Musiktipp Körpermusik: Camille mischt Pop-Musik mit A cappella

Sängerin Camille macht mit jedem Körperteil Musik. Foto: Eddy Berthier/Wikipedia

Sie schlägt sich auf die Brust, ploppt mit den Lippen und bastelt aus Pop-Musik und A cappella eine verrückte Mischung: die französische Musikerin Camille. Valentin Viehbacher (23) aus Geiselhöring stellt sie vor.

Mit übergroßen orangefarbenen Socken betritt die französische Sängerin Camille bei ihren Live-Auftritten die Bühne. Ihre Haare sind zerzaust, ihr Gesicht fast ungeschminkt. Ihr außergewöhnlicher Look weckt Hoffnung auf außergewöhnliche Musik. Und genau das bekommt der Zuhörer.

Pop trifft A cappella

Camille Dalmais, die sich als Sängerin nur Camille nennt, verzückt mit einer sehr ungewöhnlichen Mischung aus Pop-Musik und A cappella. Dabei setzt sie ihren Körper als menschliches Percussion ein, indem sie sich beispielsweise auf den Brustkorb klopft, während sie singt. Wer sich nur kurz mit ihren Liedern beschäftigt, merkt sofort, dass es ihr nicht um klassisches Singen geht. Die Sängerin nutzt jede Sekunde, um sich ihren eigenen Beat zu erschaffen. Sogar beim Einatmen gibt sie ab und zu einen akkuraten, klaren Ton von sich. Dazu singt sie englische und französische Texte. Besonders faszinierend ist ihre Musik bei ihren Live-Auftritten, von denen man sich auf YouTube überzeugen kann. Mitschnitte ihrer Konzerte sind auf dem Live-Album „iLo Lympia“ erschienen.

Auf diesem Album gibt es zum Beispiel den Song „Bubble Lady“. Er macht recht schnell deutlich, wie außergewöhnlich Camilles Musik ist. Gemeinsam mit einem Bandkollegen, der Bass-Geräusche einsingt, erschafft sie eine Kulisse aus luftig-lockeren Melodien. Sie selbst schmückt ihren eigenen Gesang, indem sie an passenden Stellen mit den Lippen Plopp-Geräusche macht. Schwer vorstellbar, dass diese Mittel kein melodisches Chaos erzeugen. Aber alle Geräusche fügen sich perfekt in die Melodie ein.

Ein energiegeladener Schrei

Beschwingt startet der Song „Janine“, der auch auf „iLo Lympia“ erschienen ist. Begleitet von gezupften Violinen, Drums, Background-Sängerinnen und dem Publikum, baut sich das Lied immer stärker auf. Die klatschenden und singenden Zuschauer machen diesen Song zu etwas Besonderem. Im Gegensatz zur Studioaufnahme bekommt man durch diese Interaktion mit den Zuhörern im Saal das Gefühl, selbst Gast in der ältesten Music-Hall „Olympia“ in Paris zu sein. Dort wurde der Auftritt für die CD aufgenommen. Camille gibt besonders zum Ende des Liedes alles. Legendär ist ihr energiegeladener Schrei, mit dem das Lied in den letzten Refrain startet.

Anfänglich sehr ruhig beginnt der Song „Au port“. Doch nach kurzer Zeit nimmt das Lied richtig Fahrt auf, wenn Schlagzeug und gezupfte Violine einsetzen. Unerwartet beginnt Camille, sich während des Singens auf den Brustkorb zu klopfen, um dadurch abgehakte, nahezu technisch anmutende Töne mit ihrem Mund zu erzeugen. Außerdem ahmt sie ein Trompetengeräusch nach, indem sie Luft durch ihre geschlossenen Lippen herausprustet. Um den Song abzurunden, setzt sie am Schluss klassischen Operngesang ein. All diese unterschiedlichen Mittel harmonieren perfekt und verbinden sich zu einer einprägsamen und anregenden Melodie.

Auch ohne Verrenkungen

Dass Camille ihre Hörer auch mit emotionalen und ruhigen Songs mitreißen kann, beweist der Song „Wet Boy“. Ganz ohne Instrumente oder gesangliche Verrenkungen wirkt dieser Song sehr ehrlich. Die ruhigen Töne der Gitarre ergänzen sich perfekt mit Camilles klarer Stimme. Der Song sorgt für Gänsehaut und zeigt: Camilles Musik ist mehr als eine Show mit einer außergewöhnlichen Hauptdarstellerin. Camille lebt ihre Musik – mit jeder Faser ihres Körpers.

 

Alle Musiktipps aus der Musikkolumne "Taktgefühl" von Freischreiben-Autor Valentin Viehbacher findest du hier.

 

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