New Work: Die Arbeitswelt der Zukunft Friseur Andy Larisch: Trendsetter aus Viechtach

Andy Larisch mit einem italienischen Topmodel. Foto: privat

Irgendwann muss jeder zum Friseur ...

…und Andy Larisch hinaus in die Welt. Der Stylist aus Viechtach ist als Trainer und Trendsetter unterwegs. Sein Spezialgebiet: neue Schneide- und Färbetechniken.

Mitten in Viechtach ist seine Basis. Bayerwald-geerdet, mit Familie, mit eigenem Friseursalon. Weil aber in seinem Kopf viele kreative Ideen schwirren, braucht er den Kulissenwechsel. Andy Larisch sieht sich als Freigeist, er experimentiert gerne und holt sich Inspiration auf Reisen.

Etliche Wochen im Jahr verbringt er mal in Australien, China oder Lettland, mal in Tel Aviv und Mailand. Nicht als Tourist, sondern als Haarbotschafter. Er unterrichtet Nachwuchs-Friseure in neuen Schnitt- und Färbetechniken. „Aus diesen vielfältigen Begegnungen nehme ich unwahrscheinlich viel mit“, sagt der 39-Jährige. Er sauge alles auf und versuche das, was daheim machbar ist, umzusetzen. Dabei geht es nicht nur um modische Trends, sondern auch um Leidenschaften.

Dieser frische Geist gibt ihm neuen Antrieb. Damit möchte er seine Kollegen infizieren. „Gerade in den baltischen Staaten herrscht große Aufbruchstimmung. Die jungen Leute sind enorm ehrgeizig. So möchte jeder mindestens eine Fremdsprache lernen. Dort wollen sie, hier müssen wir“, schildert Andy Larisch seine Eindrücke.

Von Mensch zu Mensch

Am Friseurberuf liebt Andy Larisch vieles: das Individuelle, das Persönliche, den nahen Kontakt von Mensch zu Mensch und das Internationale. „Als Friseur kannst du überall arbeiten.“ Natürlich wandelt sich auch dieses Berufsbild. Heutzutage bestimmen die Influencer die Trends. „Celebrities und Starfriseure sind nicht mehr sehr einflussreich“, stellt Andy Larisch fest. Jeder müsse aufpassen, dass ihn das Schnellebige nicht kaputt mache. Letztlich gehe es immer um das spannende Spiel: Wer beeinflusst wen?

Keine Angst vor Robotern

Billigfriseure werden sich nicht durchsetzen. Davon ist Andy Larisch überzeugt. Gutes Handwerk gepaart mit Service werde teurer, das erkenne der Kunde an. „Ich biete beispielsweise ein Handpeeling. Das war zunächst ein Überraschungseffekt, jetzt ist es Standard“. Auch hat er keine Angst von einem Roboter ersetzt zu werden. „Emotionen lassen sich nicht vorherberechnen. Auf dem Friseurstuhl ist vieles eine spontane Entscheidung, da kann eine Maschine nicht darauf eingehen.“

All das klingt faszinierend. Wieso ist dann Friseur kein attraktiver Ausbildungsberuf? Natürlich verdienen Lehrlinge wenig, doch Andy Larisch denkt bereits ein anderes Modell: „Mehr Freizeit ist gefragt. Eine Möglichkeit wäre die Vier-Tage-Woche bei gleicher Lohnzahlung.“ Und wenn das auch nicht gegen den Nachwuchsmangel hilft? „Dann mache ich es halt allein. Alles eine Frage des Lifestyles.“

 

Hier findest du alle Teile der Serie New Work.


 

Das ist Andy Larisch

Andy Larisch aus Viechtach ist Friseurmeister mit Auszeichnung und Betriebswirt des Handwerks. Nach seiner Ausbildung im elterlichen Salon war er Stylist bei „Max Hair“ in Italien, Style Director bei „Toni & Guy“ in London sowie bei „Lipperts Friseure“ und „Arnoldy & Traub München“. Außerdem hat er die Firma „Pure Identity International“ mitgegründet und trägt den Titel „International Artist für Medavita“.

