Nachrufe Diese Menschen sind 2022 in Ostbayern gestorben

, aktualisiert am 01.01.2023 - 13:33 Uhr
Ostbayerns Tote des Jahres 2022, darunter Friseurmeister Günther Stolze, Heimatschriftsteller Josef Fendl, Churpfalzpark-Betreiberin Irmgard Muth und Glaskünstler Erwin Eisch. Foto: Privat/Wenzel Neumann/Joachim Muth/Ines Kohl

Im Jahr 2022 sind viele bekannte Persönlichkeiten von uns gegangen. Manche waren lokale Berühmtheiten, andere bis über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt - darunter Zeitungsausträger, Heimatdichter, Geistliche und Kommunalpolitiker. In unserem Rückblick erinnern wir nochmal an Menschen in Ostbayern, die in diesem Jahr ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Verstorbener Papst: Diese Nachricht sorgte an Silvester bei vielen Menschen für Bestürzung: Papst Benedikt XVI. ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Vor allem in Regensburg und in seiner Heimatgemeinde Pentling ist die Anteilnahme groß. Auch nach seiner Ernennung zum Pontifex blieb Joseph Ratzinger seiner Heimat stark verbunden, zweimal war er zu Besuch in Regensburg. Keine Selbstverständlichkeit.

Heimatschriftsteller und Sprüchemacher: Fest verwachsen mit der Region war er, ein Bewahrer des Bairischen und Pfleger der bayerischen Kultur. Josef Fendl ist am 18. Juni im Seniorenzentrum Neutraubling für immer eingeschlafen. Als Stadtrat und Kreisheimatpfleger brachte er sich in seiner Heimat ein – und schrieb darüber. Gut 100 Bücher verfasste er bis zu seinem Tod im Alter von 93 Jahren.

Straubinger Institution: Entwaffnend unverblümte Ehrlichkeit mit dem Herz am rechten Fleck – so wurde Rosina Zirngibl beschrieben. Die Prinzipalin der Straubinger Volksbühne starb am Ostersonntag, sie wurde 95 Jahre alt. Für ihr karitatives Engagement wurde sie zu Lebzeiten mit der Goldenen Bürgermedaille und dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Junge-Wähler-Stadtrat: Mit nur 36 Jahren ist Christian Pollner am 10. Oktober gestorben. 2020 zog er erstmals für die Jungen Wähler, der Nachwuchsorganisation der Freien Wähler, in den Landshuter Stadtrat ein. Er beschäftigte sich mit Themen wie der Kinderbetreuung, saß im Umwelt-, Sport-, Dult- und Personalsenat. Pollner führte in vierter Generation den familieneigenen Bäckereibetrieb.

Unternehmer aus Buch: Im Alter von 81 Jahren ist Kastulus Bader am 19. Januar gestorben. Er leitete die Leipfinger-Bader Ziegelwerke in Vatersdorf jahrzehntelang und baute sie zu einem deutschlandweit führenden Unternehmen in der Baustoff-Branche auf. Er engagierte sich zudem kirchlich sowie sozial und erhielt für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Bayerische Staatsmedaille.

Mooshütte-Seniorchefin: Trauer und Bestürzung herrschten im Lamer Winkel, als der Tod von Karin Kirchberger im März bekannt wurde. Die Seniorchefin des Berghotels Mooshütte starb im Alter von 76 Jahren, um sie trauern ihr Mann, die vier Kinder und fünf Enkelkinder.

Langjähriger Feuerwehrler: Nach langer, schwerer Krankheit ist Markus Muckenschnabl, auch „Muck“ genannt, am 24. Januar 2022 gestorben. Er war nicht nur Straubinger Feuerwehrler und langjähriger Jugendwart, sondern auch Bezirksschornsteinfeger. Muck wurde 47 Jahre alt.

Geborener Schausteller: Eigentlich war Ali Bräu Verwaltungsbeamter. Doch er verliebte sich in die Schaustellerin Gaby Büchl und fand durch sie seine Berufung. Zusammen betrieben sie Schieß- und Mandelstände, in Straubing veranstalteten sie den Eiszauber auf dem Stadtplatz. 2019 erkrankte Bräu an Krebs, seinen 70. Geburtstag im Februar durfte er noch feiern. Am 7. August ist Ali Bräu gestorben.

Glaskünstler aus dem Wald: Erwin Eisch, ursprünglich aus Frauenau im Bayerischen Wald, trieb sich ab den 1960er Jahren in der Münchner Kunstszene herum. Er und seine Frau gründeten verschiedene Kunstgruppen. Eisch benutzte als einer der ersten Künstler Glas als Hauptmaterial für seine Figuren. In der Nacht zum 25. Januar starb er in Frauenau im Alter von 94 Jahren.

Straubinger Puppendoktor: Bereits 1992 schloss die „Straubinger Puppenklinik“, denn Friseurmeister Hans Pfeffer ging in den Ruhestand. Die Puppenklinik gehörte zu seinem Friseurgeschäft, er verarztete dort viele Patienten aus Porzellan, Zelluloid, Hartplastik oder Leder. Mit 94 Jahren starb Pfeffer am 29. Januar.

