In weißer Jacke, mit dunklem Tuch um den Hals verfolgt die Angeklagte fast regungslos den ersten Verhandlungstag in Regensburg. Nur ihre Augen wandern während der achtstündigen Sitzung immer wieder zwischen dem Schwurgericht, Staatsanwalt Denis Biermann und dem Zeugenstand. Dort äußern sich neben mehreren Polizisten auch zwei Ärztinnen und die Bekannten, in deren Wohnung die Frau am ersten Weihnachtsfeiertag mittags das Kind gebar.

Seit mehreren Wochen kam die gelernte Altenpflegerin bei dem frisch vermählten Ehepaar unter. Auf deren Hochzeit war sie noch mit dem Bruder des Bräutigams liiert. Wenige Tage später trennte sie sich von ihm und zog erst einmal zu dessen Bruder und Schwägerin. Immer wieder hätten die den Verdacht gehabt, die Frau müsse schwanger sein, sagen sie am Montag. Direkt darauf angesprochen, habe sie das aber stets verneint.