Nach Meningokokken-Fällen in Bayern "Wir haben den Impfgegnern viel zu verdanken"

Gibt es denn auch Impfungen, wo Sie wirklich sagen würden, dass man sich die sparen kann?

Dr. Rabe: Die Windpocken-Impfung. Das merken Sie auch schon daran, dass kaum ein europäisches Land dagegen impft. Diese Impfung ist nicht nur unnötig, sie ist gefährlich. Oder die Grippe-Impfung, oder die HPV-Impfung für Jungen [Anm. d. Red.: Humane Papillomviren, werden wahrscheinlich nur von Frauen auf Männer übertragen]. Oder eben diese schlechte Meningokokken-B-Impfung, von der sogar die STIKO sagt, dass sie schlecht ist. Wir hätten liebend gerne eine gute Meningokokken-Impfung, haben wir aber nicht. Naja, es gibt viele Beispiele. 

"Durch Impfungen steigt die Produktivität in Unternehmen"

Dr. Frühwein: Also, die STIKO-Empfehlungen für Deutschland würde ich schon alle machen, aber nehmen wir mal beispielsweise die Grippe-Impfung. Das wird ja gerne mal kontrovers diskutiert. Aber wenn Sie ein junger, gesunder Mensch sind, dann brauchen Sie die nicht. Wenn Sie dann eine Grippe bekommen, liegen Sie mal ein oder zwei Wochen flach. Das ist natürlich nicht schön, aber sterben werden Sie nicht daran. Bei einem 80-Jährigen sieht das anders aus, der hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er an einer Influenza einfach stirbt.

Nochmal eine andere Geschichte ist natürlich die Auswirkung auf die Arbeitswelt: Es gibt ganz gute Daten dazu, dass in Unternehmen mit hohen Durchimpfungsraten im Winter die Grippe-Erkrankungen deutlich zurückgehen. Und damit steigt natürlich die Produktivität. Da kommt es eben auf die Prioritäten an.

In der Reisemedizin würde ich noch die Tollwut erwähnen. Das ist eine extrem unwahrscheinliche Angelegenheit, die allerdings sicher tödlich endet, wenn man sie doch bekommen sollte. Impft man da jetzt oder nicht? Ich denke, das ist Typsache.

Wir haben grade schon über Impfgegner und -skeptiker geredet, die viel über die Gefahren des Impfens reden. Gibt es denn tatsächlich Risiken, die man kennen sollte?

Dr. Frühwein: Was bei jeder Impfung passieren kann, ist, dass man sich am nächsten Tag ein bisschen grippal fühlt, also leichtes Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, was aber auch schnell von allein vergeht. Ziemlich häufig kommt es vor, dass der Arm, in den geimpft wurde, ein bisschen rot wird oder weh tut. Alle Standard-Impfstoffe sind also sehr gut verträglich, schwere Nebenwirkungen sind extremst selten. Inzwischen ist beispielsweise auch komplett vom Tisch, dass Impfungen Multiple Sklerose verursachen würden.

"Es gibt spezifische Risiken jedes einzelnen Impfstoffs"

Dr. Rabe: Wichtig ist es, überhaupt erst mal zuzugestehen, dass es Risiken gibt, dass Impfungen also Nebenwirkungen haben können. Das wird ja von vielerlei Seite völlig geleugnet. Und dann haben einzelne Impfungen eben einzelne, ganz spezifische Nebenwirkungen, und die gehören mit den Eltern einzeln besprochen.

Abschließend, was ist denn mit der vielleicht beliebtesten Internet-Impflegende: Besteht wirklich ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus?

Dr. Frühwein: Ja, die Autismus-Sache... Da wurde so viel dran geforscht, und es gibt niemanden, der da einen Zusammenhang herstellen konnte. Das finde ich immer sehr beruhigend, und das ist vielleicht auch etwas, was wir den Impfgegnern zu verdanken haben: Da wurde eben sehr viel nachgefragt, deshalb wurde sehr genau hingeschaut und inzwischen weiß man eben, dass das Ganze sehr, sehr sicher ist.

"Alle Impf-Nebenwirkungen sollten systematisch untersucht werden"

Dr. Rabe: Das weiß kein Mensch. Wir haben trotz intensiver Bemühungen bisher keinen Beweis dafür, dass hier ein Zusammenhang besteht. Es gibt im Moment also keinen Hinweis darauf, dass Impfungen Autismus begünstigen – aber dass wir keinen Zusammenhang finden, beweist nicht, dass es keinen gibt. Es gibt allerdings auch keinen Grund, davon auszugehen, dass es einen gäbe, weil das wirklich sehr gut untersucht wurde. Da würde ich mir wünschen, dass alle möglichen Zusammenhänge bei Impfungen so gut untersucht wären wie grade die Frage des Autismus. Denn davon sind wir meilenweit entfernt: Dass Impf-Nebenwirkungen wirklich systematisch und ergebnisoffen untersucht würden.

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