Netzfundstück der Woche Leberkäs zu teuer? Metzgerei reagiert emotional

Sind 2,10 Euro zu viel für eine Leberkassemmel? Eine Metzgerei aus Grünwald ruft in einem emotionalen Facebook-Post zu mehr Wertschätzung auf. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ein Kunde beschwert sich bei einer Metzgerei in Grünwald (München) über den Preis der Leberkässemmeln. Ein Mitarbeiter antwortet mit einem emotionalen Facebook-Post - und wird für seine Reaktion gefeiert. Unser Netzfundstück der Woche.

Stein des Anstoßes war eine Kundenbewertung, die ein User im Internet hinterlassen hatte. Er lobte zwar die Qualität, kritisierte aber die in seinen Augen "saftigen Preise" der Metzgerei. Insbesondere, dass er 2,10 Euro für eine Leberkässemmel zahlen sollte, stieß ihm offenbar sauer auf. "Ist schon derb", schrieb er.

Gerade für kleine Metzgereien können solche Google-Bewertungen sehr wichtig sein. "Insbesondere für Neukunden sind Bewertungen im Internet ein Anhaltspunkt, eine Metzgerei oder jegliches Geschäft auszuprobieren, oder eben nicht", schreibt Metzgerei-Mitarbeiter Korbinian Rausch in einem langen und ehrlichen Facebook-Post. "Daher schmerzt es uns und mich persönlich sehr, wenn wir schlechte Bewertungen erhalten."

In diesem Fall habe man sich über die Bewertung aber schlichtweg geärgert. "Wenn wir schlecht bewertet werden, weil eine Leberkässemmel 2,10 Euro kostet, dann ist dies kein Auslöser für Traurigkeit und Reue, sondern Empörung und Wut", schreibt Rausch weiter. Deswegen wollte man diese Bewertung auch nicht unkommentiert lassen.

"Vielleicht schadet es nicht zu hören, was alles geschehen muss, damit eine Leberkässemmel verkauft werden kann", ist Rausch überzeugt. Es folgt eine ausführliche Auflistung: Bis ins kleinste Detail beschreibt er den Weg bis zur fertigen Leberkassemmel. Das Schwein müsse aufgezogen, gefüttert und schließlich geschlachtet werden. Das Fleisch zerlegt, mit Gewürzen aus verschiedenen Ländern gemischt und schließlich von einem Metzgermeister mit viel Erfahrung zu Brät verarbeitet werden. Dazu komme auch noch die Arbeit des Bäckers für die Semmeln.

"Und auch der Verkäufer oder die Verkäuferin, die Sie bedienen, erhält bei uns einen sehr fairen und würdigen Lohn für die harte Arbeit, die unser Team jeden Tag leistet", schreibt Rausch. "Wenn 100 Gramm warmer Leberkäse in einer ordentlichen Bäckersemmel für 2,10 Euro als zu teuer wahrgenommen werden, bitte ich inständig darum, sich diesen Text in Erinnerung zu rufen. Vielleicht relativiert sich die Wahrnehmung etwas", schließt er seinen Appell.

Dieser ist offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen: Bislang wurde der Beitrag bei Facebook schon über 3.200 mal geliked und 800 mal geteilt. Viele Facebook-Nutzer stimmen Korbinian Rausch dabei zu. "Gut geschrieben und lässt den einen oder anderen vielleicht mal drüber nachdenken", schreibt ein User. "Alle sind entsetzt über den Tönnies-Skandal und dann bei 2,10 Euro schon meckern. Wenn wir Fortschritte in Tierwohl und Qualität sowie Arbeitsbedingungen erreichen wollen müssen wir umdenken!", kommentiert eine andere Userin. Das würde sich auch Korbinian Rausch wünschen: "Es wäre wirklich wunderbar wenn es ein Nachdenken anregt."

 

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