Nach Forderung von Söder Kritik an pauschaler Schließung von Skigebieten

Soll die Skisaison wegen Corona komplett ausfallen? Dagegen bringen sich die Betreiber von Skigebieten wie dem am Geisskopf im Bayerischen Wald in Stellung. Foto: Geißkopf

Die Nachricht, dass die Skisaison wegen der Pandemie nun möglicherweise ausfallen soll, haben die Betreiber der Skigebiete mit Unverständnis aufgenommen. Und sie bekommen Schützenhilfe aus der Regierungskoalition.

Dominik Freiherr von Poschinger-Bray hatte sich nach eigenen Angaben auf einiges gefasst gemacht in diesem Winter. Der Betreiber der Geisskopf-Bahn hatte mit Einschränkungen gerechnet und sich auf Absprachen mit den Gesundheitsbehörden eingestellt. Auf Überzeugungsarbeit für das Hygienekonzept im Skigebiet, die geleistet werden müsste. Am Geisskopf hatte man sich, wie in vielen anderen Skigebieten im Bayerischen Wald, auf eine Saison unter besonderen Bedingungen vorbereitet.

Dass die Skigebiete nun nach dem Willen der Staatskanzlei nicht mal eine Chance bekommen sollen, geht ihm an die Nerven: „Das ist schon fragwürdig. Wenn man Pisten absperrt, muss man auch die Innenstädte absperren. Da sind die Abstände deutlich geringer“, sagt Poschinger-Bray. Er könne die Bemühungen der Regierung verstehen, die Kontakte unter den Menschen zur reduzieren – „aber es ist so, wie es jetzt geplant ist, eine sehr pauschale Schließung. Man sollte sich fragen, ob das wirklich gerechtfertigt ist.“

Ischgl ist nicht überall

Verständlich ist, dass viele Nicht-Wintersportler beim Thema Skigebiete vor allem an den Fall Ischgl denken. Es war der Moment, in dem der Begriff „Super-Spreading-Event“ in die Alltagssprache Eingang fand. „Was viele aber vergessen“, sagt Poschinger-Bray im Gespräch mit idowa, „ist, dass die Unterschiede von Skigebiet zu Skigebiet sehr groß sind. Im Bayerischen Wald haben wir sehr viele Tagesgäste, sehr viele Leute aus der Region. Bei uns gibt es auch kein Feiern, keine Partystimmung und kein Après-Ski. Bei uns geht es um den Sport.“

Schützenhilfe für das Anliegen der bayerischen Skigebiete und Skiliftbetreiber kommt aus der Politik. Ein generelles Verbot der Ski-Saison, wie es Ministerpräsident Markus Söder für Bayern angedeutet hatte, sieht der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, kritisch. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: "Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen ohne Probleme möglich ist. Wir sollten Dinge möglich machen, wo man Sicherheit schaffen kann. Ein generelles Verbot halte ich für falsch.“

In puncto Sicherheit hätte es Möglichkeiten gegeben, ist auch Dominik von Poschinger-Bray überzeugt: „Vermutlich wird auch Herr Doktor Söder nicht dran glauben, dass die Menschen sich auf der Skipiste infizieren. Uns war klar, wir würden keinen Winter haben, wo die Leute in der Gastronomie gemütlich zusammensitzen. Das ist auch nicht verantwortungsvoll. Wir haben aber gesehen, dass man die Hygienekonzepte aus dem Sommer übertragen kann.“

Ein erweitertes eigenes Hygienekonzept für den Winter sei praktisch schon bereit zur Vorlage bei den Behörden gewesen: „An den Kassen oder in den Liftschlangen, wo die Menschen auf den Einstieg warten, arbeiten wir mit Abstandsregeln und Maskenpflicht. Hier hatten wir uns darauf eingestellt, dass wir vielleicht eine Einzelbeförderung im Schlepplift und Sessellift machen. Dass nur ein Gast pro Sessel oder Liftbügel befördert wird. Wo es wirklich schwierig wird, ist die Gastronomie. Mit Essen und Trinken drinnen ist es natürlich schwierig. Da hatten wir an To-Go-Lösungen gedacht, die dann unter freiem Himmel gegessen werden. Wenn man es noch sicherer haben will, könnte man sich Zeitkontingente überlegen. Dass man eben nur eine gewisse Anzahl Leute ins Skigebiet lässt mit Vorreservierung.“

Eine Saison, die wirtschaftlich zum Totalausfall wird, sei für viele Skigebiete existenzgefährdend, sagt Poschinger-Bray. Die gesamte Reise-, Tourismus- und Veranstaltungsbranche sei wirtschaftlich an einer Belastungsgrenze angekommen, sagt auch der Tourismusbeauftragte Bareiß. „Weitere Lockdown-Maßnahmen und Finanzhilfen müssen Hand in Hand gehen. Es wird eine finanzielle Herausforderung, aber die Menschen können sich drauf verlassen, wir lassen niemanden im Regen stehen.“

November-Hilfen für Skigebiete meist wirkungslos

Gerade hier hat Poschinger-Bray Zweifel: „Bei den Corona-Hilfen sprechen wir meistens von Modellen wie den bekannten 75 Prozent der Einkünfte vom Vorjahres-November beziehungsweise -Dezember.“ Allerdings habe die Ski-Branche im Bayerischen Wald in der Saison 2019/2020 den zweitschlechtesten Winter in der Geschichte ihres Bestehens erlebt: „Von den Schneeverhältnissen war nur ein Winter Anfang der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts noch katastrophaler. Die Einkünfte waren gleich Null. Und 75 Prozent von Null ist halt immer noch Null.“

Ob über den Shutdown in den bayerischen Skigebieten das letzte Wort schon gesprochen ist, erscheint fraglich. Unterstützung für die Winter-Tourismusbranche kommt unter anderem von den in Bayern an der Regierung beteiligten Freien Wählern. Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl hatte schon am Dienstagabend gesagt, dass er ein übernationales Verbot des Wintersports für unverhältnismäßig halte. Er spreche sich gegen pauschale Schließungen aus,  insbesondere weil die Bergbahnen Hygienekonzepte erarbeitet hätten, die sie konsequent umsetzen würden.

Ministerpräsident Söder hatte die Diskussion ins Rollen gebracht. „Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall beziehungsweise kein Urlaub überall“, sagte er laut Deutscher Presseagentur. Ein solches übernationales Abkommen müsse allerdings erst mal zustande kommen, merkten Mitglieder der FDP-Landtagsfraktion an. Prompt kam am Mittwoch eine Absage für eine pauschale Lösung aus Österreich. Dominik von Poschinger-Bray verweist im Gespräch darauf, dass bei einem Alleingang in Bayern manche Skifahrer wohl im Ausland ihrem Hobby nachgehen würden: „Und dann kann es nicht im Sinne des Infektionsschutzes sein, dass die Leute zum Skifahren quer durch Europa fahren.“ Er betont zudem den Gesundheits-Aspekt: „Eigentlich müsste man sagen: Alles was der sportlichen Ertüchtigung dient und was man irgendwie Corona-gerecht umsetzen kann, sollte man unbedingt machen.“

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