Mein Sporterlebnis Beim Topspiel der Uganda Premier League

Das Derby zwischen dem Vipers SC und dem Kampala City Capital Authority FC endete torlos. Foto: www.sportandtravel.de

In unserer Serie "Mein Sporterlebnis" berichtet dieses Mal Kay Bohn von seiner Reise zum Spitzenspiel in Uganda.

Die Reise ging mit Air Tanzania nach Entebbe Airport in Uganda. Bei der Anreise gab es für mich eine Premiere, denn zum ersten Mal flog ich mit einem Zwischenstopp, bei dem man das Flugzeug nicht verließ, wenn man an dem Stopp nicht raus musste. Dieser war der Kilimanjaro Airport in Tansania. Hier stiegen dann einige Personen aus und einige zu, während alle, die nach Uganda wollten, einfach sitzen blieben.

Deswegen gab es am Flughafen in Dar-es-Salaam auch zwei gesonderte Kontrollen der Passagiere, da der Flug zum Kilimanjaro ein Inlandsflug war und der nach Entebbe ein internationaler Flug. Auch für Uganda hatte ich bereits das Online Visum für 50 USD und so verlief auch hier die Einreise recht zügig. Dabei bekommt man hier wohl eines der coolsten Visa in den Pass geklebt, da man dort selbst mit seinem Foto vom Einreiseschalter auf dem Visaaufkleber auftaucht. Über dem eigenen Bild ist außerdem ein Hologramm Bild von einem Gorilla.

Um den Nachmittag noch ein wenig zu nutzen, wollte ich in Entebbe noch in eine Strandbar am Victoriasee. Um dorthin zu kommen, beziehungsweise vom Airport wegzukommen, ist man auf das Taxi angewiesen, wenn man keinen Mietwagen hat oder sonstigen Transfer organisiert hat. ÖPNV gibt es direkt am Flughafen nicht und zum Beispiel Motorradtaxis dürfen nicht direkt bis zum Flughafen fahren. Man kann natürlich auch drei Kilometer mit Gepäck in der Megahitze vom Flughafengelände „runterlatschen“ und dann nach einem Motorrad Ausschau halten. Darauf hatte ich aber wenig Lust.

Den Taxi-Preis gedrückt

Die Frau am Infoschalter meinte, das Taxi würde 10 USD kosten. Auch die meisten Taxifahrer auf dem Weg nach draußen wollten den Preis oder sogar mehr. Also mal draußen beim offiziellen Taxischalter getestet, wie verhandelbar der Preis ist. Nach längerer Verhandlung einigten wir uns auf einen Preis von sechs USD. Geht doch! Sechs USD, die ich nachher in Uganda Schilling bezahlte und sogar noch etwas günstiger kam. Für zehn Kilometer geht das in Ordnung. Der Fahrer wird trotzdem noch was dran verdient haben.

Am Victoriasee verbrachte ich den Nachmittag dann im „Two Friends Beach“, einem Hotel mit Strandbar. Herrlich gelegen direkt am See. Erst am Abend machte ich mich auf den Weg zum Hotel in Kampala wo es schon die ersten Eindrücke des krassen Verkehrs der Hauptstadt gab.

Während Entebbe mit viel Grün und der Lage am See sehr entspannt und gemütlich wirkte, geht in Kampala schon die Post ab. Was für ein „Gerammel“ auf den Straßen. Unglaublich, hier war alles so verstopft, dass teilweise nicht mal mehr die Motorräder durch kamen. Da war ich froh im Hotel erst mal ein bisschen Ruhe zu haben und den Abend in der Hotelbar ausklingen zu lassen.

Glück beim Guide

Für den nächsten Tag organisierte ich mir wieder einen Guide, um mir die Stadt anzusehen. Dabei hatte ich mit Arthur richtig Glück. Er machte seine Sache wirklich gut. Wir verständigten uns auf Englisch, bis sich herausstellte, dass er auch ziemlich gut Deutsch sprach. So verplauderten wir in einem Mix aus Deutsch und Englisch unsere Walking Tour durch die Innenstadt.

