Musiktipp Zeitreisemusik: Zurückdenken mit Sängerin Mitski

Die Sängerin Mitski verbrachte ihre Jugend in 13 verschiedenen Ländern. Foto: Bao Ngo

Zurückdenken und Erinnerungen neu einordnen - das ermöglichen die Lieder von Mitski. Valentin Viehbacher (22) aus Geiselhöring im Landkreis Straubing-Bogen stellt die japanisch-amerikanische Sängerin vor.

Außergewöhnlich. Emotional. Nostalgisch. Diese Wörter beschreiben die Musik der Sängerin Mitski am besten. Als Tochter einer japanischen Mutter und eines amerikanischen Vaters war sie schon früh von unterschiedlichen Musikrichtungen umgeben.

Nirgendwo daheim

Wegen der Arbeit des Vaters musste Mitskis Familie häufig umziehen. Ihre Jugend verbrachte sie deshalb in 13 verschiedenen Ländern, bevor sie in New York endlich ankommen durfte. Die Tatsache, sich nirgendwo mit den Einheimischen unterhalten zu können, so keine langen Freundschaften aufbauen zu können, und das Gefühl, kein festes Zuhause zu haben, ist heute noch deutlich in ihrer Musik spürbar.

Typisch für Mitskis Songs ist dabei, dass der Hörer sie nicht sofort einordnen kann. Das liegt vermutlich an ihren nachdenklichen Texten, den ungewöhnlichen Melodien und ihrer besonderen Stimme.

Der Song „Nobody“ von ihrem neuen Album „Be the Cowboy“ ist dramatisch und heiter zugleich. Wie die anderen Lieder auf der CD bedient sich der Song an erfrischenden Instrumenten und Melodien der 70er- und 80er-Jahre, die deutlich mit dem Einheitsbrei heutiger Charts brechen. Wie der Name „Nobody“ bereits andeutet, handelt der Song vom Alleinsein.

Inspiriert vom Alleinsein

Inspiriert wurde Mitski zu diesem Lied, als ihr Flug gestrichen wurde und sie die Weihnachtsfeiertage alleine in einer fremden Stadt verbringen musste. Sie beschloss, all ihre Gefühle in diesen Song zu packen. Das Ergebnis: ein unglaublich einprägsamer Song mit traurigem Text und heiterer Melodie.

Auch der Song „Strawberry Blonde“ von ihrem 2013 veröffentlichten Album „Retired from Sad, New Career in Business“ wirkt mitreißend heiter, obwohl sich ein nachdenklicher Text dahinter verbirgt. Dennoch ist der Song sehr ehrlich, weil viele verschiedene Emotionen in ihm spürbar sind und aufeinandertreffen: einerseits das Gefühl neuer Liebe, von der das Lied erzählt, andererseits die Enttäuschung, wenn man feststellt, dass die Gefühle nicht erwidert werden.

Der Song „Pearl Diver“ von ihrem ersten Album „Lush“, das sie 2012 im Rahmen eines Schulprojekts selbst aufgenommen und veröffentlicht hat, besteht nur aus Mitskis klavierbegleiteter Stimme. Das ist ungewöhnlich, weil die Sängerin in späteren Alben nahezu komplett auf ein Klavier verzichtet. Hier kann man ihre Entwicklung und ihren Findungsprozess mit ihrer Musik gut erkennen. Dennoch steht dieser Song den anderen in nichts nach. Er ist emotionsgeladen und hat einen tieferen Sinn. Es geht um einen Schatzsucher, der alles Schöne an sich reißen und besitzen möchte und dabei keine Grenzen kennt.

Ruhig und ergreifend

Eine sehr ruhige, aber dennoch ergreifende Melodie hat der Song „Two Slow Dancers“. Dieser ist wie „Nobody“ auf ihrem aktuellen Album erschienen. In Musikforen wird „Two Slow Dancers“ als ergreifendster Titel von Mitski beschrieben. Das liegt vor allem an der geschickten Platzierung nostalgisch anmutender, eindringlicher Geräusche, die Unbehaglichkeit und Geborgenheit bei den Hörern auslösen. Manche Hörer schreiben in den Foren, dass sie so eine Kombination an Gefühlen noch niemals hatten, geschweige denn zuvor überhaupt kannten. Der Song fühlt sich deshalb so vertraut an wie eine bittersüße Erinnerung, zu der man in Gedanken zurückreist und die man nun aus einer völlig neuen Perspektive betrachten darf. Das macht das Hörerlebnis mit Mitskis Musik zu einer emotionalen Zeitreise für den Hörer.

Alle Musiktipps von Valentin findest du hier.

 

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