Nach umstrittener Impf-Analyse Bayerische Krankenkasse Provita entlässt Vorstand

In einem Bericht der Krankenkasse war von einer "erheblichen Untererfassung" bei Impfschäden die Rede – das stieß auf viel Kritik. (Symbolbild) Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Die Krankenkasse BKK Provita hat sich nach einer umstrittenen Analyse zu Impfnebenwirkungen von ihrem Vorstand getrennt.

Auf seiner Sitzung am Dienstag habe der Verwaltungsrat beschlossen, "sich mit sofortiger Wirkung vom bisherigen Vorstand Andreas Schöfbeck zu trennen", wie die Versicherung mit Hauptsitz in Bergkirchen nahe München mitteilte. Nachfolger wurde sein Stellvertreter Walter Redl.

Etwa eine Woche zuvor war die BKK Provita wegen eines Briefes von Schöfbeck an den Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, in die Schlagzeilen geraten. Schöfbeck hatte darin nach einer eigenen Auswertung der Arztabrechnungen von knapp elf Millionen Versicherten verbreitet, es gebe in Deutschland "eine sehr erhebliche Untererfassung von Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen". Offiziell listet das PEI Verdachtsfälle in Deutschland auf.

Kritik an der BKK-Provita-Analyse gab es unter anderem vom PEI, dem Virchowbund, der niedergelassene Ärztinnen und Ärzte vertritt, und dem Bundesgesundheitsministerium, da die Krankenkasse nicht unterschied zwischen vorübergehenden Symptomen nach einer Impfung wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle und tatsächlich schweren und anhaltenden Gesundheitsproblemen.

Auch erwartbare Reaktionen erfasst

Kurz gesagt: In der BKK-Provita-Erhebung wurden auch milde und erwartbare Impfreaktionen erfasst, etwa wenn ein Patient wegen Unwohlsein nach einer Corona-Impfung eine Krankschreibung für einen oder zwei Tage benötigte. Solche Symptome sind aber nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig beim PEI.

Schöfbeck hatte in seinem Brief von einem "erheblichen Alarmsignal" gesprochen. Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, warf daraufhin der BKK Provita "peinliches Unwissen oder hinterlistige Täuschungsabsicht" vor. Die Schlussfolgerungen aus der Datenlage seien "kompletter Unfug".

Bei den 150 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland bis Ende 2021 sind dem PEI 244.576 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung gemeldet worden. Das heißt aber nicht, dass eine Impfung tatsächlich jeweils die Ursache für die Symptome gewesen sein muss.

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