Mallersdorf/Straubing "Da könnte sich so mancher Europäer eine Scheibe abschneiden"

Die Arbeiten

Am nächsten Morgen begann für die zwei Fliesenlegermeister die eigentliche Arbeit. Die Aufgabe: Rund 150 Quadratmeter Fliesen in knapp einer Woche verlegen und dabei ihr Wissen auch an die einheimischen Helfer weitergeben. Pünktlich um 7 Uhr standen sie an der Baustelle bereit. „Es heißt ja immer, Menschen aus afrikanischen Ländern würden es mit der Zeit nicht ganz so genau nehmen. Also wir können das nicht bestätigen“, sagt Beckerle. Die Helfer erschienen pünktlich und waren begierig darauf, mit anzupacken. Die Sprachbarriere war schnell überwunden: Viele der jungen Arbeiter sprachen sehr gutes Englisch und übersetzten für ihre älteren Kollegen, die nur Swahili verstehen. Aber auch die Niederbayern lernten in dieser Woche einige neue Worte. „Nataka Saruji“ beispielsweise bedeutet übersetzt: „I brauch an Kleber“. Oder die magischen Worte: „Mr. Gold said... Falls wir doch mal nicht einer Meinung waren, mussten wir nur einen Satz damit beginnen, und die Diskussion war beendet“, erzählt Beckerle schmunzelnd. „Da sieht man schon, dass hier sehr großer Respekt für Josef Gold und 'Connecting Continents' da ist.“ Die Niederbayern machten auch viele andere interessante Beobachtungen: So fiel ihnen etwa auf, dass die Einheimischen grundsätzlich barfuß arbeiten. „Als wir einen von ihnen darauf angesprochen haben, hat er uns erklärt, dass er nur ein Paar Schuhe hat“, erzählt Beckerle. „Und das wollte er sich durch die Arbeiten nicht ruinieren“.

Die beiden Fliesenleger arbeiteten jedoch nicht mit Ungelernten: „Die hatten schon alle Baustellen-Erfahrungen und das entsprechende Know-How. Sie kannten halt nur einige Verfahren oder Werkzeuge nicht – und gingen etwas öfter als wir mal kurz zum Beten nach draußen“, sagt Dobmeier. Generell waren die beiden Handwerksmeister vom Einsatz und Lerneifer der Einheimischen begeistert. „Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ein älterer Mann – ich glaube er war 61 – zum ersten Mal mit einer Silikon-Spritze hantierten sollte“, erzählt Beckerle. „Er war ganz begeistert von dem neuen Baustoff und seinen Fortschritten. Diese Neugier ließ mich schon staunen. In Bayern würden die meisten in dieser Altersgruppe wohl mit einem 'Des hab i no nia ned gmacht, des lern i a nimma' reagieren“. Ein weiteres Beispiel: Als die Fliesenleger den Satz des Thales erklärten, griffen zwei junge Helfer sofort zu Stift und Papier, um sich die Formel zu notieren. „Next time, we try to do it better“ versprachen sie. Und tatsächlich: Bereits am dritten Arbeitstag waren einige von ihnen so weit, einen Raum ganz allein im für sie neuen Mittelbett-Verfahren zu fliesen.

Ganz problemfrei liefen die Arbeiten freilich auch nicht ab: Gegen Ende der Woche wurden die vorrätigen Fliesen langsam knapp. „Wir haben dann improvisiert und für das Bad und den Warteraum Fliesen unterschiedlicher Formate und Farben kombiniert“, erzählt Dobmeier. „Das Ergebnis war zwar aus der Not geboren, aber durchaus stylish.“ Auf der Zielgeraden sorgte auch noch ein Wasserschaden für Verzögerungen: Nach der Installation des WC im Erdgeschoss floss das Wasser plötzlich aus Fensterrahmen und Steckdose – Ursache war eine offene Leitung im 1. Stock. Doch auch dieses Problem wurde schnell gelöst. So konnte das Doktorhaus in knapp einer Woche fertiggestellt und dann an Dr. Mimi Blien - eine Zahnärztin aus Straubing, die dort Leute behandeln will - übergeben werden. Allerdings erst nach einem gewaltigen Kraftakt: Immerhin musste auch die ärztliche Einrichtung, darunter die über 200 Kilogramm schweren Zahnarztstühle, untergebracht werden. Diese wurde mit einem Ochsenkarren vom Dorf zum Doktorhaus gefahren und dort mit vielen helfenden Händen ins Haus gehievt und aufgestellt. „Das war wirklich ein besonderes Erlebnis“, sagt Beckerle. „Alle packen mit an, alle helfen mit. Ein richtiges Gemeinschaftswerk. Mir war dann klar: Dafür hast du gearbeitet. Jetzt kann es weitergehen, jetzt können diese Leute behandelt werden.“ Und das werden sie auch: Allein in der ersten Woche zählt Dr. Mimi Blien über 300 Patienten. Die Fliesenleger waren da aber schon wieder auf dem Heimweg.

Die Rückkehr

Ihr Fazit: Fliesenlegen macht auch ohne Bezahlung und trotz allgegenwärtiger Moskitos Spaß – wenn es für einen guten Zweck geschieht. Persönlich haben die beiden auf jeden Fall viel mitgenommen. „Mich hat vor allem die Fröhlichkeit und Gelassenheit der Menschen dort beeindruckt – trotz ihrer offensichtlich einfachen Lebensverhältnisse“, sagt Beckerle. Und sein Kollege ergänzt: „Da könnte sich so mancher 'zivilisierter' Europäer durchaus eine Scheibe abschneiden.“ Ob die beiden es wieder tun würden? „Ich auf jeden Fall“, sagt Beckerle. Er unterstützt „Connecting Continents“ mittlerweile auch durch eine Patenschaft für ein Kind. Christian Dobmeier kann sich eine Wiederholung ebenfalls vorstellen - wenn es zeitlich passt. Möglicherweise heißt es also in Zukunft für die beiden wieder: Servus Niederbayern, Karibu Afrika!

Info:
Der Verein Connecting Continents e.V. ist immer auf der Suche nach Helfern und Unterstützern. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.connectingcontinents.de. Auch Spenden sind stets gern gesehen. Die Bankverbindung lautet:

Connecting Continents e.V.
Sparkasse Niederbayern-Mitte
IBAN: DE02 7425 0000 0240 3229 66
BIC: BYLADEM1SRG

Ein großer Dank gilt neben dem Führungsteam von Connecting Continents und dem Rotary Club Straubing, die die Reise möglich machten, auch den Firmen, die die Fliesenleger unterstützt haben: Ardex und Schomburg, Fliesen Hamberger, Fliesen Avanta und Fliesen BayWa.

 
 

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