Neuzugang des SSV Jahn Jan Elvedi: Büffel mit Sonnenbrille

Neu beim SSV Jahn: Innenverteidiger Jan Elvedi. Foto: Fabian Roßmann

Jan Elvedi (23) wagt beim SSV Jahn Regensburg den Sprung in den deutschen Profifußball. Der Zwillingsbruder von Gladbach-Profi Nico Elvedi hat einen speziellen Spitznamen und hatte zuletzt ein außergewöhnliches Ritual vor den Spielen.

Es gibt Fußballer, die meiden kurz vor dem Beginn eines Spiels jede nur erdenkliche Ablenkung. Sie gehen in den vollen Fokus, nichts darf sie in ihrer Konzentration stören. Jan Elvedi ist da anders. Er ist auch kurz vor Spielbeginn noch für einen Spaß zu haben. Mit seinem Mitspieler Liridon Berisha (22) hatte er in der vergangenen Saison ein ganz besonderes Ritual. "Wir haben uns fünf Minuten vor dem Spiel in der Kabine eine Sonnenbrille aufgesetzt, einander angesehen und lauthals gelacht", berichtet Berisha. Kurz bevor es ernst wurde, blieb noch Zeit für Spaß. "Aber als es auf den Platz ging, wurde er sofort zum Büffel", sagt Berisha über seinen letztjährigen Teamkollegen.

"Büffel", das ist der Spitzname des gut durchtrainierten Elvedi. "Bereits im ersten gemeinsamen Training ist mir aufgefallen, wie enorm zweikampfstark Jan ist“, sagt Mittelfeldspieler Omer Dzonlagic (25), der zuletzt auch mit Elvedi beim SC Kriens zusammengespielt hat. „Das hat mich schwer beeindruckt. Da erstaunt es nicht, dass er im Team den Spitznamen Büffel trug. Genau so mächtig und energisch geht er in jedes Duell.“ Dieser "Büffel", von Beruf Innenverteidiger, ist einer von bislang vier Neuzugängen beim Oberpfälzer Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg.

Nico Elvedi: "Nicht dreimal überlegen"

Der Name Elvedi ist im deutschen Fußball kein unbekannter. Nico Elvedi, der Zwillingsbruder von Jan, spielt für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga. Vor seinem Wechsel zum Jahn hat Jan Elvedi seinen Bruder natürlich auch um Rat gefragt. „Wir haben darüber gesprochen. Für mich war es klar, dass er diesen Schritt machen muss. Wenn du die Chance in der 2. Bundesliga bekommst, musst du nicht dreimal überlegen“, sagt Nico Elvedi im Gespräch mit idowa. Sein Bruder habe sich ein bisschen länger Gedanken gemacht, schließlich gehe er nun erstmals weg aus der Heimat. „Aber schlussendlich war es auch für ihn eine klare Entscheidung“, verrät der Gladbach-Profi.

Die beiden Brüder haben, bis sie 14 Jahre alt waren, fast alles gemeinsam gemacht. Bis 2011 haben sie erst beim FC Greifensee und dann beim Schweizer Top-Club FC Zürich im Nachwuchs zusammengespielt. Dann trennten sich die Wege. Jan Elvedi hat nicht mehr so oft gespielt und war „nicht so glücklich“, wie sein Bruder sagt. Deshalb wechselte der um fünf Minuten ältere Bruder nach Winterthur, während Nico bis zu den Profis in Zürich blieb. „Das war für mich als Zwillingsbruder nicht ganz so einfach, als er gegangen ist, schließlich haben wir uns richtig gut verstanden. Aber im Fußball ist es eben so“, bekam auch Nico Elvedi damals zum ersten Mal die Gesetze des Geschäfts aus nächster Nähe zu spüren.

Mehr und weniger Glück

Auf unterschiedlichen Wegen sind beide nun im deutschen Profifußball gelandet. Warum es bei ihm im Gegensatz zu seinem Bruder für die Bundesliga gereicht hat, kann Nico Elvedi final schwer beurteilen. Weniger Talent sieht er bei seinem Bruder nicht. „Zum Fußball gehört aber auch immer Glück dazu. Ich hatte das Glück mit meinen Trainern, die mich unterstützt und gepusht haben. Bei Jan würde ich nicht sagen, dass er weniger Qualität hat. Aber er hatte nicht so viel Glück wie ich.“

Als Spielertypen schätzt Nico Elvedi seinen Zwillingsbruder und sich ähnlich ein: „Er ist vielleicht noch der etwas Kräftigere“, sagt er. Ein Büffel eben. Sein bisheriger Mitspieler Liridon Berisha beschreibt Jan Elvedi als Spieler, der auf dem Platz wann immer möglich den Zweikampf suche. "Das aus gutem Grund, denn er gewinnt praktisch jeden. Dazu kommt, dass er sehr athletisch ist.“ Elvedi erobere den Ball und spiele den sicheren ersten Pass. „Jedoch könnte er sich noch mehr am Spielaufbau beteiligen, denn die Qualitäten dazu hat er“, sieht Berisha auch noch Verbesserungspotenzial.

