Mariaposching/Geiselhöring Zu wenig Geld und Nachwuchs: Von der Bezirksliga in die A-Klasse

Der TV Geiselhöring und die SpVgg Mariaposching treten in der nächsten Saison in der A-Klasse an. (Symbolbild) Foto: imago

In Zeiten, in denen im Profi-Fußball 20 Millionen Euro nur Peanuts sind, wird das Geld auch bei den Amateuren immer wichtiger. Dies mussten die bisherigen Bezirksligisten SpVgg Mariaposching und TV Geiselhöring erfahren. In der kommenden Saison finden sie sich in der A-Klasse wieder.

Abstiege gehören zum Sport. Dass Spieler den Verein dann verlassen - auch normal. Das, was den namhaften niederbayerischen Fußballclubs TV Geiselhörung und SpVgg Mariaposching in der vergangenen Saison passiert ist, wünscht man nicht seinem größten Rivalen, passt aber dennoch in die heutige Zeit. Eine Zeit, in der das Geld im Sport eine immer größere Rolle spielt und die Jugend lieber andere Sportarten ausprobiert oder gar keinen Sport mehr macht. Nach dem sportlichen Abstieg aus der Bezirksliga verließen so viele Spieler die beiden Clubs, dass sie kurz vor dem K.o. standen.

Sowohl bei der SpVgg Mariaposching als auch beim TV Geiselhöring geht es ab der Saison 2019/2020 quasi wieder von Null los. Beide Clubs haben ihre Mannschaft in der A-Klasse angemeldet - drei Ligen unter der Liga in der Saison zuvor. Hätte man vor wenigen Jahren noch gesagt, die Geiselhöringer würden 2019 in der A-Klasse antreten müssen, niemand hätte es geglaubt. Dafür war der TVG zu erfolgreich. Mit höherklassig erprobten Spielern mischte er die Bezirksliga auf, wurde von 2015 bis 2018 dreimal hintereinander Dritter.

„Als in Geiselhöring über Jahre hinweg erfolgreicher Bezirksliga-Fußball gespielt wurde, war an Kaderprobleme nicht zu denken. Wegen des Ausgangs der abgelaufenen Saison, ist es für die Spieler immer der leichteste Weg, die Zelte abzubrechen und zum nächsten Verein weiterzuziehen, um dort erfolgreicheren Fußball zu suchen“, sagt der frühere Abteilungsleiter Dieter Grosse.

Folgenschwere Abgänge

Zu Beginn der angesprochenen Saison folgte ein Umbruch in Geiselhöring - auch weil das Geld knapper wurde. Spielertrainer Florian Gögl und Stefan Alschinger, beide mit Regionalliga-Erfahrung, gingen zum SV Donaustauf und wurden dort jüngst Landesliga-Meister, Mario Ulmer wechselte zum TV Schierling und Tobias Butzmann machte ein Auslandssemester. Vor allem die ersten beiden konnten nicht ersetzt werden. So landete Geiselhöring letztendlich auf dem letzten Tabellenplatz. „Aufgrund des kleineren Budgets war es für uns nicht mehr möglich, in der sich im Amateurfußball immer drastischer ausbreitenden Geldpolitik mitzuspielen. Die höherklassig erprobten Spieler wurden immer weniger. Deswegen mussten wir versuchen, dies mit dem eigenen Nachwuchs und Spielern aus den unteren Klassen zu füllen“, so Grosse.

Schon gegen Ende der Saison war die TVG-Zukunft ungewiss. Der Verein hoffte aber noch, einen Teil der Spieler halten zu können. Dem war nicht so. Nur vier Spieler des Bezirksliga-Kaders sind inzwischen noch im SG-Kader. „Die Enttäuschung darüber ist natürlich bei allen Verantwortlichen und treuen Fans riesengroß. Mehr schmerzt noch, dass Zusagen und Abmachungen in der heutigen Zeit nicht mehr das wert sind, was sie früher waren und die Gier mancher Akteure, mit dem Hobby für einen guten Zuverdienst zu sorgen, im regionalen Fußball immer mehr Überhand gewinnt“, sagt Grosse enttäuscht.

