Moosburg "Moosburgs brauner Untergrund": Jetzt spricht ein betroffener Stadtrat

Weil sie Mitglied in der Facebook-Gruppe "Überwachtes Deutschland für Jung und Alt" sind, wurden einige Moosburger Politiker von einer Freisinger Zeitung öffentlich an den Pranger gestellt. Foto: Jens Büttner, dpa

Zwei Wochen sind vergangen, seit eine Freisinger Zeitung einen "braunen Untergrund" in Moosburg ausgemacht haben will und in diesem Zusammenhang mehrere Artikel darüber veröffentlichte. Dies schlug in der Region extrem hohe Wellen. Betroffen davon ist auch der Moosburger CSU-Stadtrat Bernd Schaffer. Textpassagen vermitteln den Eindruck, Schaffer würde mit Rechtspopulisten sympathisieren. Unserer Zeitung liegt nun seine Stellungnahme vor, die wir an dieser Stelle ungekürzt veröffentlichen und so für sich sprechen lassen wollen. Schaffer bezieht sich darin auf den Artikel "Der braune Untergrund von Moosburg" sowie auf weitere Texte in diesem Zusammenhang, die auch auf Facebook veröffentlicht wurden. Außerdem geht Schaffer darin auf eine Kritik seines Sohnes an den Recherchemethoden ein, die "mehrfach aus der Kommentarspalte ihrer Facebook-Präsenz" gelöscht worden sei.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

Wenn sich die Redaktion einer Tageszeitung in Bezugnahme auf ihre Recherchemethoden mittels eines Verweises auf "gute journalistische Grundsätze" rechtfertigt, ist dies selbstredend einen genaueren Blick wert. Schließlich möchte man deutlich aufzeigen, man habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. So geschehen in der "Stellungnahme zu den Recherchehintergründen des FT-Artikels 'Der braune Untergrund von Moosburg' ", welche die Redaktion des Freisinger Tagblatts auf ihrer Facebook-Präsenz veröffentlichte.

Bezug nimmt diese Stellungnahme auf die sachliche und umfassende Kritik meines Sohnes Florian Schaffer an den angelegten Recherchemethoden der verantwortlichen Autoren Andreas Beschorner, Andrea Schillinger sowie Manuel Eser. Ungemäß guter journalistischer Grundsätze entfernte das Freisinger Tagblatt diese Kritik mehrfach aus der Kommentarspalte ihrer Facebook-Präsenz, obwohl Florian der formalen Forderung nachgekommen war, einen Direktlink zu dem Facebook-Profil eines verantwortlichen Redakteurs zu entfernen. Da dies mit einer Blockierung seines Accounts einherging – ihm wurde die Schreib- und Kommentierrechte auf der Facebook-Präsenz der Lokalzeitung dauerhaft entzogen –, signalisiert das Freisinger Tagblatt ein Interesse an sowie einen Willen zur Auseinandersetzung mit fundierter Kritik nur in kontrolliertem und gefiltertem Rahmen.

In ihrer Stellungnahme moniert die Redaktion eine fehlende öffentliche Distanzierung meinerseits von rechtspopulistischer Gesinnung und unterlegt dies mit einem Zitat: "Was ist an dieser Gruppe fremdenfeindlich?" Der gemeine Leser wird nun zu einer eindeutigen Annahme verleitet: Das Freisinger Tagblatt suggeriert hier durch bewusstes Aussparen jeglichen Kontextes, dass ich – belegt durch diese getätigte Aussage – nicht in der Lage sei, rechtspopulistische Ideologie als solche zu erkennen. Er sei auf dem rechten Auge blind, könnte man auch bildhaft formulieren. Vielmehr handelte es sich bei der genannten Aussage um eine sogenannte echte Frage, die geäußert wurde, als das Freisinger Tagblatt mich während einer Autofahrt telefonisch mit besagten Vorwürfen konfrontierte. In einem anschließenden zweiten Telefongespräch zu Hause, in dem Anschuldigungen wiederholt wurden, vermochte das Freisinger Tagblatt nicht, konkrete Belege und Hintergrundinformationen bereitzustellen.

Meiner konkreten Bitte um Auskunft, was ich gepostet oder geliked hätte, woran man Anstoß nehmen könne, blieb unbeantwortet, während eine Frage nach konkreten Informationen und Fundort der beanstandeten Bilder mit den Worten, "das müssen Sie selber rausfinden", abgeblockt wurde. Auch der Vorwurf mehrer Stammtischtreffen konnte seitens der Journalisten nicht belegt werden: "Ich schau's mir nachher noch mal an", lautete die Antwort der Autorin auf die Frage, um welche weiteren Treffen es denn ginge.

Ferner behauptet die Zeitung, das obige Zitat sei die einzige Aussage, welche ich zu den Inhalten dieser Gruppe getätigt hätte. Bewusst unterschlagen wurde eine Reihe von Statements im Rahmen des geführten Interviews, die ich nun im Wortlaut zitieren möchte. So äußerte ich mich auf die Frage, was ich zu den geposteten Bildern Hitlers sagen würde wie folgt: " muss ich das heraussuchen, um mich selbst davon zu überzeugen, in welchem Zusammenhang diese Bilder gepostet wurden. Ich schaue mir das an und wenn das nicht in Ordnung ist, wenn das rechtspopulistisch ist, dann werde ich mich auch aus diesen Guppen entfernen. Das ist doch selbstredend." Überdies bezog ich im Rahmen des Interviews klar Stellung: "Ich bin weder rechtspopulistisch noch habe ich irgendetwas geäußert."

 
 

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