Neues vom Turm V Ein fußlahmer Drache, ein stiller Protest und ein Sonnenschirm für die Ritterin

Die Herren Mittelalter-Butler sorgen sich um ihre Herrin: Manfred Gruber (links) und Franz Fuchsbüchler überreichten vor der Generalprobe Ritterin Tina Pohmer einen Schirm gegen die Sonne. Foto: Thomas Linsmeier

• Wenn bei der Generalprobe was danebengeht, dann wird die Premiere um so besser. Folglich dürfte die Spielschar am Freitag sehr zuversichtlich in die erste Vorstellung gestartet sein. Denn am Abend zuvor „zwickte“ es. Das begann schon zu Beginn, als Bürgermeister Bauer bei der Begrüßung plötzlich verstummte ... Nicht, weil dem Stadtoberhaupt die Worte fehlten, sondern sich die Tonübertragung rund zehn Minuten lang total verabschiedete. Nichts ging mehr.


• Das galt auch für den Drachen, jedoch am Ende des Spiels. Als das Ungeheuer gerade möglichst bedrohlich in Richtung Sattelbogner-Soldaten stapfte, waren seine Beine plötzlich wie eingefroren. Er konnte zwar noch brüllen und Feuer speien, sich jedoch nicht mehr rühren. Wie zu erfahren war, handelte es sich um einen Systemfehler in einem Bein, der der Drachenmannschaft schon vor Tagen Sorgen bereitete. Flugs wurde sein fahrbarer Untersatz unter den Bauch manövriert und der Drache langsam aus der Arena gefahren. Damit es weniger Drachenstich-kundigen Zuschauern nicht so auffiel, spielten die Soldaten brav mit. Und so hatte es den Anschein, als würden sie das Ungeheuer durch das Tor zurückdrängen.
Augenblicke später setzte Tradinno wieder auf seinen vier Beinen zum Marsch in Richtung Arena an. Doch auch beim zweiten Mal kam er nicht weit. Wieder musste ihn sein Wägelchen aus der misslichen Lage befreien. Da die Soldaten schon zigmal gegen ihn angetreten waren und den Sattelbogner Sandro Ziesler vor lauter „Zieht an! ... Linkes Geviert! ... Rechtes Geviert!“ bald die Stimme zu verlassen schien, verzichtete man auf einen erneuten Versuch. So wurde Tradinno halt mit seinem Wagerl unter der Wampe zum Sterben gefahren. Und dabei ging dann auch noch des Ritters Lanze zu Bruch ...


• Ob ihm das gefallen hat? Wohl kaum. Auf jeden Fall weiß man aber, dass den Akteuren der Vorzeitgruppe wie auch anderen Statisten eine neue Regelung ganz und gar nicht gefällt. Die Drachenstich-Führung hat angeordnet, dass sie sich vor ihrem Auftritt im Amtsgerichtshof zu sammeln haben. Die einen sagen, das sei aus versicherungsrechtlichen Gründen so, die anderen meinen, das habe was mit dem Lärmpegel hinter der Bühne zu tun. Fakt ist aber: Die Statisten wären lieber hinter der Bühne als einsam und verlassen im Amtsgerichtshof. Sozusagen als „stiller Protest“ marschierten sie bei den Generalproben Hand in Hand wie Kindergartenkinder vom Amtsgerichtshof zum Auftritt, „damit uns ja nichts passiert“, meinte eine schmunzelnd.


• Für Schmunzeln sorgte am Donnerstagabend auch, was die beiden Kolomans Manfred Gruber und Franz Fuchsbüchler für Ritterin Tina Pohmer vorbereitet hatten. Da diese angeblich die Sonne ganz und gar nicht mag, überreichten ihr die beiden Schlossdiener einen weißen Schirm, der sie vor dem grellen Ding am Himmel schützen soll. „Ritterin 2019“ und „Cave Sole“ (hüte Dich vor der Sonne, in Anlehnung an „Cave Gladium“) hatten die beiden Mittelalter-Butler auf den mit einer Bordüre verzierten Schirm mit goldenem Stift geschrieben. Und zudem hatte der Fuchsbüchler Franze noch ein kleines Gedicht gestrickt, in dem ganz klar betont wurde, wie das Ritterpaar richtig heißt, da dies in den vergangenen Tagen offensichtlich nicht immer eindeutig war ... – nämlich Pohmer und Scheuer.     

 
 
 

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