Es sind Bilder der Zerstörung, wie man sie sonst eher aus der berühmt-berüchtigten "Tornado Alley" im Süden der USA kennt: Am Donnerstag hat ein verheerender Wirbelsturm in Tschechien massive Schäden verursacht, es gab mehrere Tote und Verletzte. Wäre so etwas auch in Ostbayern denkbar? Ein DWD-Experte gibt Auskunft.

Tatsächlich sind Tornados oder zumindest plausible Tornado-Verdachtsfälle auch in Bayern gar nicht mal so selten, erklärt Dirk Mewes, Meteorologe an der Niederlassung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in München. Auf der Webseite "Tornadoliste" kann jeder selbst potenzielle Wirbelsturm-Ereignisse nachschlagen und auch Verdachtsfälle melden. Ein Blick in die Liste zeigt in Bayern seit 2019 zahlreiche Sichtungen sogenannter "Trichterwolken", die die Vorstufe eines Tornados sein können – unter anderem in Pfarrkirchen, Dingolfing, Landau an der Isar, Straubing, Landshut und Deggendorf.

Zu bestätigten Tornados allerdings kam es nur außerhalb Ostbayerns, etwa in Giebelstadt (Landkreis Würzburg), in Wirsberg (Landkreis Kulmbach), in Schirnding (Landkreis Wunsiedel) sowie auf dem Starnberger See und dem Chiemsee. Eine so zerstörerische Kraft wie der Tornado in Tschechien entwickelte keiner von ihnen. Aber wäre das denn möglich in Ostbayern? DWD-Experte Mewes hat darüber mit unserer Redaktion gesprochen.

Herr Mewes, wir hatten hier in Ostbayern in den letzten Wochen mit zahlreichen Unwettern, Überschwemmungen, Starkregen und Hagel zu kämpfen. Wäre auch ein solcher Tornado denkbar?

Dirk Mewes: Prinzipiell sind Tornados auch in Ostbayern möglich, wenn die Grundbedingungen dafür gegeben sind. Wenn also kräftige Gewitterzellen, die die Region ja durchaus erreichen, durch die unterschiedliche Richtung und Geschwindigkeit von bodennahem Wind und jenem in höheren Regionen in Rotation geraten und mit einer tiefen Wolkenuntergrenze verbunden sind, dann kann das passieren. Dann bilden sich nämlich manchmal die charakteristischen Trichterwolken in Richtung Boden, die unter Umständen zu einem "echten" Tornado werden können.

Dass Gewitterzellen zu rotieren beginnen, beobachten wir in Bayern ab und an mittels der Erkennungs-Algorithmen in unseren Radarsystemen. Die "Zutaten" für kräftige Gewitter, die Ausgangspunkt für Tornados sein können, entstehen in einer besonders feuchten Luftmasse. Sind die unteren Luftschichten dann noch deutlich wärmer als die in größerer Höhe, steigt diese Luft auf. Die darin enthaltende Luftfeuchte kondensiert und bildet Wolkentröpfchen, die beim Aufsteigen anwachsen, sich abkühlen und gefrieren. Die dabei umgesetzte Energie kann sich dann in zahlreichen Blitzen und unter Umständen auch in einem Tornado entladen.

Das Tornado-Ereignis in Tschechien wurde nun aber hinsichtlich seiner Gewalt vielfach mit jenen verglichen, die wir normalerweise nur aus dem Süden der USA kennen. War das also ein Extremfall, der so eher selten zustandekommt?