Neu beim SSV Jahn Spätstarter Volkmer: Über den Spaß zum Fußballprofi

Dominic Volkmer ist von Werder Bremen II zum SSV Jahn Regensburg gewechselt. Foto: Fabian Roßmann

Verteidiger Dominic Volkmer wechselt von Werder Bremen II zum SSV Jahn Regensburg. Für die Entscheidung musste er nicht lange überlegen.

Dominic Volkmer stand am Nürnberger Flughafen, da hatte er seine Entscheidung bereits getroffen. Er kam gerade vom Gespräch mit den Verantwortlichen des SSV Jahn Regensburg. Für ihn stand sofort fest: da will ich hin! Andere Möglichkeiten hatte der 22-Jährige durchaus, hat sich auch alles angehört. Das Gespräch in Regensburg war das letzte für Volkmer – und das beste. „Es war alles sehr freundlich. Beim Jahn hatte ich das Gefühl, das ist in erster Linie noch ein Fußballverein mit allem was dazu gehört und kein reines Wirtschaftsunternehmen. Das war großartig, dieses Gefühl hatte ich bei anderen Vereinen nicht“, erzählt der junge Fußball-Profi seine ersten Eindrücke seines neuen Vereins.

Zwei Jahre hat sich Volkmer an den Jahn gebunden. Es ist seine erste Station fernab der Bremer Heimat. Dort hat er in den vergangenen beiden Jahren in der Dritten Liga gespielt, für die zweite Mannschaft von Werder. Er war Stammspieler bei den Grün-Weißen, kam vergangene Saison zu 34 Einsätzen, im Jahr zuvor auf 28. Hinter Vokmer und Werder II liegen zwei Jahre Abstiegskampf. Im ersten Jahr noch erfolgreich bewältigt (Volkmer: „Mein bisher schönster Moment als Fußballer“), reichte es in der abgelaufenen Saison nicht – und Bremen musste den Weg in die Regionalliga antreten. „Es ist kein schönes Gefühl, sich als Absteiger aus der Heimat zu verabschieden“, sagt Volkmer. Doch für ihn war damit klar, dass er sich nach einer neuen sportlichen Herausforderung umsehen wird.

Drei Mal Werder

Werder war seine sportliche Heimat. Drei Mal schloss er sich dem Verein bereits an. Aufgewachsen in Strom, einem kleinen Ort rund 15 Autominuten von Bremen entfernt, fing er bereits im Alter von fünf Jahren an, im Nachwuchs des Bundesligisten zu kicken. Nach vier Jahren ging’s zum SC Borgfeld, einen kleinen Club nahe Bremen. In der U13 versuchte es Volkmer nochmals bei Werder – allerdings nur ein Jahr, „die anderen waren einfach weiter als ich“. Der Fokus richtete sich fortan auf die schulische Ausbildung, Fußball spielte er nur noch zum Spaß.

Beim SC Weyhe spielte Volkmer in der B-Jugend-Verbandsliga, als ein Anruf kam und er in der B-Jugend-Regionalligamannschaft des Clubs aushelfen sollte. Das erste Spiel war gegen das zweite B-Jugend-Team des Hamburger SV. „Das hat richtig Spaß gemacht“, blickt Volkmer zurück. Er hat in dieser Zeit richtig Lust am Leistungsfußball gefunden. „Es hat mir Freude bereitet, wieder mehrmals die Woche im Training Gas zu geben sowie die Schule und den Fußball unter einen Hut zu bekommen“, sagt er.

In der U19 spielte Volkmer in Weyhe als jüngerer Jahrgang bereits in der Regionalliga. „Das war eigentlich ein Schritt zu weit für mich“, schätzt er rückblickend ein. Aber er konnte Erfahrungen sammeln und hat sich durchgebissen. Nachdem Weyhe wieder aus der U19-Regionalliga abgestiegen war, wechselte Volkmer zum JFV Nordwest, einen Zusammenschluss des VfL und VfB Oldenburg. Der Aufwand wurde größer, viermal die Woche Training, dazu das Pendeln zwischen Bremen und Oldenburg. Aber es hat sich gelohnt. „Ich habe genau im richtigen Moment den richtigen Entwicklungsschritt gemacht“, sagt Volkmer. Auf die ersten Herren-Regionalliga-Einsätze als A-Jugendlicher folgte sein erster Vertrag.

Angekommen im Profibereich

Nach einer Saison Oldenburg klopfte Werder Bremen erneut an und für Volkmer ging es zum dritten Mal zu dem Verein. Er war angekommen im richtigen Profifußball. „Ich gab mir ein Jahr zuvor drei Saisons Zeit, um in den Profifußball zu kommen. Dass es dann gleich nach der ersten geklappt hat, hätte ich mir damals nicht erträumt.“

Volkmer ist in einer Zeit, in der die meisten Profis die Nachwuchsleistungszentren diverser Clubs durchlaufen haben, ein klassischer Spätstarter. Er hatte seine Laufbahn in einem Profinachwuchs relativ früh beendet und fand über den Spaß am Fußball wieder zurück in die Leistungsschiene.

