Letzter Applaus in Furth Beeindruckendes Festspiel-Finale trotz Tonausfall

Holten sich den verdienten Schlussapplaus ab: Reinhold Kerner (Kardinal), Klaus Fischer (Jan), Sandro Bauer (Chamerauer), Tina Pohmer und Andreas Scheuer (Ritterpaar), Sandro Ziesler (Sattelbogner), Pater Willibald (Florian Fischer) und Patrick Schönberger (Sekretarius, von links). Foto: Adam

Langanhaltenden Applaus und strahlende Gesichter gab es am Sonntagabend bei der letzten Festspiel-Aufführung: Der Drachenstich 2019 ist Geschichte. Ein Kapitel nimmt dabei aber auch das Problem mit der Tontechnik ein.

Aufgrund des Ausfalls einer der fünf Ton-Komponenten des Mischpults musste die Aufführung rund 45 Minuten pausieren. Doch das tat weder der Stimmung im Publikum noch der Leistung der Darsteller einen Abbruch.

Bürgermeister Sandro Bauer, der am Sonntagabend den Chamerauer verkörperte, begrüßte die Gäste in der voll besetzten Festspiel-Arena auf dem Stadtplatz. Die Gruppe "grün" hatte die Ehre, den Drachenstich für dieses Jahr ein letztes Mal auf die Bühne zu bringen. Und das klappte reibungslos - bis zur Schrannen-Szene, bei der die Ratsherren mit Hilfe der Ritterin herausfinden müssen, wer der echte Neußl Hans ist.

Das Volk flüchtete und suchte Schutz im Schloss. Und dann war es still. Dass "die Ratten alle Vorräte angefressen haben", wie der Koloman (Manfred Gruber) der Ritterin berichtete, konnte man im Publikum nicht mehr verstehen. Von da an hieß es: warten! Die Verantwortlichen versuchten das Problem mit der Tontechnik zu lösen; doch das Ganze dauert rund 45 Minuten. Erschwerend kam hinzu, dass Inspizient Heinz Winklmüller ohne Mikro die Besucher über den weiteren Ablauf informieren musste.

"Das war natürlich ein Wermutstropfen. Schade, dass das zum Abschluss passiert ist", meinte Karl-Heinz Späth von der Drachenstich-Organisationsleitung am Montagvormittag. Aber man sei froh, dass man das Spiel fortsetzen und damit den Drachenstich zu Ende bringen konnte - im wahrsten Sinne des Wortes.

Wer dachte, dass wegen der langen Pause stimmungsmäßig die Luft raus war, der irrte. Ganz im Gegenteil: Das Publikum freute sich, dass es weiter gehen konnte und zeigte dies mit kräftigem Applaus und Jubel-Rufen. Zwischendurch gab es immer wieder anerkennenden Szenenapplaus, was die Darsteller auf der Bühne zusätzlich aufgebaut haben dürfte.

Die Arena war an diesem Abend komplett ausverkauft, und auch im Stehplatzbereich standen die Leute dicht an dicht. "Die Abendkasse war schon gar nicht mehr geöffnet", berichtet Karl-Heinz Späth vom guten Vorverkauf für diese Aufführung. Der letzte Abend ist eben immer etwas Besonderes - sowohl für die Zuschauer als auch für die Mitwirkenden.

Die letzte Drachenstich-Aufführung 2019 bedeutete für Tina Pohmer und Andras Scheuer auch, das letzte Mal als Drachentöter Udo und junge Schlossherrin auf der Bühne zu stehen. Die Emotionen wie Freude und Wehmut packten die beiden jungen Further in ihre Rollen: Tina Pohmer war in der Engelsszene besonders gefühlvoll und Andreas Scheuer gab beim abschließenden Drachenkampf noch einmal alles.

Damit ist auch die diesjährige "Leidenszeit" von Fanny zu Ende. Sie starb am Sonntagabend zum letzten Mal. Aber dafür gleich zweimal.

