Neu beim SSV Jahn Julian Derstroff: "Der Jahn-Stil passt zu mir"

Julian Derstroff hat sich von Beginn an wohlgefühlt in Regensburg und beim SSV Jahn. Foto: imago

Julian Derstroff spielte bereits gegen Rafinha und Arjen Robben, er trainierte an der Seite von Mats Hummels und Marco Reus. Nun will er beim SSV Jahn Regensburg seinen Teil zum erneuten Klassenerhalt beitragen.

Es war eine große Kulisse, vor der Julian Derstroff im Februar 2012 sein erstes Bundesligaspiel bestritten hat. Er war mit dem 1. FC Kaiserslautern zu Gast beim großen FC Bayern, vor 70.000 Zuschauern in der Allianz Arena. 26 Minuten sind noch zu spielen und der FCK liegt bereits mit 0:2 im Rückstand, als Derstroff von Trainer Marco Kurz eingewechselt wird. Er solle es einfach genießen, gibt ihm der Coach mit auf den Weg. Derstroff spielt auf dem linken Flügel, seine Gegenspieler heißen Rafinha und Arjen Robben. „Das sind Momente, die vergisst man einfach nicht“, sagt er rückblickend.

Für Derstroff, zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt, war es auch eine „Herzensangelegenheit“, wie er sagt. Seit seinem zweiten E-Jugend-Jahr kickte er im Nachwuchs der Roten Teufel, nun durfte er für die Profis in der Bundesliga ran. „Wenn man so lange in der Jugend spielt und dann bei diesem Verein den Sprung schafft, dann ist das einfach etwas Tolles. Ich bin dem Verein heute noch sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe“, betont er.

Fußball spielt Derstroff schon „so lange ich denken kann“. Sein um sechs Jahre älterer Bruder Florian, der heute im Merchandising-Bereich des SC Freiburg arbeitet, hat ihn früh auf den Bolzplatz mitgenommen. „Ich war immer der Kleine und musste mich gegen die Größeren durchsetzen. Das hat mich weiter gebracht“, blickt er auf seine Anfänge zurück. Die Profiwelt war da noch weit weg: „In diesem Alter geht es nur darum, dass man Spaß hat und regelmäßig spielen kann. Aber natürlich gehört auch Ehrgeiz dazu: Man will immer besser sein als die anderen.“

Familienmensch Julian Derstroff

Derstroffs Talent stach bei seinem ersten Verein, dem SV Ixheim, schnell hervor. Ein Jugendtrainer hat in der E-Jugend die Talenttage des 1. FC Kaiserslautern empfohlen. Derstroff nahm daran teil und wurde von den „Roten Teufeln“ genommen. Das bedeutete für Derstroff viel Aufwand. Aufstehen um sieben, dann ab in die Schule. Nach Hause, schnell etwas essen, die Hausaufgaben erledigen und dann ab ins Training. „Es war schon stressig zu dieser Zeit, aber es hat sich im Nachhinein gelohnt“, sagt Derstroff, der seiner Mutter dankbar für den Fahrdienst ist. In der U17 war er auch ein Jahr im Internat, dort gefiel es dem Familienmenschen aber nicht, sodass er anschließend wieder nach Hause kam.

Zunächst spielte Derstroff auch in Kaiserslautern vor allem wegen des Spaßes, ab der B-Jugend habe er sich dann erstmals Gedanken gemacht, dass es reichen könnte, erzählt er. Es ging für ihn Jahr für Jahr weiter, bis er schließlich 2012 für die Profis debütierte. Auf das Spiel in der Allianz Arena folgten elf weitere Einsätze in der Bundesliga – und der Abstieg mit dem FCK. „Es war natürlich toll, zwölf Bundesligaspiele zu bestreiten. Aber es war auch extrem bitter, gleich im ersten Profijahr mit dem Verein abzusteigen, für den man schon so lange gespielt hat“, sagt Derstroff.

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Deswegen wollte der Offensivspieler auch in Kaiserslautern bleiben und Teil des sofortigen Wiederaufstiegs sein. Das gelang jedoch nicht, am Ende scheiterte man in der Relegation an der TSG 1899 Hoffenheim. Nach einem Trainerwechsel bestritt Derstroff nur noch sieben Einsätze in der 2. Bundesliga, also entschied er sich nach der Saison, eine neue Herausforderung zu suchen – und wechselte zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund.

