Literatur Karen McManus schreibt erfolgreiche Teenie-Thriller

Karen McManus und drei ihrer Bücher. „One of us is lying“ und „Two can keep a secret“ sind schon erschienen, „One of us is next“ kommt nächstes Jahr. Foto: Kaitlyn Litchfield

Mit „One of us is lying“ und „Two can keep a secret“ hat es die amerikanische Autorin Karen McManus auf die Bestseller-Listen geschafft. Freistunde hat sie verraten, wie ihre Teenie-Thriller entstehen.

Die Cover von Karen McManus’ Büchern sind ein echter Blickfang. Gesichtsteile verschiedener junger Menschen formen ein Ganzes, das den Leser ernst anschaut und einen Finger vor den Mund hält. Fast hört man es sagen: „Was auch immer du jetzt liest – es bleibt zwischen uns, nicht wahr?“ Das passt, denn Lügen und Geheimnisse stehen im Mittelpunk der Geschichten, die die Amerikanerin erzählt. Egal, ob es nun um eine Gruppe Schüler geht, die nachsitzen muss („One of us is lying“) oder um ein Geschwisterpaar, das mit der Vergangenheit seiner Mutter konfrontiert wird („Two can keep a secret“). Selten ist alles so, wie es erscheint.

So verhält es sich auch mit dem Erfolg ihrer Bücher. Von außen betrachtet ist er aus dem Nichts gekommen. „One of us is lying“ erschien 2017, schaffte es in kurzer Zeit auf die Bestseller-Listen und wurde für den deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominiert. Was Fans und Leser nicht gesehen haben, ist die Arbeit, die hinter dem Buch steckt. „One of us is lying“ ist nämlich eigentlich schon das dritte Buch, das Karen McManus geschrieben hat. Die anderen sind nur nie veröffentlicht worden, was rückblickend aber auch ganz gut sei, wie sie meint.

Vier Monate für ein Buch

Eine Sache war aber dann doch ungewöhnlich. Wie Karen McManus erzählt, brauchte „One of us is lying“ gerade einmal vier Monate, um zu entstehen. Es schrieb sich quasi von selbst. Beim nächsten Buch, „Two can keep a secret“, funktionierte das aber nicht mehr. Karen McManus hatte ein Erlebnis, das viele Autoren haben, wenn sie einfach drauf losschreiben. Irgendwann passt das eine nicht mehr so recht zum anderen und am Ende muss man komplett von vorne anfangen. „Ich musste also lernen, wie man einen Plot formuliert“, sagt sie. Mittlerweile hat sie, wie viele andere Autoren, einen Kompromiss gefunden zwischen Planen und freiem Schreiben.

Und ganz ohne Rückmeldung geht es auch nicht. Bevor Lektorin und Agent ein Buch zu Gesicht bekommen, vertraut Karen McManus zuerst auf die Meinung von Schriftsteller-Kollegen, die sie über Twitter kennengelernt hat. „Ein Autor als Korrekturleser hat den Vorteil, dass man nicht so viel erklären muss“, sagt Karen McManus. Wer selbst eine Ahnung vom Schreiben hat, könne sich auch viel konstruktiver äußern. Zusätzlich gibt sie ihre Bücher immer ihrer Schwester zum Lesen. „Die hat nur eine einzige Aufgabe: Alles, was ich schreibe, absolut gut zu finden“, sagt Karen McManus und lacht. Manchmal braucht es einfach uneingeschränkt positives Feedback.

Auch, wenn die Geburt von „Two can keep a secret“ schwerer war als die von „One of us is lying“, waren die Rückmeldungen der Fans erneut enorm positiv. Einige fragen sogar schon, wann denn die Fortsetzung kommt.

Fortsetzungen und neue Ideen

„Wohl gar nicht“, beantwortet Karen McManus die Frage. „Two can keep a secret“ ist eine eigenständige Geschichte mit einem Ende, das eigentlich nichts mehr offen lässt. Noch mehr als der Schluss von „One of us is lying“, für das ursprünglich auch keine Fortsetzung geplant war. Dass es doch dazu gekommen ist, liegt an einem Charakter, der in „One of us is lying“ eine Nebenrolle gespielt hat: Maeve, die Karen McManus bei „One of us is next“ in den Mittelpunkt rückt. Das sei auch ihre Bedingung für die Fortsetzung gewesen: keine aufgewärmten Geschichten, sondern eine neue Gruppe von Helden, die sich mit einem neuen Mysterium beschäftigen müssen. Allerdings, ganz verschwunden sind die Charaktere aus Teil eins natürlich nicht. Es könnte also das eine oder andere Wiedersehen geben. Buch drei ist also „One of us is next“. Wie sieht es mit „The cousins“, Nummer vier, aus? Aus dem macht die Autorin noch ein großes Geheimnis. So viel ist klar: Es wird etwas ganz anderes.

So anders, dass es auch einen komplett neuen Titel geben wird. „Ich habe schon versucht, etwas mit drei zu machen“, scherzt die Autorin. Die anderen Bücher hatten ja eins und zwei – „one“, „two“ – im Namen. Am Ende sei aber der Wunsch stärker gewesen, etwas Neues auszuprobieren. Für die Covergestalter heißt das, Abschied nehmen von den Gesichtern, die den Leser anstarren und den Finger auf die Lippen legen. Aber nicht weitersagen, ok?

 

Vom Buch zur Serie

Ein ganz besonderes Highlight für die meisten Autoren ist, wenn die eigenen Geschichten als Filme oder Serien adaptiert werden. Im Fall von „One of us is lying“ ist das noch einmal auf eine ganz eigene Weise spannend. Schließlich verglichen Leser das Buch oft mit Serien wie „Pretty little liars“ oder „Tote Mädchen lügen nicht“, selbst eine Buchverfilmung.

Besonders schön für Karen McManus war aber nicht nur die Nachricht, dass „One of us is lying“ zu einer TV-Serie werden soll, sondern, dass das Produktionsteam sie als Beraterin mit an Bord haben wollte. „Als Autor hat man eigentlich gar nichts zu sagen, wenn es an die Verfilmung geht“, sagt sie. Man könne nur abwarten und hoffen, dass das, was Regie und Team aus der Geschichte machen, auch gut ist.

Entscheiden kann die Autorin zwar auch bei der Verfilmung von „One of us is lying“ nichts, aber das Team fragt sie nach ihrer Meinung. Zum Beispiel durfte sie die Kandidaten für die Hauptrollen ansehen und die Drehbuchschreiber fragen sie immer wieder nach Details. „Ich habe ihnen auch schon Teile der Handlung von ‚One of us is next‘ erzählt“, sagt Karen McManus. So können einige Handlungsstränge der Fortsetzung schon in die Serie einfließen. Fürs erste hat der Sender NBC einen Pilotfilm zu „One of us is lying“ bestellt. Kommt der gut an, wird es eine ganze Staffel geben, die auf der Streamingplattform des Senders laufen soll.

 
 
 

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