Nach Raffinerie-Angriff in Nahost Heizölpreise steigen, Spritpreise vorerst stabil

Für den Angriff die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen die Verantwortung übernommen. Foto: AP/dpa

Nach dem Drohnenangriff auf die größte Raffinerie Saudi-Arabiens am Wochenende sind die Rohöl-Preise weiterhin ungewöhnlich hoch. Zwar schwächte sich der Preisanstieg zwischenzeitlich ab, doch Entspannung ist nicht in Sicht.

Wie wirkt sich die globale Entwicklung auf die Öl- und Benzinpreise in der Region aus? idowa hat nachgefragt.

"Als ich nach der Meldung am Montag in die Arbeit gefahren bin, dachte ich schon, jetzt werden wir einen Mords-Preis haben", sagt eine Mitarbeiterin der JET-Tankstelle in der Ittlinger Straße am Telefon.

Doch weit gefehlt: Die aktuellen Preise für Diesel und Super E10 sind hier sogar niedriger als gewöhnlich. Auch in den letzten Wochen und Monaten habe man "humane Preise" gehabt. In den letzten beiden Tagen habe sich die Drohnen-Attacke "nicht spürbar" ausgewirkt.

Beim Sprit noch alles "absolut im Rahmen"

Ähnlich ist die Situation an der Agip-Tankstelle in der Chamer Straße. "Ganz ehrlich? Nein", antwortet Besitzer Robert Cerbic auf die Frage nach jetzt steigenden Spritpreisen. Die Preise seien aktuell noch normal, auch in der vergangenen Ferienzeit habe man kaum nennenswerte Steigerungen gehabt.

"Momentan haben wir einen Anstieg von zwei bis drei Cent pro Liter, das ist absolut im Rahmen", erklärt Cerbic. "Wenn es aber plötzlich acht bis zehn Cent werden, dann wird es dramatisch. Das wäre dann, als würde die Deutsche Bank pleite gehen – eine echte Wirtschaftskrise."

Aktuell sieht der Tankstellenbesitzer jedoch keinen Grund zur Panik: "Falls es keinen zweiten Angriff oder eine weitere Eskalation der Situation dort gibt, wird sich da nichts weiter tun, denke ich."

Das sieht Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Instituts, genauso: "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte er der dpa.

Wenn es rund um den persischen Golf, wo etwa ein Drittel des weltweiten Öls gefordert wird, zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen.

Dafür spreche momentan aber wenig, so Fuest. Er gehe davon aus, dass sich der Ölpreis zeitnah stabilisieren werde.

Heizöl-Preise "gehen steil nach oben"

Sehr unmittelbar wirkt sich die aktuell angespannte Preissituation beim Heizöl aus. "Wir spüren schon längst deutliche Auswirkungen, die Preise gehen gerade steil nach oben", sagt Felix Kuhnert von der Firma Heizöl Schwaiger in der Ittlinger Straße.

"Da spielt natürlich die Börse eine Rolle, wo mit den Rohöl-Preisen spekuliert wird. Und die reagiert momentan ziemlich nervös, das treibt weltweit die Preise in die Höhe", erklärt er.

Dass die Tankstellen-Preise noch nicht betroffen sind, wundert Kuhnert nicht: "Die bekommen ja nur etwa ein bis zwei mal pro Woche ihre Lieferung, da kommt der steigende Preis verzögert an." Er rechne damit, dass es auch hier kommende Woche erhöhte Preise geben werde, "aber jetzt nicht zehn oder 20 Cent pro Liter, vielleicht fünf." 

Der deutsche Mineralölwirtschaftsverband (MWV) schätzt die Lage ähnlich ein: Da aus Saudi-Arabien vergleichsweise wenig Öl nach Deutschland komme, würden die Auswirkungen auf Autofahrer überschaubar bleiben. Der kurzfristig steigende globale Rohöl-Preis müsse sich nicht unbedingt langfristig auf deutsche Tankkunden auswirken.

"Deckt euch lieber jetzt ein"

Der aktuelle Heizöl-Preis sei, verglichen mit September letzten Jahres, als die Explosion in der Vohburger Raffinerie die Rohöl-Preise nach oben schnellen ließ, zwar noch "akzeptabel", aber Kuhnert rät trotzdem zur Umsicht:

"Was da noch passiert, hängt davon ab, wie sich das weiter weiter entwickelt und ob sich das aufbauscht." Man solle vielleicht nicht unbedingt die Reaktionen der USA oder Russlands auf die angespannte Lage abwarten, sondern "sich Gedanken machen", ob es nicht Zeit zum Heizöl-Tanken ist: "Ich sage: Leute, deckt euch lieber jetzt ein!"

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