Raumfahrt Russland warnt die USA vor Aus von Raumstation ISS

Ein Handout der Nasa zeigt die Internationale Raumstation ISS. Foto: NASA/dpa/dpa

Trotz vieler Konflikte zwischen Moskau und Washington galt die Raumfahrt stets als einer der wenigen Bereiche, in denen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern funktioniert hat. Kann das noch weitergehen?

Moskau - Russland hat nach dem Angriff auf die Ukraine seinen Willen zur weiteren Zusammenarbeit mit den USA im Weltraum betont - und die USA gleichzeitig vor einer möglicherweise überstürzten Aufkündigung dieser Zusammenarbeit gewarnt.

Eine Kooperation sei für den sicheren Betrieb der Internationalen Raumstation ISS notwendig, schrieb der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, im Nachrichtenkanal Telegram vor dem Hintergrund neuer Sanktionen Washingtons.

Wenn sich die Amerikaner einer weiteren Zusammenarbeit verweigern sollten, "wer wird dann die ISS vor einem möglicherweise unkontrollierten Absteigen aus der Umlaufbahn und einem Absturz auf amerikanisches oder europäisches Territorium bewahren?" Nicht ausgeschlossen sei, dass die Reste der ISS auf Indien oder China stürzen könnten.

Zuvor hatte Roskosmos der Agentur Tass zufolge bereits mitgeteilt, ihre internationalen Verpflichtungen im Weltall erfüllen zu wollen. Dazu gehörten der Unterhalt der ISS und Flüge dahin. Derzeit arbeitet der deutsche Astronaut Matthias Maurer mit vier US-Amerikanern und zwei Russen auf dem Außenposten der Menschheit. Ende März soll Nasa-Astronaut Mark Vande Hei mit einer russischen Sojus-Kapsel zur Erde zurückkehren.

Positive Signale von Esa und Nasa

Die europäische Raumfahrtagentur Esa will trotz des Angriffs auf die Ukraine vorerst weiter an Projekten in Kooperation mit Russland arbeiten. "Ungeachtet des aktuellen Konflikts bleibt die Zusammenarbeit in der zivilen Raumfahrt eine Brücke", schrieb Esa-Chef Josef Aschbacher auf Twitter. Man werde an allen Programmen weiterarbeiten, die Internationale Raumstation (ISS) und das Projekt "Exomars" eingeschlossen. Die aktuellen Entwicklungen werde man weiter beobachten, so Aschbacher, und gemeinsam mit den Esa-Mitgliedstaaten jedwede notwendige Entscheidung treffen.

Auch von der Nasa aus gehe die Zusammenarbeit mit Roskosmos und allen internationalen Partnern in Hinblick auf die ISS weiter, hieß es in einer Mitteilung der US-Raumfahrtbehörde. "Es sind keine Veränderungen geplant bei der Unterstützung der laufenden Arbeiten im All und auf dem Boden."

Roskosmos reagierte zufrieden. "Wie Diplomaten sagen: Unsere Bedenken wurden gehört", teilte Rogosin am Freitag mit. Der Behördenchef kündigte an: "In der Zwischenzeit analysieren wir weiterhin die neuen US-Sanktionen, um unsere Antwort detailliert darzulegen."

Mehrere Nasa-Manager informierten am Donnerstag Journalisten über den aktuellen Stand beim geplanten Mond-Programm Artemis, wollten dabei aber keine weitergehenden Fragen zum Ukraine-Konflikt beantworten.

Trotz vieler Konflikte zwischen Moskau und Washington galt die Raumfahrt stets als einer der wenigen Bereiche, wo die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern funktioniert hat. Die Nasa hatte zum Jahreswechsel einem Weiterbetrieb der ISS bis 2030 zugestimmt. Roskosmos wollte eine entsprechende Verlängerung nun der Regierung in Moskau vorschlagen.

Ex-Esa-Chef: ISS ist ein Friedensprojekt"

Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner hatte zuvor gesagt, er hoffe trotz des russischen Einmarschs in die Ukraine auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen bei der Erforschung des Weltalls. "Ich hoffe, dass Raumfahrt am Ende über den geopolitischen Schwierigkeiten steht. Auch im Kalten Krieg gab es etwa das Ankoppeln eines Apollo- und eines Sojus-Raumschiffs 1975", sagte Wörner der Deutschen Presse-Agentur. Der 67-Jährige leitete von 2015 bis Februar 2021 die Europäische Raumfahrtbehörde Esa in Paris.

Wörner sprach sich für eine Verlängerung des Betriebs der Internationalen Raumstation ISS aus. "Die ISS ist ein Friedensprojekt. Inmitten der Spannungen um die russische Annexion der Krim 2014 war damals der deutsche Astronaut Gerst mit einen russischen und einem US-amerikanischen Kollegen im All. Das war mehr als symbolisch. Raumfahrt kann eine Brücke zwischen Nationen sein", sagte der jetzige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

© dpa-infocom, dpa:220224-99-276295/4

 
 
 

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