Es sind schreckliche, herzerweichende Szenen, die sich gerade an der Grenze zwischen Polen und Belarus abspielen. Geflüchtete Menschen werden in von belarussischer Seite organisierten Trecks an die Zäune geführt, wo sich ihnen polnische Grenzschützer martialisch entgegenstellen. Hauptziel, das zeigt sich in ihren Sprechchören, ist Deutschland. Die Bilder erinnern an das Jahr 2015, als Hunderttausende kamen.

Doch die Situation heute ist grundlegend anders. Die Menschen kommen nicht direkt aus tobenden Bürgerkriegen wie vor sechs Jahren, sondern aus sicheren Drittländern. Ihnen droht in Belarus auch keine politische Verfolgung, sie sind ja vom eng mit Russland verflochtenen Alexander Lukaschenko eingeladen worden. Kaltherzig riskiert er den Kältetod der Verzweifelten. Ihnen sollte die EU großherzig helfen, das zynische Spiel des Diktators aber schnell beenden.