Jüngst hat er den Innovationspreis des Bundesverbands ausgebildeter Trainer und Berater erhalten. In der Begründung heißt es unter anderem: Die Verbindung von visionärem Denken und niederbayerischer Bodenständigkeit, seine internationale Erfahrung und seine fundierten Ausbildungen machen ihn zu einem erfolgreichen Unternehmer.


 

Looking cool natural

Dieses Jahr steht unter dem Stern von Natürlichkeit und Flexibilität. „Dabei ist nicht unbedingt der Farbton gemeint, vielmehr die Technik“, sagt Andy Larisch: Bayalage, Foilyage als Update oder Babylights. Wichtig sind weiche, fließende Farbverläufe. Die Farben reichen von Karamell und Beige-Braun- Tönen über intensives Kupferrot zu Pasta Liga, Pink, Peach oder Türkisblau.

Der grafische Pony

Kombiniert wird das mit einem grafischen Haarschnitt, über dem Ohr hin zu Vokuhila. Auch der schwebende Bob mit gleich langem Haar oberhalb der Schultern bleibt Thema.

Es gibt viele Möglichkeiten, mittellange und lange Haare attraktiv in Szene zu setzen. Andy Larisch nennt den gleichlangen und den grafischen Pony, den Half Bun (ein tief sitzender Pferdeschwanz), Mermaid Waves oder Space Buns. Geflochtene Elemente im Haar bilden Hingucker.

Bewegter Surfer-Style

Was gibt’s für die Männer? Die Haare werden wieder länger, bis auf eine Ausnahme: Der Buzzcut bleibt ohne jegliche Muster. Ansonsten sind bewegte Haare bei Männern ein großes Thema. Egal ob sie als langer, wild durchgestufter Surfer-Look gestylt sind oder als kurze Flow Bro’s bis hin zum Wet Look.


 

08/15 ist vorbei: Drei Fragen an den Friseurmeister Rudolf Reisbeck

Welche Eigenschaften braucht ein Friseur?

Rudolf Reisbeck: Der Friseur muss mehr denn je zum Markenträger werden und damit ein Alleinstellungsmerkmal haben. Beim Friseur ist hinter der Schere und vor der Schere ein Mensch. Es reicht nicht mehr, einfach nur Haare zu schneiden. Das Leistungsspektrum in einem modernen Salon erstreckt sich auf Beratung, Handwerk und Verkauf. Der Friseur muss sich in seine Kunden hineinversetzen und Empathie mitbringen. Eine 08/15-Leistung ist nicht gefragt. Friseure brauchen eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, hohes Qualitätsbewusstsein und Beratungskompetenz. Zudem wird es immer wichtiger, wirtschaftlich zu denken.

Wird uns in Zukunft ein Roboter die Tönung auftragen?

Nein, denn bei der Dienstleistung ist der Mensch nicht zu ersetzen.

Wie wirkt sich die Digitalisierung im Friseursalon aus?

Das beginnt bei der Onlineterminbuchung, zieht sich über die Termin-Erinnerung per Messenger, elektronische Zeitschriften und Beratungstools bis zu Pflege- und Produkttipps über die App des Salons. In unserer digitalisierten Welt sehnt sich der Kunde aber auch zunehmend nach Behaglichkeit. Mit seinem Serviceangebot bedient der Friseur dieses Bedürfnis. Da wird die Rasur im Herrensalon zum Beauty-Verwöhnpaket. Und bei der Haarwäsche mit Kopfhautmassage oder speziellen Wellnessmassagen für Nacken und Gesicht können die Kunden mal richtig abschalten.

Rudolf Reisbeck kommt aus Leiblfing im Landkreis Straubing-Bogen und ist Vizepräsident des Zentralverbands des deutschen Friseurhandwerks.

 

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