Markt- und Kreisrätin: Eine mehrfach geehrte, engagierte Kommunalpolitikerin fehlt nun in Nandlstadt. Gisela Kurkowiak, das örtliche Gesicht der SPD, gründete nicht nur den Arbeitskreis Asyl, sie war zudem in der Bücherei sowie als evangelische Kirchenvorsteherin tätig. Mit 73 Jahren starb die langjährige Markt- und Kreisrätin am 14. Februar.

Essenbacher Marktrat: 30 Jahre lang saß Josef Lackerbauer im Marktrat Essenbach. Zudem engagierte er sich als zweiter Bürgermeister und Mitglied von verschiedenen Ausschüssen, Räten, aber auch Vereinen in seiner Heimat. Am 21. Februar starb Lackerbauer im Alter von 71 Jahren.

Langjähriger Friseurmeister: Der Straubinger Friseur Günther Stolze führte sein Handwerk 60 Jahre lang aus. Er starb nach langer schwerer Krankheit mit 81 Jahren am 12. November friedlich im Kreis seiner Familie. Für viele bleibt sicher unvergesslich, mit welcher Lebensfreude er in seinem Friseur-Salon den Menschen begegnete.

Ehemaliger Bundestagsabgeordneter: Der Sozialdemokrat Horst Kubatschka saß 15 Jahre lang für den Wahlkreis Landshut/Kelheim als Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Bereits zuvor war er im Stadtrat tätig, legte Wert auf die Themen Kultur und Umwelt. Im Alter von 80 Jahren starb Kubatschka am 19. März.

Der Don Quichotte der Further Kommunalpolitik: Der Ex-Kreis- und Stadtrat Alois Späth aus Furth ist mit 84 Jahren am 30. März zu Hause gestorben. Der selbstständige Versicherungsvertreter war bekannt für seine Kommunalpolitik-Sucht, sie bestimmte zum Großteil sein Leben. Auch nach seiner Amtszeit brachte er sich noch ein: Mit Leserbriefen legte er gern den Finger in die politische Wunde.

Mutter des Churpfalzparks: Irmgard Muth, geborene Hering, legte 1971 mit ihrem Mann den Grundstein für den Churpfalzpark - mit Märchenhäuschen und Blumenlandschaften. Über die Jahre kamen immer mehr Attraktionen hinzu. Muth saß dabei im Kassenhäuschen, wusch Geschirr oder reinigte die Sanitäranlagen. Am 18. April, zwei Tage nach ihrem 86. Geburtstag, schloss sie für immer ihre Augen.

Schillernder Saisonkellner: Kurt Eltner, ein Landshuter Original, war überall anzutreffen. Egal, ob Altstadtfest oder andere Veranstaltungen, er hat überall mitangepackt. Für jeden hatte er stets ein offenes Ohr. Nach langer Krankheit ist Eltner jedoch am 19. April gestorben. Er wurde 62 Jahre alt.

Mediziner, Sportler, Musiker: Der ehemalige Landshuter Chefarzt und Mannschaftsarzt des EV Landshut, Professor Michael Karpf, wurde 83 Jahre alt. Obwohl er am Klinikum bereits in den Ruhestand gegangen war, behandelte er weiterhin die Spieler des Eishockeyvereins. Aber auch er selbst war sportlich aktiv und spielte gerne Musik. Am 1. Mai starb Professor Karpf.

Schwimmer-Institution: 80 Jahre hatte er den Straubinger Schwimmverein geprägt. Mit 92 Jahren schwamm Herbert Sieber jeden Tag noch 800 Meter, zum Schwimmbad radelte er stets. Mitte Juni verlor der Verein sein ältestes Mitglied: Sieber starb im Alter von 96 Jahren.

Attenhofener Altbürgermeister: 18 Jahre hatte Josef Heidingsfelder die politischen Geschicke seiner Heimatgemeinde Attenhofen gelenkt, über vier Jahrzehnte war er kommunalpolitisch aktiv sowie 24 Jahre lang als Kirchenpfleger tätig. Seine Gemeinde ernannte ihn zum Altbürgermeister und Ehrenbürger. Am 22. Juni starb Josef Heidingsfelder mit 86 Jahren.

Ursulinen-Schulleiterin: Rosemarie Härtinger war seit 2013 Direktorin des Straubinger Gymnasiums der Ursulinen-Schulstiftung. Dort hat sie weibliches Selbstbewusstsein vorgelebt und vermittelt. Im Alter von 65 Jahren ist sie am 3. Mai gestorben - wenige Monate, ehe sie in den Ruhestand treten wollte. Sie hatte über zwei Jahre willensstark gegen eine tückische Krebserkrankung und die Nebenwirkungen herausfordernder Therapien gekämpft.