Die Umstellung bei seinem Wechsel zurück zu Werder war groß. Er musste sich ans neue Tempo gewöhnen. „Zudem habe ich das erste Mal gelernt, dass Profifußball nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz stattfindet“, erzählt er. In der Heimatstadt hatte er zunächst viel mit Freunden unternommen und hatte „nicht den Lebensstil, den ein Profi haben muss“, wie er ganz offen zugibt. Er war eben in keinem NLZ, hat nicht gelernt, wie wichtig Vor- und Nachbereitung des Trainings ist, dass es viel unsichtbaren Trainings bedarf, um weiterzukommen, dass man auf Schlaf und Ernährung achten muss. „Da waren andere Spieler schon weiter in ihrem Denken. Sie hatten das früh mit auf den Weg bekommen. Ich musste das alles auf einen Schlag lernen. Das hat mir Werder auch zu spüren gegeben.“ Seinen Weg bereut Volkmer dennoch nicht. „Ich denke, dass beide Seiten ihre Vor- und Nachteile haben. In Nachwuchsleistungszentren wird sehr viel gleich trainiert. Ich denke, wenn man aus dem Spaßfußball kommt, bringt man schon ein wenig mehr Individualität mit.“

Geprägt haben Volkmer auf seinem Weg vor allem drei Trainer: Predrag Uzelac in Oldenburg, ein „sehr rauer Trainer, ein harter Hund“, wie Volkmer sagt. „Aber ein großartiger Trainer, der mir viel Mentalität mit auf den Weg gegeben hat.“ Fußballerisch hat ihn später in Oldenburg Dietmar Hirsch weitergebracht. „Er hat mir gezeigt, dass Fußball auch viel mit einem kühlen Kopf und nicht nur mit Mentalität zu tun hat.“ In Bremen hat ihn vor allem der heutige Bundesliga-Trainer Florian Kohfeldt geprägt. „Er wusste schon als junger Trainer, wie man mit Spielern umgeht. Durch seinen Charakter hatte er eine sehr enge Bindung zu den Spielern, hat aber dennoch auch Autorität ausgestrahlt.“

Was Volkmer in Bremen gelernt hat: es kommt nicht nur auf die fußballerische Qualität an: „Wir hatten im zweiten Jahr ein individuell besser besetztes Team, aber nicht in den Punkten Mentalität und Zusammenhalt. Deshalb haben wir den Klassenerhalt am Ende auch nicht geschafft.“ Seine Lehre daraus: „Zusammenhalt, Teamgeist und Teamwille sind ganz entscheidende Faktoren, für mich auf einer Ebene mit der individuellen Klasse. Ohne diese Sachen wirst du als Mannschaft nicht bestehen.“ Diese Faktoren haben in der Vergangenheit auch den SSV Jahn ganz besonders ausgezeichnet und die Erfolge ermöglicht.

Die einzige Erwartung? "Immer 100 Prozent geben"

Was sich Volkmer von seiner Zeit in Regensburg erhofft, das will er nicht anhand von konkreten Zielen definieren: „Die einzige Erwartung, die ich an mich habe, ist, dass ich in jeder Lage immer 100 Prozent gebe – auf und neben dem Platz. Ich will mir nichts vorwerfen müssen und dann wird man sehen, was am Ende dabei herauskommt.“ Auf der Innenverteidiger-Position nimmt der 22-Jährige auch zunächst die Herausforderer-Rolle an, will aber Trainer Achim Beierlorzer immer eine möglichst gute Option fürs Wochenende bieten.

Der Neu-Regensburger freut sich auch auf die Spielphilosophie des Jahn. „Der Fußball, der hier gespielt wird, war für mich immer beeindruckend. Das ist der Fußball, der auch mir riesigen Spaß bereitet, weil man den Ball haben will und aggressiv presst.“ Im Abstiegskampf sei mit Bremen ein ganz anderer Fußball gespielt worden. Wo sich Volkmer noch weiterentwickeln will? Zum einen im Eins-gegen-eins und bei der Beweglichkeit. Aber auch im Offensivkopfball – „ein Tor in 62 Drittligaspielen ist ein bisschen wenig“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Beim Jahn und in Regensburg ist Dominic Volkmer gut angekommen. „Die bisherigen Eindrücke sind genau so, wie es mir in den Gesprächen erzählt worden ist. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen und man freut sich wirklich, hier zum Training zu kommen. Die Stimmung im Team und auch im Umfeld ist immer positiv.“ Gewöhnen muss er sich noch ein bisschen an die bayerische Sprache, speziell an den Oberpfälzer Dialekt, wie er mit einem Lachen sagt. Aber ansonsten fühle er sich schon richtig wohl. Auch ein Kartenspieler ist er, was beim Jahn schon einmal für einige Pluspunkte sorgt. Watten hat er bereits gelernt, spielt aktuell in einer Runde mit Jonas Nietfeld, Asger Sörensen und Sebastian Stolze. Und wer weiß, vielleicht stößt er auch einmal in den elitären Kreis der Jahn-Schafkopfrunde vor.

 
 

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