Ein junger Mann kommt in seine niederbayerische Heimat zurück, um dem Tod seines Vaters nachzuspüren, der bei einem unverschuldeten Motorradunfall ums Leben kam. Zwischen diese Abschnitte der Recherche-Erzählung flechtet der in Niederbayern aufgewachsene und in Berlin lebende Autor Johannes Laubmeier, geboren 1987, in seinem Debütroman „Das Marterl“ Episoden aus der Kindheit seines Erzählers – die in weiten Teilen auch seine eigene ist.

Herr Laubmeier, auf dem Einband des Romans ist ein Junge mit Regenmantel und Taucherbrille zu sehen, eine frühe, sehr schöne Szene des Romans. Sind das wirklich Sie?

Johannes Laubmeier: Das bin wirklich ich. Es gibt sogar einen Hinweis vorne im Buch. Das Foto hat mein Vater irgendwann in den frühen 90ern gemacht.

Bei dieser Szene könnte man denken, sie sei erfunden, weil sie so schön fantastisch ist.

Laubmeier: Es ist ja ein autofiktionaler Roman. Ein Kritiker hat geschrieben, er sei „autobiografisch grundiert“. Das fand ich sehr schön. Ich hatte das zunächst als Reportage geplant, weil ich Reporter war und mich nicht als Romanautor gesehen habe. Ich war immer ein großer Literaturverschlinger, aber die Menschen, die diese Bücher schrieben, waren für mich damals immer gänzlich andere. Als ich dann mit 18 den ersten Text für eine Zeitung schrieb, erschien mir das wie ein unglaublich großer Schritt in eine ganz andere Welt, die dann aber meine wurde. Und deshalb erschien es mir logisch, in meinem Heimatort, den ich A. nenne, auf Reportagenrecherche zu gehen. Und dann habe ich festgestellt, dass ich das rein formal im Sachbuch nicht beschreiben kann: Zwischen der Person, die man war, und der Person, die man geworden ist, schien es keine Verbindung zu geben. Und man kann in einem Sachbuch ja schlecht sagen: Hier sind zwei Charaktere – und beide bin ich. Und so wurde der Johannes im Buch während des Schreibens zu einem anderen. Die Gefühle sind alle echt, manche der Geschichten nicht ganz.

Die Tiefseetaucher-Geschichte ist aber echt?

Laubmeier: Den Taucher gab es, ja – neben vielen anderen. Das Sich-Verkleiden war ein wahnsinnig wichtiger Teil meiner Kindheit. An meinen Geburtstagen spannte meine Mutter ein Laken über eine Wäschespinne und stellte unseren Verkleidungskoffer in die Mitte. Und wir Kinder gingen in dieses Zelt hinein und kamen mit Ritterhelmen, Kronen und Mänteln verkleidet wieder heraus. In meiner Erinnerung bin ich eigentlich immer verkleidet.

Sie sind dann aus der bayerischen Provinz nach Cambridge gezogen. Was hat Cambridge, was Abensberg nicht hat?