Maske beliebt wie Zahnspange Zwischen Einkaufsfrust und Sicherheitsbedürfnis

Eine junge Frau trägt in einem Kleidungsgeschäft im Einkaufszentrum Hamburger Meile einen Mund- und Nasenschutz. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Dank der Maskenpflicht durften sie nach wochenlangen Schließungen ihre Läden wieder öffnen, doch inzwischen macht sich bei so einigen Händlern Frust breit. Bei steigenden Temperaturen wird der Mund- und Nasen-Schutz immer mehr zur lästigen Pflicht für Verkäufer und Kunden. Während die einen deswegen Lockerungen fordern, sitzt bei anderen die Angst vor einem zweiten Lockdown noch tief.

Das Münchner Traditionsgeschäft Sport Münzinger muss schließen - und das im Jahr der Corona-Krise. Der Verband der Innenstadt-Händler "City Partner" schlägt deswegen Alarm. Gegenüber der Münchner Abendzeitung sagt der Chef des Verbandes, Wolfgang Fischer, man fürchte, dass das nicht der letzte Fall sein werde

Wie viele andere Läden kämpfe Münzinger mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Einzelhandel. Viele kaufkräftige Kunden blieben der Münchner Innenstadt fern, der Tourismus sei stark zurückgegangen und die Fußball-Saison lief nie richtig an. Um die Freude am Einkaufen bei den Menschen wieder zu wecken, fordert Fischer eine Lockerung der Maskenpflicht und verweist dabei auf das Nachbarland Österreich, in dem es größtenteils keine Maskenpflicht mehr gebe.

Branchen unterschiedlich stark betroffen

Dass weniger eingekauft werde, kann Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbands Bayern, zumindest teilweise bestätigen. "Grundsätzlich sind die Umsätze im Einzelhandel derzeit 40 bis 50 Prozent unter normal." Dabei gebe es jedoch Branchen wie Baumärkte oder Supermärkte, in denen es vergleichsweise gut laufe und andere, wie die Textilbranche, die mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

"Tatsächlich erreicht mich auch die ein oder andere Mail mit der Aussage 'Ich kaufe nur das Nötigste, solange es die Maskenpflicht gibt'", sagt Ohlmann. Die Maske sei seiner Meinung nach genauso beliebt wie eine Zahnspange: Niemand trage sie gern, aber dennoch sei sie notwendig. Aber er sagt auch: "Es wird immer wärmer und den Kunden macht es einfach keinen Spaß, mit der Maske einkaufen zu gehen." Viele würden nur noch nach Bedarf kaufen, um nicht lange in einem Laden bleiben zu müssen. 

Allerdings ist für ihn die Maskenpflicht nicht der einzige Grund für die fehlende Einkaufslust der Menschen. "Auch Online-Händler merken, dass weniger Nachfragen kommen. Viele kaufen auch weniger ein, weil sie beispielsweise Angst vor dem Verlust ihres Jobs haben."

Angst vor zweiter Welle im Winter

Eine baldige Lockerung der Maskenpflicht ist für Ohlmann allerdings nicht in Sicht. Die wenigen Infektionen führt er auf die Wirksamkeit der Corona-Maßnahmen zurück. "Wir brauchen die Hygiene- und Abstandsregeln. Ich wünschte mir auch, dass es schon eine Impfung gäbe, aber soweit sind wir leider noch nicht." Am Beispiel Gütersloh habe man gesehen, wie schnell die Infektionszahlen wieder steigen können. Und auch im Winter, so befürchtet Ohlmann, könnte eine zweite Welle an Infektionen kommen. 

Der Handel habe sich bereits darauf eingestellt, dass die Lockerungen noch länger auf sich warten lassen. "Die Kunden haben von Anfang an gut auf die Maskenpflicht reagiert. Wir raten daher allen, sich an die Regeln zu halten. Ein zweiter Lockdown, wenn auch nur lokal, wäre das allerschlimmste." 

Regensburger bummeln lieber im Freien

"Wir tun alles, damit es nicht zu einer zweiten Welle kommt", sagt auch Ingo Saar, Geschäftsführer des Vereins Faszination Altstadt in Regensburg. Natürlich sei die Maske nicht angenehm zu tragen. Doch für viele Geschäftsleute in der Domstadt sei die Angst vor einem erneuten Lockdown größer und daher wolle man sich weiter an die Forderungen der Regierung halten.

Was das Einkaufsverhalten der Regensburger angeht, gebe es laut Saar schon Unterschiede. Menschen, die zur Risikogruppe gehören, gingen seiner Meinung nach derzeit eher weniger unter Leute. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt, daher gebe es auch viele Konsumgüter, die derzeit weniger benötigt werden. "Es zieht die Leute auch gerade eher in die Innenstadt und ins Freie als in die Einkaufszentren, das merkt man schon."  

Dennoch seien bei ihm keine Forderungen nach einer Lockerung der Maskenpflicht aufgelaufen, so Saar. Um eine zweite Welle zu verhindern, nehme man in Regensburg weiterhin lieber Einschränkungen in Kauf als zu viel zu riskieren.

Shoppen mit Abstand sehr gut möglich

Ein wenig anders beurteilt die Situation die Interessengemeinschaft Landshut Innenstadt (ILI). "Wir können das Ansinnen der Münchner Kollegen sehr gut verstehen", sagt Pressesprecherin Daniela Rech. Man beobachte in Landshut, dass die Kunden weniger kaufen. Die heißen Temperaturen trügen ihr Übriges dazu bei. "Viele kaufen nur noch das Nötigste, Lustkäufe fallen spartanisch aus."

Nachdem die Maskenpflicht in anderen Bereichen bereits gelockert wurde, hofft man in Landshut auch im Handel auf Erleichterungen. "Wir würden uns eine reduzierte Maskenpflicht und mehr Verantwortung für Geschäftsinhaber wünschen", sagt Rech. So könne jeder Händler auf die eigene Situation reagieren und individuell Maßnahmen ergreifen. Denn mit einer gelockerten Maskenpflicht erhoffe man sich, dass die Lust am Einkaufen wieder steige.

"Die Abstandsregeln müssen trotzdem unbedingt eingehalten werden. Wir finden aber, dass man sehr gut einkaufen und Abstand halten kann", betont Rech. Die überwiegende Mehrheit der Kunden und das Personal verhalte sich bereits sehr verantwortungsbewusst. Das gebe Hoffnung, dass auch mit einer reduzierten Maskenpflicht kein Anstieg der Infektionszahlen zu befürchten sei.

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