Führungsrolle liegt Elvedi "im Blut"

Omer Dzonlagic sieht in Elvedi „einen absoluten Leader auf dem Platz. Er strahlt in jeder Sekunde eine positive Energie aus, die nicht nur motiviert, sondern auch inspiriert.“ Nicht ohne Grund führte Elvedi den SC Kriens zuletzt auch immer wieder als Kapitän auf den Platz. „Die Führungsrolle liegt ihm im Blut“, sagt Dzonlagic. Und Berisha ergänzt: „Jan ist ist auf dem Feld eher der ruhige, aber bestimmte Typ. Er redet nicht permanent. Anders sieht es dann in der Kabine aus. Jans Ansprachen vor dem Spiel waren stets enorm motivierend. Er schaffte es, uns alle zu erreichen und auf die kommenden 90 Minuten heiß zu machen. Das wird mir fehlen.“

Hier unterscheiden sich im Übrigen auch die Zwillingsbrüder, die pro Woche ein- bis zweimal telefonieren und sich dabei auch über viele Themen abseits des Fußballs unterhalten. „Ich bin eher der Ruhigere, Jan eher der Lautere. Er geht eher auf Leute zu, ist ein bisschen mehr der Leader als ich“, sagt Nico Elvedi. Als die Bundesliga bereits in der Sommerpause war, wurde in diesem Jahr in der Schweiz noch gespielt. Nico Elvedi hat sich in der Zeit das eine oder andere Spiel seines Bruders angesehen. „Da hat man schon gesehen, dass er zurecht die Kapitänsbinde am Arm hatte. Er kann der Mannschaft helfen, pusht die Leute.“

Frohnatur und Rap-Fan

Ohnehin ist Jan Elvedi eine „wahre Frohnatur“, wie Omer Dzonlagic sagt. Er könne sich nicht daran erinnern, „Jan je schlecht gelaunt angetroffen zu haben.“ Das kann Liridon Berisha bestätigen, der wie Elvedi aus Zürich stammt und oft mit ihm zusammen im Auto nach Kriens gefahren ist. „Dabei haben wir oft gelacht und ich durfte ihn als einen sehr humorvollen, sehr lieben und zuvorkommenden Menschen kennenlernen. Die persönliche Atmosphäre im Auto war aber auch der Rahmen dafür, dass er seine tiefgründige Seite zeigen konnte“, sagt Berisha.

Im Auto dürfte zudem deutscher Rap gelaufen sein, den hört Jan Elvedi nämlich gerne, wie Berisha verrät. Er pflege zudem eine Spotify-Liste mit über 1.000 Abonnenten. Neben dem Platz sei Elvedi ein „Kulinariker“, wie Dzonlagic sagt. „Und seine Partnerin ist ein wichtiger Teil seines Lebens abseits des Fußballs“, ergänzt Berisha. Für seinen Bruder ist Jan Elvedi außerdem ein wichtiger Ratgeber. „Wenn ich Probleme habe, ist schon er mein Ansprechpartner, weil er mich am besten kennt“, sagt Nico Elvedi.

Sportlich lief es für Jan Elvedi in der vergangenen Saison derweil nicht nur persönlich gut. Mit dem SC Kriens hat er eine überraschend gute Saison gespielt, in der Abschlusstabelle stand Rang fünf in der 2. Schweizer Liga zu Buche. Die beste Platzierung seit vielen Jahren. „Jans Konstanz in der hintersten Reihe war ein Schlüsselfaktor für unsere Leistung“, schreibt Liridon Berisha seinem Kollegen einen großen Anteil am Erfolg zu. Und auch Omer Dzonlagic bestätigt: „Er war enorm wichtig. Er war unser Chef der Verteidigung, unser Fels in der Brandung. Schlicht ein zentrales Element unserer grandiosen Saison.“

Elvedis nächster Schritt: "Regensburg darf sich freuen"

Nun geht Jan Elvedi für sich persönlich den nächsten Schritt. Dass er den Sprung in die 2. Liga packen und sich durchsetzen kann, da sind sich seine Wegbegleiter einig. „Vom Typ her glaube ich, dass er sich schnell eingewöhnen kann. Dazu hat er die Qualität zu spielen, da mache ich mir keine großen Sorgen“, sagt Bruder Nico Elvedi. Ähnlich blickt Omer Dzonlagic voraus: „Ganz ehrlich, ich traue ihm sehr viel zu. Natürlich muss er erst etwas Fuß fassen und zu seinen Spielminuten kommen, schließlich ist es ein Schritt ins Profitum und seine erste Station im Ausland. Ich bin mir aber sicher, dass er noch weiterkommen wird.“

Und auch Liridon Berisha glaubt fest an seinen bisherigen Kollegen in der Kriens-Verteidigung: „Ich gehe stark davon aus, dass er sich mit seinen Qualitäten beim Jahn durchsetzen wird. Jan ist wie gemacht für die 2. Bundesliga. Und nach oben steht im alles offen. Er ist erst am Anfang seiner Karriere – Regensburg darf sich freuen.“

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