Niederlage beim Final-Auftakt Den Eisbären fehlen acht Sekunden

Hatten im Auftaktspiel des Oberliga-Finals das Nachsehen: Trainer Max Kaltenhauser und die Eisbären Regensburg. (Archiv) Foto: regiopictures/imago

Was war das für eine Dramatik im ausverkauften Stadion am Hühnerberg in Memmingen: 3700 Zuschauer erlebten im ersten Playoff-Finale der Eishockey-Oberliga einen Krimi über mehr als 60 Minuten zwischen dem ECDC Memmingen und dem EV Regensburg, ehe die Hausherren durch ein Tor von Kasten in der Verlängerung das Spiel mit 4:3 (0:1, 1:1, 2:1, 1:0) auf ihre Seite zogen. Davor hatten die Gäste den Sieg schon in den Händen, bis Hafenrichter acht Sekunden vor Ende noch ausgleichen konnte.

Die Vorfreude auf die Finalspiele war bei den Teams und den Anhängern rasant gewachsen, wobei die Eisbären nach dem Erfolg am Ostermontag etwas länger Zeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen. Für die Indians blieben nach dem letzten Einsatz am Mittwoch zwei Tage weniger Zeit, doch auf beiden Seiten war die Euphorie im Vorfeld groß. Beim ECDC waren die Tickets in Windeseile komplett vergriffen und auch für das Spiel am Sonntag in der Donau-Arena waren, bis auf den Gästebereich, schnell nur noch vereinzelt Plätze zu haben. Seit langem rollte auch mal wieder eine gehörige Fanschar aus der Oberpfalz gen Allgäu und so merkte man das Kribbeln und die Anspannung im Stadion schon deutlich vor dem Anpfiff. Zudem hatten äußere Umstände zum Glück keinen Einfluss auf das Geschehen. Weder Corona noch Verletzungen sorgten für Nachteile, denn beide Trainer konnte vier komplette Blöcke aufbieten. So war alles angerichtet für mindestens drei heiße Fights.

Die Gelegenheiten waren zu Beginn eher rar. Die beste Chance hatte noch Plihal, der an Eisenhut nicht vorbei kam. Schwamberger blieb ebenfalls zweiter Sieger gegen den Goalie und Ontl traf in der einzigen Überzahl in den ersten 42 Minuten nur das Außennetz. In der 16. Minute hatte der volle Gästeblock erstmals Grund, richtig zu feiern, als Schwamberger von Schembri in Szene gesetzt wurde und den Torwart zur EVR-Führung tunnelte.

Berger strahlt viel Sicherheit aus

Memmingen kam deshalb mit mehr Tempo aus der Kabine, doch die Rückwärtsbewegung der Eisbären funktionierte ohne grobe Fehler, und auch Torwart Berger strahlte die nötige Sicherheit aus. Mit einem tollen Reflex stoppte er den Versuch von Peter, und auch der Schuss von Lukes landete ohne Probleme in der Fanghand. Genau in dieser Phase, in der die Indians sich immer stärker präsentierten, erhöhten die Gäste. Eisenhut konnte den Schuss von Stöhr zwar abwehren, doch Plihal stand goldrichtig zum Nachschuss. Fast hätten die Eisbären die Zwei-Tore-Führung ins letzte Drittel gebracht, doch Pekr nahm Maß und setzte den Puck genau in den Winkel.

Den Schwung nahmen die Memminger mit ins Schlussdrittel, doch sie brauchten erst etwas Glück, denn Heger stand plötzlich völlig frei. Dann gab es die erste Strafe der Regensburger in Person des Ex-Memmingers Marvin Schmid. Seine ehemaligen Teamkollegen hielten sich nicht lange mit Scheibenkontrolle auf, sondern nahmen einen Schuss nach dem anderen. Das starke Powerplay sicherte den Indians schon den Finalplatz und auch diesmal spielten sie es richtig gut, bis Ahlroth ausgleichen konnte.

Es ging somit wieder bei Null los und die Domstädter machten nun wieder mehr in der Offensive. Nach zwei dicken Möglichkeiten hatten sie zum zweiten Mal an diesem Abend Überzahl, und auch sie zeigten ihre Qualitäten. Eisenhut konnte gegen Flache noch parieren, aber gegen den platzierten Schuss von Plihal war er machtlos. Die Hausherren liefen also erneut einem Rückstand hinterher.

Hafenrichter rettet Memmingen

Berger musste all seine Klasse ausspielen gegen den KHL-erfahrenen Topol. Die zweite Unterzahl überstanden die Eisbären diesmal ohne Schaden, weil auch Hafenrichter den Treffer verpasste, und so blieben nur noch drei Minuten für die Indians, um den Fehlstart zu vermeiden. 74 Sekunden vor Ende musste Peter Flache auf die Strafbank, ECDC-Trainer Sergej Waßmiller nahm seine Auszeit und nahm im Anschluss auch seinen Keeper vom Eis.

Zweimal klappte eine Befreiung der Eisbären noch, einmal hätte man noch irgendwie an den Puck kommen müssen, dann wäre es geschafft gewesen, doch der langjährige DEL-Crack und Ex-Nationalspieler Jaroslav Hafenrichter übernahm die Verantwortung und wurde belohnt. Acht Sekunden vor der Sirene traf er ganz genau in den Winkel und rettete sich und seine Mitspieler doch noch in die Overtime. Diese war dann ein echter Kurzfilm, denn nach 62 Sekunden zog Kasten ab und irgendwie fand der Schuss den Weg ins Ziel. Dieser Schock des späten Ausgleichs und der Niederlage muss nun schnell abgeschüttelt werden und am Sonntag heißt es für die Eisbären, vor voller Hütte zurückzuschlagen.

ECDC Memmingen Indians – Eisbären Regensburg 4:3 n.V. (0:1, 1:1, 2:1, 1:0)

Memmingen: Eisenhut - Kittel, Svedlund; Raab, Kasten; Stange, Schirrmacher; Jiranek, Bergen - Hafenrichter, Peter, Pohl; Topol, Ahlroth, Pekr; Nirschl, Lukes, Huhn; Abstreiter, Hofmann, Pfalzer

Regensburg: Berger - Gulda, Heider; Weber, Schlauderer; Schütz, Schiller; Kroschinski, Wagner - Divis, Gajovsky, Ontl; Flache, Keresztury, Heger; Schembri, Schwamberger, Schmidt; Plihal, Schmid, Stöhr

Tore: 0:1 (15:23) Schwamberger (Schembri, Schütz), 0:2 (35:28) Plihal (Stöhr, Schmid), 1:2 (38:34) Pekr (Raab), 2:2 (43:32) Ahlroth (Svedlund, Hafenrichter 5-4), 2:3 (52:18) Plihal (Schembri, Gajovsky 5-4), 3:3 (59:52) Hafenrichter (Topol, Pekr 6-4), 4:3 (61:02) Kasten (Pohl)

Schiedsrichter: Thorsten Lajoie (EC Erkersreuth)/ Robert Ruhnau (EC Bad Nauheim) – Strafminuten: Memmingen 6 - Regensburg 8 – Zuschauer: 3700 (ausverkauft)

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