England lässt seit Montag die Masken fallen. Und nicht nur das: Auch alle anderen Corona-Maßnahmen wurden seitens der Regierung für beendet erklärt. Gleichzeitig wurde an die Vernunft der Bevölkerung appelliert. Wie darf man sich das also vorstellen? Ist seit Montag in England alles wie früher? Wir haben dazu den 45-jährigen Mick Moss aus Liverpool befragt. Er ist Sänger, Gitarrist und Songwriter der Band Antimatter und erkrankte im vergangenen Jahr selbst an Covid-19. Was er von der neuen Corona-Strategie Englands hält, das verrät Mick Moss im Interview.

Herr Moss, seit Montag hat England sämtliche Corona-Maßnahmen beendet. Was halten Sie davon?

Mick Moss: Ich denke, dass dieser Schritt grundlegend falsch ist. Es widerspricht so ziemlich jedem wissenschaftlichen Rat, es wird unser Gesundheitssystem im Land völlig überlasten und letztlich auch wieder zu mehr Toten führen. Das alles ist so unnötig und wäre vermeidbar. Aber für unseren Premierminister und unsere aktuelle Regierung ist die Wirtschaft wichtiger als Menschenleben.

Sie befürchten also, dass diese neue Strategie zum Bumerang für England werden könnte?

Moss: Ich kann die Zukunft nicht voraussagen. Wenn wir Glück haben, helfen die Impfungen, die Delta-Variante verschwindet wieder und es erreichen uns keine neuen Varianten. Zugegeben, das ist ein sehr unwahrscheinliches und optimistisches Szenario, aber ich hoffe, dass es so kommt. Realistischer ist aber wohl leider ein weiterer Lockdown im Herbst und wieder mehr Tote. Ich denke daher nicht, dass sich andere europäische Länder ein Beispiel an England nehmen sollten.

Können Sie also verstehen, dass es auch aus dem europäischen Ausland teils massive Kritik an der Vorgehensweise Englands gibt?

Moss: Natürlich kann ich das verstehen. Auch in England selbst stehen dem genügend Leute mindestens skeptisch gegenüber. Wir sind hier bei weitem nicht alle Nationalisten mit einer Vorliebe dafür, wissenschaftliche Ratschläge geflissentlich zu ignorieren. Dieses Land wurde schon durch den Brexit-Wahnsinn zweigeteilt.

Machen Sie sich denn auch Sorgen, dass sich dieser neue englische „Corona-Weg“ für die Zukunft auch negativ auf Ihren Job auswirken könnte?