Nach 1:2 gegen Frankreich Niederlage als Beruhigung auch für Löw

Joachim Löw und sein Team mussten gegen Frankreich eine 1:2-Niederlage hinnehmen. Foto: dpa

Die Diskussion, ob Joachim Löw tatsächlich noch zum Erneuerer werden kann, ist erst einmal beendet. Der Bundestrainer stellt mutig um. Das zeigt positive Wirkung, auch wenn das Ergebnis gegen den Weltmeister wieder nicht stimmt. 

Selten hat eine Niederlage im Fußball eine Krisensituation so entschärft wie das 1:2 der deutschen Nationalmannschaft in Frankreich. Der Ärger über die verpasste Chance, den nach der Pause starken Weltmeister am Dienstag zu bezwingen, nahmen Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler zwar nachts mit aus dem Stade de France. Doch der mutige und starke Auftritt eines runderneuerten DFB-Teams sowie Löws neue Bereitschaft zur Erneuerung wirken beim gestürzten Weltmeister erst einmal als Beruhigung.

"Die Leistung der Mannschaft war großartig. Innerhalb von zwei Tagen war es eine unglaubliche Leistungssteigerung", sagte Löw. Routinier Toni Kroos erlebte "eine der Niederlagen, die am meisten Spaß gemacht haben, weil der Ball ganz gut lief".

Auch für den Bundestrainer selbst, um dessen Zukunftsberechtigung es nach der WM-Blamage in Russland und dem ernüchternden 0:3 in Holland heftige öffentliche Diskussionen gegeben hatte, beschert der Auftritt auf Augenhöhe gegen das derzeit beste Team der Welt wieder mehr Ruhe in der Arbeit. Man könne das 1:2 in der Nations League zwar nicht als Sieg für den Bundestrainer empfinden. "Aber es ist ein wichtiges, gutes Zeichen", sagte Teammanager Oliver Bierhoff angesichts der bemerkenswerten Leistung der jungen und umbesetzten deutschen Elf.

Bierhoff sieht "Entwicklung"

"Bei der Bewertung eines Trainers geht man nicht nur von den Ergebnissen aus, die natürlich in der Distanz kommen und da sein müssen. Aber vor allem muss man eine Entwicklung sehen", betonte Bierhoff. Zuletzt hatten die Zweifel zugenommen, ob Löw nach zwölf Jahren als Bundestrainer diese Entwicklung noch befördern kann.

"Man merkt, dass Jogi den Job mit Leidenschaft macht. Er hat sich im Sommer bewusst dafür entschieden. Er will es angehen und weiß, dass es ein Weg und Arbeit ist. Insofern habe ich bei ihm auch jetzt die Entschlossenheit gesehen", betonte Bierhoff.

Hätten seine Spieler nach dem Führungstor von Toni Kroos durch einen verwandelten Handelfmeter die weiteren guten Chancen in der ersten Halbzeit genutzt, wäre Weltmeister Frankreich wohl nicht auch im 15. Spiel nacheinander ungeschlagen geblieben. "Die Mannschaft war sehr konsequent und diszipliniert, hat ihr Herz in die Hand genommen und mutig nach vorn gespielt", lobte Löw. Die individuelle Klasse der Gastgeber kippte die Partie. Antoine Griezmann traf noch doppelt.

"Wir können viel Gutes aus diesem Spiel mitnehmen", bemerkte Kapitän Manuel Neuer, obwohl seine Mannschaft in der Gruppe 1 der höchsten Nations-League-Staffel mit einem Punkt hinter Frankreich (7) und den Niederlanden (3) weiter den letzten Platz belegt und der Abstieg nah ist. Trotzdem hofft Bierhoff, in Paris die Geburtsstunde eines neuen, frischen und leistungsfähigen Teams erlebt zu haben: "Das glaube ich schon. Ich glaube, man hat eine gute Energie gesehen. Man hat einen Willen gesehen."

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