis für alle Holz- und Backsteinhäuser.

Zurück aus der ruhigen Enklave ertönt auch gleich lautes Fahrradgeklingel. Die Touristengruppe stiebt auseinander. Zwei junge Frauen mit Rucksäcken strampeln in Windeseile an ihnen vorbei. "Auch das ist Amsterdam", lacht Fred, "schnell, hektisch und laut." Menschen aus 180 verschiedenen Nationen leben derzeit in der Stadt.

Gerade viele junge Leute zieht es in die Metropole, um hier zu studieren oder zu arbeiten. Auf 851.000 Einwohner sollen Schätzungen zufolge 881.000 Fahrräder kommen. "Fietsen sind hier das Fortbewegungsmittel Nummer eins."

Und noch eine Besonderheit, die sie vom Rest Europas unterscheidet, haben die Niederländer: Alleine in Amsterdam gibt es rund 2.500 Hausboote, auf denen die Menschen das ganze Jahr über leben. "Das Leben auf dem Wasser stellen sich viele sehr romantisch vor", sagt Fred. Dennoch ist es auch ein Leben auf beengtem Raum, an dem Touristen aus aller Welt teilhaben dürfen: In fast jedem der Hausboote, die zu hunderten hintereinander am Rand der schmalen Wasserstraßen im Grachtengürtel Amsterdams vertäut sind, brennt abends Licht. Ohne Jalousien oder Fensterläden gewähren die Amsterdamer recht offenherzig Einblicke in ihr Privatleben. Beim Vorübergehen blicken Passanten aus wenigen Metern Entfernung in die Innenräume der Boote.

Nach einer Grachtentour im kleinen Boot geht es für die Besuchergruppe wieder zurück auf ihr großes Schiff. Sie sind Passagiere auf einem Flusskreuzfahrtschiff. Die Schiffe legen bei ihrer Tour entlang des nördlichen Rheinabschnitts mehrmals im Jahr am Hafen der pulsierenden Städte Amsterdam und Rotterdam an. Kaum haben alle Gäste ihre Landgangskarten an der Rezeption abgegeben, macht das Schiff seine Leinen los und nimmt Kurs auf die nächste hippe Stadt in den Niederlanden: Rotterdam.

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Sanfter Wellengang begleitet die knapp 190 Passagiere auf ihrem nächtlichen Weg in die bedeutende Hafenstadt. Der Rotterdamer Seehafen ist eines der wichtigesten Drehkreuze des weltweiten Güterstroms und der größte Hafen Europas. Diese wichtige Rolle wurde der Stadt während des Zweiten Weltkrieges zum Verhängnis. Große Teile der Stadt sowie des Hafens lagen damals in Schutt und Asche. Schnell und kostengünstig musste die Stadt in den Jahren danach wieder aufgebaut werden. Graue Betonklötze waren das Ergebnis und brachten Rotterdam lange Zeit den Titel der hässlichsten Stadt der Niederlande ein.

Heute sprießen gerade am Kop van Zuid, einem neuen Rotterdamer Stadtteil, Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden. Um dort hin zu kommen, nehmen Passanten den Weg über die Erasmusbrücke. Meterlange Stahlseile scheinen den hellblauen Pylonen aufrecht auf der gewaltigen Brücke zu halten. Ein Bauwerk, das man schon von weitem sieht. Gleitet man mit dem Schiff unter der asymmetrischen Schrägseilbrücke hindurch, fühlt man sich an die Skyline von Manhattan erinnert.

Wohnen auf kleinstem Raum im gelben Würfel

Bedeutende Bauwerke wie die Markthalle, die Kubushäuser oder der Hauptbahnhof ziehen jährlich tausende Touristen in die führende Industrie- und Handelsstadt. Zugleich ist sie aber auch eine Metropole, die von der Moderne geprägt wird: Wo sonst wohnen Menschen in gelben Würfelhäusern, die um 45 Grad zur Seite gekippt sind und bedrohlich über dem Boden zu schweben scheinen? Bei einem Stadtrundgang erklärt Fred, dass der Platz in den Kubushäusern bis auf den letzten Millimeter genutzt werden kann. Unvorstellbar, steht man selbst unter der wohl faszinierendsten Wohnsiedlung der Stadt und richtet den Blick gen Himmel, wo die Würfel mit ihren schiefen Wänden gar keinen Stellraum für Schränke bieten wollen.

Schon frühmorgens bevölkern Heerscharen von Menschen die breiten "Fahrradautobahnen" der Stadt. Zielstrebig steuern sie mit der Aktentasche unter dem Arm eines der vielen Hochhäuser an. Eine moderne, aufstrebende Stadt - und doch das absolute Kontrastprogramm zum multikulturellen Amsterdam, das weltweit für seine Coffee-Shops, das Rotlichtviertel und das bunte Leben dort bekannt ist.

Die Pressereise wurde durch die A-Rosa Flussschiff GmbH unterstützt.

Weitere Informationen:

Anreise: Verschiedene Flusskreuzfahrt-Anbieter, die Reisen in die Niederlande im Programm haben, starten ihre Touren in Köln.

Die Anreise per Bahn oder mit dem Flugzeug sowie der Transfer zum Schiff werden organisiert.

Reiseziele: In den Niederlanden werden beispielsweise die Städte Amsterdam, Rotterdam, Nijmegen sowie Hoorn angefahren. Zudem nehmen einige Schiffe die Route über Belgien und machen in Gent und Antwerpen fest. Die Reisedauer variiert dabei von Veranstalter zu Veranstalter.

Reiseveranstalter: Die A-ROSA Flussschiff GmbH hat beispielsweise die achttägige Tour "Rhein Erlebnis Kurs Amsterdam" im Programm.

www.a-rosa.de

www.a-rosa.de/flusskreuzfahrten

 

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