Pfarrer und Seelsorger: Hubert Panhölzl war 38 Jahre lang Seelsorger am Klinikum Sankt Elisabeth in Straubing, 2020 feierte er sein 50. Priesterjubiläum. Die Stadt würdigte sein Wirken mit der Goldenen Bürgermedaille. Panhölzl starb an Peter und Paul, am 29. Juni, daheim.

Schiedsrichter-Legende: Rudolf Stark gestaltete mehr als 50 Jahre im Fußballkreis Landshut und im Bayerischen Fußballverband mit. Er schaffte es bis zum Verbands-Schiedsrichterobmann und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Anfang August starb Stark im Alter von 80 Jahren im Kreise seiner Familie.

Korrekturleserin der Chamer Zeitung: Bis zuletzt ging sie auf Fehlerjagd. Evelyne Straßer war 23 Jahre lang Korrekturleserin der Chamer Zeitung. Bewaffnet mit einem Duden wies sie die Redakteure auf ihre Fehler hin. Aber auch als freie Mitarbeiterin war sie aktiv, sie hatte großes Interesse an Kultur und Politik. Evelyne Straßer schlief mit 75 Jahren in der Nacht zum 1. September für immer ein.

Chamer Diakon: 81 Jahre alt ist Alois Hiebl geworden. Er war Diakon, Chamer Stadtrat und das Gesicht der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Landkreis. An der Chamer Berufsschule unterrichtete er 33 Jahre lang Religion, war zudem als Jugendreferent aktiv. Am 3. Oktober schloss er für immer die Augen.

Quirlige Lokalreporterin: Sie war ein Original. Geschätzt, beliebt und äußerst bekannt - nicht nur in Bogen. Dorothea Wolf war eine geradlinige Powerfrau, die knapp 60 Jahre lang für die Bogener Zeitung als Berichterstatterin im Einsatz war. Am 16. November ist sie im Alter von 97 Jahren gestorben. 

Krippen-Kenner: Rund 30 Jahre war Franz Karl am Johannes-Turmair-Gymnasium in Straubing tätig, engagierte sich als Gründungsmitglied des Karmeliten-Fördervereins. Seine Leidenschaft dabei immer: Krippen. Jahrzehntelang haben er und seine Frau in den örtlichen Kirchen und im Karmelitenkloster Krippen gepflegt und restauriert. Am 4. Oktober starb der Studiendirektor a.D. mit 93 Jahren.

Reisbacher Altbürgermeister: Sepp Steinberger wirkte 40 Jahre lang als Bürgermeister der Großgemeinde Reisbach. Sieben Mal trat er ohne Gegenkandidat zur Wahl an. Er war Mitglied des Kreistags, Vorsitzender der CSU-Fraktion und brachte sich als Vorsitzender in weiteren Verbänden ein. Am 12. Oktober starb Steinberger mit 79 Jahren.

Zeitungsausträger und Barfußläufer: Heinz Zick aus Moosburg, meist nur "tz-Heinze" genannt, war ein Original – nicht zuletzt, weil er meist barfuß unterwegs war. In München holte er jeden Tag die Zeitungen, in Landshut ging er seine letzten Runden. Dazwischen durfte ein Ratsch nicht fehlen. Mitte März starb er mit über 70 Jahren.

Landshuter Musik-Größe: Wer in den letzten 30 Jahren in Landshut irgendetwas mit Musik zu tun hatte, dürfte an Michael Bresler kaum vorbeigekommen sein. Er arbeitete nicht nur als Tontechniker, sondern war auch Gründungsmitglied zahlreicher Bands wie etwa "The Flam", "Yoldas" und "Pressure in July". Auch bei der Landshuter Musikerinitiative Mila war er eine treibende Kraft. Im vergangenen Jahr musste er sich nach einer schwerwiegenden Krankheitsdiagnose zurückziehen, im November starb er im Alter von 55 Jahren.

Chamer Buchhändler: Im Alter von 74 Jahren ist Wolfram Beer am 16. März gestorben. Bekannt war der „Bücher-Beer“ nicht nur durch seine Buchhandlung in dem kleinen Turm am Chamer Steinmarkt, sondern auch als begabter Handballer des ASV Cham: Er erzielte in gut 600 Spielen mehr als 2.000 Treffer für den ASV und schaffte mit der Mannschaft den Aufstieg in die Bayernliga.

Langjähriger Vorsitzender: 34 Jahre und neun Monate hat Dieter Delp den TSV Wörth an der Donau als Vorsitzender geprägt. Kein TSV-Vorsitzender war länger im Amt als er. 27 Jahre saß er im Stadtrat. In der Pfarrei engagierte er sich, unternahm Ausflüge. 2016 erhielt Delp als Dank die Bundesverdienstmedaille. In der Nacht auf den 19. Oktober starb Delp im Alter von 78 Jahren.

Wörther Seniorwirt: Mehr als 70 Jahre lang hat Karl Geier Gäste im gleichnamigen Wörther Gasthaus bewirtet. Darunter waren viele Vereine, wie die Feuerwehr, der Geier bereits seit 1950 angehörte. Am Ende ging es recht schnell und Karl Geier schlief am 24. Oktober, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag, friedlich ein.

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