Wie es sich für den Abschluss gehört, hatten sich die Mitwirkenden wieder ein paar Späße einfallen lassen und eingebaut - für Außenstehende nicht zu erkennen. So präsentierten die Sattelbogner-Soldaten zu Beginn einen Saukopf - inklusive Helm, damit er sicher in die Schlacht kommt - hoch oben auf dem Wagen.

Dass Andreas Scheuer nicht immer pünktlich ist, scheint er selbst mit Humor zu nehmen. Der Ritter verspricht dem Florian zu Beginn normalerweise, dass sie sich "nach dem Krieg um halb drei" wieder treffen. Dieses Mal fügte Scheuer hinzu: "Es könnte aber auch halb vier werden."

Passende Bemalungen tragen die Menschen der Vorzeit auf ihren Körpern. Am Sonntagabend waren diese etwas abgewandelt: von einer großen Volksfest-Breze bis zu einem Tierkopf war alles vertreten.

Ein kleines, aber lustiges Wortspiel war bei der Schrannen-Szene zu hören. Die Kirchhofschützen, bekannt als tollpatschige und durstige Beschützer von Furth, bauten gerade die Schranne auf, als ihnen der Stadtschreiber (Thomas Kaufmann) droht: "... sonst kürze ich euch das Bier". Normalerweise würde ihnen der Lohn gekürzt.

Einen kleinen Seitenhieb auf die Frauenwelt konnten sich der Koloman (Manfred Gruber) und der Oberste Ratsherr (Josef Fischer) nicht verkneifen. Das Volk flüchtete und die Ritterin nahm die Leute im Schloss auf. Die beiden Herren bedauerten daraufhin, dass es nun nur noch fünfmal die Woche eine Nachspeise geben wird. "Ich hab's schon immer g'sagt: Du musst aufpassen bei den Weibern!"

Aufgepasst hat Vorjahresritter Matthias Schweitzer auf den kleinen Ben Schönberger. In Erinnerung an das alte Stück hat auch er am Sonntagabend ein Kind mit in die Arena genommen. In Soldatenkleidung trug er den wohl jüngsten Sattelbogner auf dem Arm, der darüber sichtlich stolz war. Unter die Sattelbogner hat sich auch Ritter Andreas Scheuer gemischt - gut versteckt, aber doch zu erkennen. Ähnlich Markus Späth (Sekretarius in der Gruppe "blau"), der bei den Kardinalern dabei war.

Spontan waren an diesem Abend Bürgermeister Sandro Bauer als Chamerauer und Sekretarius Patrick Schönberger. Als das Stadtoberhaupt mit seinem Wagen in der Arena ankam (kurz nach dem Tonausfall) fragte er ins Publikum: "Und, seit ihr noch alle da?" Nicht da war jedoch er selbst, als er seinen Einsatz im Gespräch mit dem Sekretarius verpasst hatte.

Bauer sprang zu spät vom Wehrgang hervor, um zu fragen, ob der Sekretarius etwa Johannes von Ragusa sei, dessen Schriften er gelesen habe. Schönberger bejahte und meinte abschließend: "..auch wenn's länger dauert."

Udo lebt doch noch! Er ist den Handlangern vom Chamerauer entkommen und konnte zurückkehren. Doch in dieser Zeit hat ihm offensichtlich jemand Herzchen in seine Fahne geschnitten, die an seiner Lanze befestigt ist. Diese wehte fröhlich im Wind, als Scheuer in die Arena angeritten kam.

Ein ganz besonderer Moment dürfte es für Tina Pohmer gewesen sein, als sie zusammen mit ihrem Vater Alois auf der Bühne gestanden hat. Gegen Ende des Stücks hatte er einen Kurzeinsatz als Koloman und stand dabei seiner Tochter zur Seite.

Mit in die Schlacht durfte Sonntagabend auch ein "treuer Begleiter", genannt Nussi. Die Nussknackerfigur wurde vom Flohmarkt "gerettet" und begleitet die Sattelbogner seit Jahren in die letzte Schlacht.

 

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