Hier pulsiert das Leben, jeder macht sein Business, ob groß oder klein, es ist laut, heiß, hektisch und der Verkehr brummte wie bereits erwähnt. Da können Manila, Jakarta und Hanoi einpacken! Geradezu bezeichnend für diese Stadt war da der Besuch auf dem wuseligen Nakasero Markt und dem wohl chaotischsten Busbahnhof Afrikas. Dabei gestand Arthur, dass selbst er hier nicht durchblickt.

Nach ein paar Stunden Rundgang stand am Nachmittag das Spitzenspiel und Derby der Uganda Premier League an. Der Erste gegen den Zweiten der Tabelle. Der Vipers SC gegen den Kampala City Capital Authority FC, kurz KCCA FC.

"Rolex" zum Essen

Dazu fuhren wir einem Bus ein paar Kilometer raus Richtung Entebbe nach Kitende. In der Nähe des Stadions sprangen wir aus dem Bus und legten noch einen Zwischenstopp ein, um Getränke zu kaufen und Uganda-typisch zu speisen. Es gab Rolex (“rolled eggs”), ausgesprochen wie die teuren Uhren, in Fladen gewickeltes Rührei mit Gemüsefüllung. Ein günstiges und schnell gemachtes Gericht, das es hier vielerorts gibt. Ich muss gestehen, dass ich mich an das Essen vom Straßenstand nicht rantraute. Sicher lecker, aber mögliche Nachwirkungen wollte ich nicht riskieren.

Mit zwei Motorrad-Taxis ging es von der Hauptstraße ab, den Berg hoch die restlichen circa zwei Kilometer bis zum Stadion. Eine gute und günstige Investition, da man bei der Hitze nicht wirklich da hoch laufen will. Hier war dann schon ordentlich Betrieb, also umgehend zwei Tickets für 10.000 UGX (ca. 2,50 EUR) durch den Zaun gekauft und rein ins Stadion. Das Ticket wird einem leider direkt wieder abgenommen und landet in einer Tonne. Der Jäger und Sammler muss es später dort wieder herausfischen.

Das St. Mary’s Stadium ist ein reines Fußballstadion mit zwei Tribünen auf den Längsseiten. Sehr kompakt für schätzungsweise 10.000 Zuschauer und heute gut gefüllt mit ungefähr 8.000 Menschen.

Ein Fan saß falsch

Das Stadion steht auf dem Gelände der St. Mary’s Boarding Secondary School. Die Schülerinnen und Schüler haben freien Eintritt und betreten das Stadion direkt vom Schulgelände hinter der Gegentribüne. Sie trugen sogar zur Stimmung bei und feuerten die Vipers an.

Einmal tickte der Schülermob richtig aus, als sie vor sich im Block einen KCCA-Fan entdeckten, der es wagte, für sein Team zu jubeln. Unter schlimmsten Beleidigungen, Schmährufen und Werfen von Gegenständen musste der Arme gezwungenermaßen seinen Sitzplatz verlassen und sich an den Rand der Tribüne stellen. Währendessen wurde ich von den „Biestern“ freundlichst gegrüßt. Neben dem „Kinderpöbel“ sorgte auf einer Seite der Haupttribüne der Vipers-Fanblock für Stimmung. In der Mitte dieser Tribüne saßen die Reichen und Schönen und auf der anderen Seite war der Bereich der Gästefans prall gefüllt. Das ganze Spiel über, aber auch weit vor Spielbeginn, gab es gute Stimmung von beiden Seiten. Trommeln, Tröten, Singen, Tanzen, mit Bengalos zündeln und Böller werfen. Ganz normales Uganda-Classico!

Es wurde also beste Unterhaltung bei diesem Derby geboten. Wie zu erwarten waren auf beiden Seiten diverse, bunt bemalte oder verkleidete Fan-Ikonen unterwegs. Sieht witzig aus und gehört hier einfach zur Fankultur dazu. Insgesamt eine schöne Veranstaltung, bei der aufgrund des torlosen Unentschiedens nur der Torjubel fehlte.

 

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