London/Köln/Berlin/New York/Straubing Die Kunst der Stunde: Streetartists sind auch während der Pandemie weltweit sichtbar

Viele Künstler verarbeiten die Corona-Pandemie. Foto: Instagram @jeffroseking

Im Lockdown versumpfen wir daheim. Ein Blick zu Streetartists aus der ganzen Welt offenbart wahre Schätze. Von einer Kunstform, die dem Virus trotzt.

Der Stil des Londoners Thisone ist unverkennbar: Tiere oder Blüten im Tattoo-Look. Solche sprühte er auch in Thailand an Wände, wo er sich vor der Pandemie befand. Im Februar 2020 kehrte er nach England zurück. Dort kümmert er sich um ein Herzensprojekt. Im Bildband „What Lockdown?“ dokumentiert er seinen aktuellen Alltag. Die Zuversicht lässt er sich nicht nehmen. Sein nächstes Buch soll zeigen, wie er aus dem Lockdown herauskommt. „Hoffentlich im Sommer!“

Köln

Die bildende Künstlerin Maxine Regetanz erklärt: „Die Krise fordert auf, den Blick auf andere zu erweitern.“ Die Kölnerin ließ ihre Ausstellungswerke ruhen und setzte selbst Mona Lisa einen Mundschutz auf. So will sie die Virusgefahr greifbar machen.

 

Berlin

Lacunas Schablonengraffiti senden Botschaften: „Sie zeigen meine Gesellschaftsbetrachtung.“ Das gefällt seinen Sammlern. Im Dezember rief einer von ihnen Lacuna an. Der Sammler hatte ein Jahr zuvor einen Totenkopf mit Zipfelmütze gekauft. „2020 stellte das sein Weihnachten dar“, erinnert sich Lacuna. Der Sammler betreute kurz vor dem Anruf als Altenpfleger eine Gruppe von zehn Senioren. Um Weihnachten starben acht davon. Lacuna fügte Bezüge zum Virus am Bild hinzu. Doch nicht der Verkauf, sondern die Öffentlichkeit ist sein Fokus. „Streetart ist eine der natürlichsten Kunstformen.“ Sie trete trotz des Lockdowns in Kontakt mit dem Betrachter.

New York

Lebhaft, voller Ecken und Kanten, teils tragisch, immer eindrucksvoll: Jeff Rose Kings Graffiti sehen aus, wie New York sich anfühlte. Normalerweise sprudelt die Metropole vor Vielfalt. Doch das Virus schnürt ihr die Luft ab.

Jeff Rose ist dennoch mit seinen Spraydosen in Manhattan unterwegs: „Ich habe 2020 meine Aufgabe entdeckt, indem ich positive Botschaften vermittelte“, sagt er. Um sein Mitgefühl für Ladeninhaber auszudrücken, die in der Pandemie schließen müssen, sprüht Jeff Rose weinende Augen in bunten Farben auf die Holzbretter vor den leeren Schaufenstern.

Straubing

Masken im Bus sind nötig – aber normal? Das „Kreativ Kollektiv“ regt mit einem Projekt in der Musikkneipe „Raven“ an, Normalität zu überdenken. Aus dem Wohnzimmer-Nachbau tönt Musik, am TV laufen Clips, von der Decke hängen Fotos, Gemälde sind zu sehen. Das Kollektiv sucht das Außergewöhnliche. „Corona steckt an, Dinge anders zu machen!“, sagt Anna, Teil des Kollektivs. Zoja ermutigt, selbst tätig zu werden: „Jeder kann malen!“

Eine Reise um die Welt

Jeder kann Streetart bestaunen, der aus seiner Filterblase auf Instagram ausbricht und sich online aufmacht nach London oder New York. Über Geotags gelangen User zu Beiträgen bestimmter Orte. Der Tag „SoHo, New York“ führt etwa in das Künstlerviertel, wo Jeff Rose zu finden ist. Auch in anderen Teilen der Welt gibt es Spannendes zu entdecken.

 

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