Am Morgen danach tritt Johannes Gerl mit ernster Miene aus dem Haus. Ein sanfter Wind streicht über die Felder am Wörthhof, im Hintergrund gackern Hühner, als der Landwirt seine Gefühlslage beschreibt. Mit Sätzen wie diesem: "Wir fühlen uns als Bauernopfer." Oder diesem: "Wir sind enttäuscht von der Politik."

Von der Polder-Wende hat Gerl am späten Dienstagnachmittag erfahren - durch einen Anruf unserer Redaktion. Am Mittwochmorgen hat er verschiedene Medien studiert, hat Artikel gelesen und mit einigen Leuten telefoniert. Die Art und Weise der Kommunikation, die darin bestand, überhaupt nicht zu kommunizieren, bezeichnet Gerl als "Frechheit". Versprochen hatte die Staatsregierung ja eigentlich etwas ganz anderes, blickt Gerl zurück.

Sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch dessen Stellvertreter Hubert Aiwanger und Umweltminister Thorsten Glauber (beide Freie Wähler) hätten einen offenen und transparenten Dialog zugesichert, erinnert sich Gerl. Sobald die Ergebnisse der vertieften Flutpolderstudie des Umweltministeriums vorliegen, sprechen wir zuerst mit den Betroffenen, mit niemandem sonst, so war es laut Gerl angekündigt. Und jetzt: Pfeifendeckel!

"Das Gutachten wurde unter Verschluss gehalten und wir erfahren es jetzt aus den Medien", fasst Gerl die Situation zusammen. "Die Politik hat ihre Versprechen mal wieder nicht eingehalten."