Psychopathen sind das Spezialgebiet von Professor Joachim Nitschke, Leiter der Straubinger Forensik. Er sagt: Es laufen sehr viel mehr Psychopathen herum, als man glauben mag. Ein Gespräch über charmante Lügner, die ohne schlechtes Gewissen ein Trümmerfeld hinterlassen. Und warum sie gut gemeinte Therapie oft nur noch gefährlicher gemacht hat.

Professor Nitschke, was machen Psychopathen, um zu verschleiern, dass sie Psychopathen sind?

Joachim Nitschke: Sie sind sehr charmant, sehr einschmeichelnd - und hinterlassen oft ein Trümmerfeld in Beziehungen, in der Arbeit. Das merken Sie als Opfer aber erst hinterher.

Kann man solchen Menschen irgendetwas glauben?

Nitschke: Die ziehen die wildesten Geschichten sehr glaubhaft und geschickt durch. Wenn die Lüge rauskommt, empfinden sie keine Scham oder ein Gefühl von Ertappt-Sein. Im Gegenteil: Sie geben die Lüge vorgeblich geläutert zu - damit die nächste Lüge umso glaubwürdiger wirkt. Ich bin auch schon Psychopathen aufgesessen wie wohl jeder. Darum prüfen wir in der Klinik alles, was uns so jemand erzählt, und arbeiten im Team.

Sie sagen, Psychopathie sei unterdiagnostiziert. Wo findet man denn besonders viele Undercover-Psychopathen?