EASA Entscheidung Europäischer Luftraum: Startverbot für Boeing 737 Max

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max 8 in weniger als fünf Monaten verhängt die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit kein Startverbot für Maschinen dieser Bauart. Foto: Ted S. Warren/AP/dpa

Sind die neuen Boeing-Flugzeuge sicher? Der Hersteller und die US-Luftfahrtbehörde sagen ja. Doch andere Aufsichtsbehörden und viele Airlines sind sich wohl nicht mehr so sicher. Boeing verspricht ein Update eines wichtigen Steuerungssystem der Maschinen. Mittlerweile gelten Startverbote für verschiedene Regionen.

Nach zwei Flugzeugabstürzen innerhalb weniger Monate zieht die Furcht vor weiteren Zwischenfällen mit Boeings jüngsten Jets immer weitere Kreise. Der deutsche Luftraum wurde am Dienstagnachmittag für Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8 gesperrt. Das sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums auf dpa-Anfrage. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat dann am Dienstagabend den europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max gesperrt.

Doch wo war das Modell 737 Max 8 eigentlich im Einsatz? idowa hat bei den bekannteren deutschen Fluglinien nachgefragt. Das Resultat: Lufthansa, Condor sowie Eurowings haben derzeit nach eigenen Angaben keine Flugzeuge dieses Typs im Einsatz. Auch TUI fly nutzt nach eigenen Angaben in Deutschland keine Flugzeuge dieses Typs, sondern lediglich das Boeing Modell 737 NG. Im Ausland sah es zunächst bei TUI fly etwas anders aus. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte zunächst am Dienstagvormittag gegenüber idowa, dass in Großbritanien und in Belgien 15 Maschinen dieses Typs im Einsatz sind. Am Dienstagnachmittag erfolgte dann aber die Entscheidung der britischen Luftfahrtbehörde, den Luftraum für das Modell zu schließen. Ebenfalls am Dienstagnachmittag teilte TUI fly dann wiederum mit, dass nun alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp in Großbritannien gestoppt seien. Nach übereinstimmenden Medienberichten vom Dienstagabend nahm das Unternehmen in der Folge weltweit das betreffende Modell vorübergehend vom Dienstplan.

Generell ist das Modell vielfach bei Airlines außerhalb der Europäischen Union im Einsatz, etwa im asiatischen Raum, in arabischen Ländern und in den USA. Die New York Times bot am Dienstagvormittag eine weltweite Liste der Airlines, die das Modell 8 in Besitz haben. In der Liste finden sich unter anderem auch neun Fluglinien aus dem europäischen Ausland und der Türkei, teils Billigflieger, aber teils auch namhafte Anbieter. Mehrere Anbieter aus dem europäischen Ausland gaben dann am Dienstagnachmittag bekannt, die Maschinen des Typs vorerst aus dem laufenden Betrieb zu nehmen, darunter die Fluglinie Norwegian sowie Icelandair. Auch Turkish Airlines entschloss sich zu diesem Schritt.

Weltweit entschlossen sich weitere Fluggesellschaften, die Maschinen am Boden zu lassen, darunter etwa Ethiopian Airlines, die mexikanische Aeroméxico, Aerolíneas Argentinas, in Brasilien die Gesellschaft Gol, Cayman Airways aus der Karibik, die südkoreanische Airline Eastar und Südafrikas Comair.

Damit bleiben inzwischen etwa die Hälfte der ausgelieferten Flugzeuge am Boden, fast 100 davon in China. Seit 2017 hat Boeing rund 350 Maschinen ausgeliefert.

Infografik: Diese Airlines lassen den Boeing-737 MAX am Boden | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Startverbote an verschiedenen Standorten

An immer mehr Standorten wurden im Zeitraum bis Dienstagabend Startverbote erteilt. Darunter sind neben Deutschland und Großbritannien auch Frankreich, Österreich, Irland, Italien, die Niederlande, China, Indonesien, Singapur, Australien, Malaysia und der Oman.

Der südostasiatische Stadtstaat Singapur – eines der wichtigsten Drehkreuze der Luftfahrt weltweit – hatte am Dienstag mit sofortiger Wirkung ein Startverbot für die noch relativ neuen Maschinen der Serie Boeing 737 Max erteilt. Das Startverbot soll solange gelten, bis "weitere Informationen gesammelt und das Sicherheitsrisiko neu bewertet" ist, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Betroffen von dem Verbot sind unter anderem die Fluggesellschaften China Southern, Thai Lion, Garuda, Silk Air und Shandong.

China und Indonesien hatten den neuen Boeings bereits am Montag ein Startverbot erteilt. Chinas Luftfahrtbehörde hatte in der Begründung des Startverbots darauf verwiesen, dass es bei beiden Unglücken "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben habe. Beide Flüge waren bei gutem Wetter kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen.

FAA will "geeignete Maßnahmen" ergreifen

Die Entscheidung zahlreicher Airlines, die ihre Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 aus Sicherheitsgründen vorübergehend stilllegten, widersprach der Haltung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Diese erließ kein Startverbot für die Maschinen. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA am Montag (Ortszeit) mit.

Die FAA teilte mit, sie werde in Bezug auf die Boeings "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Im vergangenen Jahr habe es zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen gegeben, die infolge des Absturzes in Indonesien ergriffen worden seien. Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB kamen am Dienstag in Äthiopien an, um bei der Klärung der Unglücksursache zu helfen.

Am Sonntag war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Die Flugschreiber wurden inzwischen am Absturzort gefunden. Unter den Absturzopfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge auch fünf Deutsche. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, warnte vor übereiltem Handeln. "Man muss jetzt keine Schnellschüsse machen, wenn man noch gar nicht weiß, was die Ursachen für den Absturz gewesen sind", sagte der CDU-Politiker am Dienstag im rbb-Inforadio. Die Gründe seien nicht immer ganz so einfach, wie sie vielleicht zunächst auf der Hand lägen. "Da kann man nicht direkt hingehen und Verbote erteilen. Am Ende braucht man doch ein Stück Beleg."

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading