"Grundlegendes Problem" BRK verteidigt sich nach Panne bei Corona-Tests

Teströhrchen liegen in einem Corona-Testzentrum auf einem Tisch. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archiv

Das Bayerische Rote Kreuz sieht nach der heftigen Panne bei der Übermittlungen von Corona-Testergebnissen die Behörden in der Verantwortung. An zu vielen Tests kann das Problem aus BRK-Sicht nicht liegen. Dort hatte man nämlich mit viel mehr gerechnet.

Nach der Panne bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen kritisiert das Bayerische Rote Kreuz (BRK) die Behörden. "Man hätte der guten Idee der Testzentren besser ein, zwei, drei Tage mehr Reifezeit geben sollen", sagte BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi am Donnerstag in München. "Es ist ein ganz grundlegendes Problem."

Die bayerischen Hilfsorganisationen seien vom Freistaat beauftragt worden, innerhalb eines Tages fünf Teststationen zu errichten. Dabei hätten sie sich an den Vorgaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter orientiert. "Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden", hieß es in einer Mitteilung. "Es wurde Dienst nach Vorschrift gemacht und die Vorschriften gab das LGL vor", fügte der Sprecher hinzu.

Teststationen "unglücklich gelaufen"

Auch Marko Pammer vom BRK-Kreisverband Straubing-Bogen findet, dass das Errichten der Teststationen insgesamt "unglücklich gelaufen" ist. Die Hilfsorganisationen hätten die Teststationen innerhalb sehr kurzer Zeit errichten sollen. "So kurzfristig können immer Fehler passieren", sagt Pammer. Den ehrenamtlichen Helfern möchte er dabei aber überhaupt keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: "Die leisten einen super Job". Ob die gemachten Fehler allein beim LGL zu suchen sind, will Pammer nicht beurteilen. Er gibt aber zu bedenken: "Die ehrenamtliche Helfer haben sich viel Arbeit gemacht, um zu helfen. Jetzt müssen sie sich in der Öffentlichkeit Kritik anhören. Das ist nicht in Ordnung."

Am Mittwochnachmittag hatte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bekanntgegeben, dass 44.000 Reiserückkehrer nach Tests in Bayern noch kein Ergebnis bekommen hätten, darunter 900 nachweislich Infizierte. Letztere sollten bis Donnerstagmittag Informationen über ihren Befund bekommen. Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots, erklärte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf.

Einsatz wird in schlechtes Licht gerückt

Das BRK wies "Andeutungen zurück, die darauf schließen lassen, dass die Hilfsorganisationen eine (Teil-)Schuld an dieser Problematik haben". Es sei bedauerlich, dass der "schweißtreibende Einsatz der Ehrenamtlichen" in ein negatives Licht gerückt werde, sagte der Sprecher. "Wir waren sogar auf eine viel höhere Anzahl an Tests personell eingestellt. Wir hatten Vorgaben, dass 16.000 Tests am Tag durchgeführt werden können. Darum hat uns die Masse an getesteten Menschen nicht verwundert."

Das BRK hat an den fünf Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie drei Autobahnraststätten bis heute nach eigenen Angaben insgesamt 64.741 Tests gezählt, 40 Prozent davon an der A3 in Passau. Nun sollen andere Dienstleister die Testzentren übernehmen.

Die Panne bringt die Staatsregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Bedrängnis. Die Opposition verlangte Konsequenzen. Söder sagte zunächst eine für Donnerstag geplante Reise an die Nordsee ab. "Bayern geht vor", schrieb er am Mittwoch auf Twitter.

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