Lügenpresse? Fake-News? "Ausländer werden immer wieder zu Sündenböcken gemacht"

Eine Entwicklung, die wir auch bei idowa.de registrieren. Beleidigungen, Hass und Hetze gehören mittlerweile zur Tagesordnung. Sowohl von der linken wie auch von der rechten Seite. Wie geht man damit um? Auf idowa.de werden sämtliche Kommentare vorher geprüft und dann entschieden, ob sie freigeschaltet werden oder nicht. Dabei bekommt man als Redakteur so einiges zu lesen. Meist von Nutzern, die immer in die gleiche Kerbe schlagen und dabei jegliche Netiquette und Anstand vermissen lassen. So bezeichnete ein User mit dem Namen „Erdoganer“ am 1. Oktober 2018 die Redaktion in einem Kommentar als „Nazidowa“. Ein alter Bekannter ist auch der User „Straubingerin“. Am 28. August 2018 schickte er den Kommentar „Tötet die Journalienhuren!!“, nur um sich dann in einem weiteren Kommentar zu echauffieren: „Von mir wird wieder alles zurückgehalten...scheiß Möchtegernjournalien! Ihr werdet bald hängen! Versprochen!“. Selbstredend wurden all diese Kommentare von uns nicht freigegeben. Rechtliche Schritte werden aktuell geprüft.

Wie geht man nun vor gegen die Fülle an virtuellen Hasstiraden? Weigand: „Das eine Patentrezept, um gegen Hass und Hetze im Netz vorzugehen, gibt es nicht. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert. Es muss an verschiedenen Stellen angesetzt werden.“ Ein Ansatz wäre die Medienaufsicht, wo man mit „repressiven Maßnahmen“ gegen Anbieter und Kommentatoren vorgehen könne.

Misstrauen und Hass

Die Möglichkeit, Kommentare vor einer Veröffentlichung zu prüfen, besteht jedoch auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter nicht in sinnvoller Form. Auf der Facebook-Seite von idowa.de gleicht die Aufgabe in der Folge oftmals einer Sisyphusarbeit. Beleidigungen, Propaganda und sonstige Hetze werden als Kommentare verborgen, es wird auf die Netiquette verwiesen. Doch bereits beim nächsten Post zu irgendeiner Straftat, beginnt das Ganze wieder von vorne. Nennt man dann bei einem Straftäter aus öffentlichem Interesse die Nationalität, wird man von der einen Seite im Handumdrehen als „rechts-tendenziös“ abgekanzelt. Nennt man die Nationalität hingegen nicht, weil man redaktionsintern zu dem Schluss gekommen ist, dass es bei der Faktenlage nicht notwendig ist, heißt es von der anderen Seite, man würde etwas vertuschen wollen. Schreibt man dagegen in einem Fall zum Beispiel „der Tatverdächtige aus dem Landkreis Landshut“, kommt als Reaktion „wäre es ein Syrer gewesen, hättet ihr das nicht dazugeschrieben“. Egal, wie man es also macht, Misstrauen und Hass scheinen einem gewiss zu sein.

Ein konkretes Fallbeispiel

Eine Entwicklung, die nachdenklich stimmt. Das kennt man auch bei den für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Beamten des PP Niederbayern. Dort kommt allerdings noch ein weiteres besorgniserregendes Phänomen hinzu, wie Josef Eckl berichtet: „Es kommt immer wieder vor, dass Ausländer zu Sündenböcken gemacht werden.“ Eckl macht dies an einem konkreten Fall fest: „Vor einiger Zeit fand eine Frau ihren Ehemann mit diversen Stichwunden. Der Mann berichtete seiner Frau kurz bevor er ohnmächtig wurde, dass drei dunkelhäutige Täter auf ihn eingestochen hätten. Dementsprechend richteten wir zunächst auch unsere Ermittlungen darauf aus und fahndeten nach drei unbekannten dunkelhäutigen Männern.“ Doch dann bekam der Fall eine plötzliche Wendung und die Wahrheit trat ans Licht. „Es stellte sich heraus, dass sich der Mann die Stichwunden selbst zugefügt hatte. Seiner Frau gegenüber konnte er das jedoch im ersten Moment nicht gestehen, daher erfand er die ominösen drei dunkelhäutigen Täter“, so Eckl. Erst durch dieses Geständnis des Mannes konnte der Fall gelöst werden. Eckl gibt jedoch zu Bedenken: „Jetzt stellen Sie sich mal vor, dieser Mann stirbt an seinen schweren Verletzungen und das Letzte, was er vor seinem Ableben sagt, ist, dass es drei Dunkelhäutige waren, die auf ihn eingestochen haben.“

 

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