Trainiert unter Jürgen Klopp

„Mir war es in diesem Alter vor allem wichtig, regelmäßig zu spielen“, erläutert Derstroff. In Dortmund hatte er die Möglichkeit, in der Dritten Liga Spielpraxis zu sammeln, aber auch bei den Profis zu trainieren. „Es war für mich eine riesige Chance, mit Weltklassespielern wie Mats Hummels, Marco Reus oder Robert Lewandowski und unter dem Trainer Jürgen Klopp zu trainieren“, sagt Derstroff. Er habe sehr viel mitgenommen aus dieser Zeit. „Das Niveau war jeden Tag absolute Weltklasse, ich konnte mir viel abschauen. Fehler oder kleine Konzentrationsmängel wurden sofort bestraft.“

Nach zwei Jahren zog Derstroff weiter von Dortmund nach Mainz. Dort war der Ablauf ähnlich: er spielte für die zweite Mannschaft und durfte regelmäßig mit dem Bundesligateam trainieren. Nach einem Jahr und 35 Einsätzen fühlte sich Derstroff bereit, wieder eine Liga höher anzugreifen. Er wechselte zum SV Sandhausen. „Das Gesamtpaket hat einfach gepasst. Ich konnte in Heimatnähe spielen und hatte sehr gute Gespräche mit Alois Schwartz“, sagt Derstroff. Trainer Schwartz verließ den SVS aber einen Tag vor Trainingsstart und auch für Derstroff lief es nicht wie gewünscht. Aufgrund einer langwierigen Achillessehnenentzündung bestritt er nur zehn Einsätze in seinem ersten Jahr. Vergangene Saison kam er auf 18 Spiele. „Es geht natürlich immer besser“, sagt Derstroff mit Blick auf die zwei Jahre in Sandhausen, und findet es „schade, dass ich verletzungsbedingt nicht zu einhundert Prozent zeigen konnte, was ich draufhabe.“

Das will er nun beim SSV Jahn machen. Derstroff wollte in diesem Sommer eine Veränderung und konnte sich für den Oberpfälzer Zweitligisten begeistern. Als Außenstehender habe er sich viele Spiele des Jahn angeschaut. „Den Spielstil kenne ich aus Dortmund und aus Mainz – der passt zu mir“, sagt er. Zudem seien die Gespräche mit Trainer Achim Beierlorzer und Geschäftsführer Christian Keller sehr gut gewesen.

Das alte Jahnstadion? "Speziell"

2012 hat Derstroff das erste Mal gegen den Jahn gespielt, da blieb ihm vor allem das alte Jahnstadion im Gedächtnis. „Das war speziell“, sagt er mit einem Schmunzeln. Das sei aber auf keinen Fall negativ gemeint. Derstroff spielte jeweils in der Liga, als der Jahn 2013 aus der 2. Bundesliga und 2015 aus der Dritten Liga abgestiegen ist. „Das tat mir leid“, sagt er. Umso mehr hat es ihn gefreut, was in den letzten Jahren passiert ist. „Der Durchmarsch in die 2. Liga war außergewöhnlich, da freut man sich auch als Außenstehender mit. Die aktuelle Entwicklung hier ist wirklich überragend. Ich freue mich, jetzt ein Teil davon zu sein und will helfen, den Verein weiterzubringen.“

Derstroff will auch das eine oder andere Tor zum Erfolg des Jahn beitragen. Das mit dem Toreschießen ist ihm in der 2. Bundesliga bislang noch nicht so sehr geglückt mit zwei Treffern in 35 Spielen, während er seinen Torriecher mit 20 Toren in 80 Drittliga-Spielen schon unter Beweis gestellt hat. „Die Tore sind in der 2. Liga ja auch nicht kleiner“, sagt Derstroff lachend. „Ich habe es mir definitiv vorgenommen, mehr zu treffen. Denn die bisherige Quote ist nicht mein eigener Anspruch. Ich werde einfach weiter Gas geben und tagtäglich hart arbeiten. Dann bin ich sicher, dass es auch in der 2. Liga mit den Toren klappt.“

Beim Jahn ist Derstroff, der „für jeden Spaß zu haben“ ist und privat viel mit Freunden und der Familie unternimmt oder eine Runde auf seiner Vespa dreht, gut angekommen. „Die Leute hier sind unfassbar bodenständig, hilfsbereit und nett“, sagt er. Auch die Mannschaft habe ihn super aufgenommen. „Ich freue mich jeden Tag, zum Training zu kommen, zu kicken und mit den Jungs Spaß zu haben.“ So wie in Regensburg habe er das bislang noch nirgends kennengelernt. Ihm sei das auch sehr wichtig, „denn nur wenn man sich wohlfühlt, kann man auch 100 Prozent Leistung abrufen. Teamgeist wird hier ganz großgeschrieben und der Verein lebt das jeden Tag.“

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