Um überhaupt noch Fußball in Geiselhöring zu ermöglichen musste die Spielgemeinschaft (SG) mit dem ETSV Hainsbach auf die erste Mannschaft ausgeweitet werden. Zuvor spielte die zweite Geiselhöringer Mannschaft in der SG. Von namhaften Gegnern wie dem VfB Straubing oder dem FC Dingolfing sind die Geiselhöringer nun erst einmal wieder weit entfernt.

Schon Saison zuvor knapp am Abstieg vorbeigeschlittert

Etwas anders sah es bei der SpVgg Mariaposching aus. Schon in den beiden Spielzeiten zuvor entkamen sie dem Abstieg nur knapp. In der Saison 2017/2018 retteten sie sich durch die Relegation. Nach dem 6:2-Sieg gegen den TSV Regen im ersten Spiel war schnell Bezirksliga-Fußball in der Gemeinde im Landkreis Straubing-Bogen gesichert.

In der letzten Saison konnte die SpVgg jedoch nicht mehr gerettet werden. Trotz zehn Punkten aus den letzten fünf Spielen landete die Mannschaft von Trainer Philipp Zacher auf dem vorletzten Tabellenplatz. Wegen einer Abgangsflut von insgesamt 13 Spielern - zusätzlich beendeten vier Akteuere ihre Karriere - verzichteten auch sie auf einen Kreisliga-Platz und treten ab sofort in der A-Klasse Deggendorf an. Mit Patrick Vogl und dem 38-jährigen Gerhard Waninger bleiben nur zwei Spieler des Bezirksliga-Kaders bei der SpVgg.

Der Verein, der seinen Spielern nie mehr als Spritgeld bezahlt hat, wollte Herren-Fußball in Mariaposching dennoch aufrechterhalten. Weil aber kein konkurrenzfähiges Kreisliga-Team zur Verfügung stand, folgte der Schritt zurück in die A-Klasse. Immerhin kehrt der langjährige Erfolgstrainer Mandfred Köglmeier zurück an seine alte Wirkungsstätte und will mit einheimischen Spielern eine gute A-Klassensaison spielen. "Das Ziel ist, den Jugendspielern eine sportliche Heimat bieten zu können. Wichtig war uns, ein intaktes Vereinsleben aufrecht zu erhalten und nicht vom Vereinssterben betroffen zu sein", sagt Vorstand Georg Wenninger. "Darüber hinaus wollen wir natürlich auch wieder an alte sportliche Erfolge anknüpfen."

Vom Nachwuchs kommt kaum etwas nach

Sowohl bei Geiselhöring als auch bei Mariaposching gab es - neben dem Geld - das Problem, dass kaum konkurrenzfähige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nachkommen. "Es ist nicht das Problem, dass keine Nachwuchsspieler da sind", sagt Wenninger. "Es trennt sich aber immer früher die Spreu vom Weizen. Die Talente werden von größeren Vereinen abgeworben. Zudem gibt es inzwischen ein viel breiteres Angebot an Freizeitaktivitäten."

In die Kerbe schlägt auch Grosse: „In den letzten zwei Jahren waren wir sehr bemüht, einige junge Spieler in den Kader der Bezirksliga einzubauen. Solche Nachwuchskicker fehlen jedoch mit Blick in die nächsten Jahre. Dies ist auch auf das immer breitere und sich stetig verändernde Angebot an anderen Sportarten zurückzuführen.“

Fitnessstudio, Eishockey, Volleyball, American Football, aber auch die neue Medien: Immer mehr Fußballer wenden dem Volkssport den Rücken. Wenninger glaubt zwar, dass Fußball weiter Sportart Nummer eins in der Region bleibt, es werde jedoch immer schwieriger ehrenamtliche Helfer für die Vereine zu finden. „Das Aussterben der Vereine wird aufgrund von fehlendem Nachwuchs und ehrenamtlichen Helfern, in den nächsten Jahren Stück für Stück zunehmen.  Nachbarvereine werden immer mehr auf die Bildung von SGs angewiesen sein“, warnt Grosse.

 

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