Leinen los gegen Leukämie Wie ein Straubinger anderen Krebs-Patienten Mut macht

Franz Bast erkrankte 2011 an Leukämie, 2013 rettete eine Stammzellenspende sein Leben. Vor kurzem war der Straubinger bei einem Segeltörn der José-Carreras-Stiftung vor Mallorca dabei. Sein Ziel: Anderen Leukämie-Patienten mit seiner Geschichte Mut zu machen. Foto: José-Carreras-Stiftung/Torsten Fricke

2011 erkrankte Franz Bast aus Straubing an Leukämie. Eine Stammzellenspende rettete ihm das Leben. Heute engagiert sich der 56-Jährige selbst im Kampf gegen den Krebs.

Pfingsten 2011: Der Straubinger Architekt Franz Bast ist mit Freunden und Bekannten auf einem Fest. Es ist der Tag, der sein Leben auf den Kopf stellen wird. Denn während der damals 49-Jährige über den Festplatz schlendert, bleibt ihm plötzlich die Luft weg. Er muss sich mehrmals hinsetzen, hat Atemnot. Warum weiß er nicht. Am Tag darauf geht Bast deswegen zum Arzt und lässt sich untersuchen. Es wird allerdings nichts Auffälliges festgestellt. Damals misst der Straubinger dem noch nicht allzu viel Bedeutung bei. Er fährt wie geplant in den Griechenland-Urlaub – doch dort verschlechtert sich sein Zustand weiter. Halsschmerzen, Ohrenweh und Fieber kommen hinzu. Bast vermutet eine Erkältung, übersteht den Urlaub mit viel Medizin und geht nach seiner Rückkehr gleich nochmal zum Arzt. Diesmal ist die Diagnose eine andere. „Es ist etwas Ernstes“, sagt der Mediziner und lässt Bast in die Kreisklinik Wörth einweisen. Dort erfährt der Straubinger, dass er an Leukämie leidet.

Die genaue Bezeichnung der Krankheit lautet akute myeloischer Leukämie (AML). Vereinfacht gesagt ist bei dieser Form die Vermehrung und Erneuerung von Blutzellen gestört. Im Normalfall wird diese vom Körper reguliert. Bei AML beginnen betroffene Zellen allerdings, sich ungebremst zu teilen und behindern so die Bildung gesunder Blutkörperchen. Unbehandelt führt die Krankheit innerhalb weniger Wochen zum Tod. „Da weißt du natürlich erstmal nicht, was du denken sollst“, erzählt Franz Bast rückblickend. Hadern will er allerdings schon damals nicht. „Ich bin kein Mensch, der hadert. Es bringt ja nichts“, sagt er. Stattdessen gibt er seiner Krankheit einen Namen und ein Gesicht: Er tauft sie Lars – und sagt Lars den Kampf an.

Kurz darauf beginnt Franz Bast mit der neun Wochen langen Chemotherapie – oder der „U-Haft“, wie er sie scherzhalber nennt. „Du wirst im Grunde weggesperrt. Du kannst zwar rausgehen – aber dann bist du eben tot“, sagt Bast. Während der Therapie kann schon der kleinste Keim zu einer tödlichen Entzündung führen. Also verbringt der Straubinger die nächsten Wochen abgeschottet im Krankenhaus. Er verliert seine Haare, muss seine Ernährung umstellen, nimmt fast 25 Kilo ab. „Nach 14 Tagen habe ich mich selber kaum mehr wiedererkannt“, erzählt er.

"Wenn ich Ihnen das jetzt reinschütte, sind Sie tot"

Kraft geben ihm in dieser schwierigen Zeit seine Zimmer- und Leidensgenossen. „Das ist wie Familie da drinnen“, erzählt Bast. „Ich habe dort so viele tolle Menschen kennengelernt, die ich sonst wohl nie getroffen hätte. Mit einigen davon bin ich heute noch in Kontakt.“ Auch den Ärzten und Krankenschwestern zollt er höchsten Respekt: „Sie waren immer da, immer hilfsbereit. Und ich habe immer klare Ansagen bekommen, es wurde nichts beschönigt. Einmal mussten wir etwa eine Chemotherapie abbrechen, doch ich wollte weitermachen. Da hat der Arzt nur gesagt: 'Herr Bast, wenn ich Ihnen das jetzt reinschütte, sind Sie tot.' Klar und schnörkellos – das gefällt mir nicht nur in der Architektur.“

Generell ist der Tod in dieser Zeit natürlich stets präsent. Das erlebt Bast hautnah: An einem Abend schaut er mit seinem Zimmerkameraden noch Champions League. Am nächsten Morgen ist das Bett neben ihm leer. „Man muss sich vor Augen halten: Die Hälfte der Leute, die eine Chemotherapie machen, überleben das nicht. Der Tod gehört hier zum Alltag. Das muss man auch erstmal aushalten können“, sagt Bast. „Ich bin aber immer davon ausgegangen, dass ich es schaffe.“ Er soll Recht behalten. Die Therapie verläuft erfolgreich und der Straubinger darf das Krankenhaus im August wieder verlassen.

Doch leider ist Lars noch nicht endgültig besiegt: 2013 hat Franz Bast einen Rückfall. Nun benötigt er eine Stammzellenspende. Er hat großes Glück: Nach nur acht Wochen ist ein passender Spender gefunden. Am 4. Dezember 2013 findet die Transplantation statt, im Januar 2014 kann Bast zu seiner Familie zurückkehren. Seitdem sind über vier Jahre vergangen – ohne das geringste Anzeichen. „Ich denke, ich bin vollständig geheilt“, sagt Bast. Stark geprägt hat ihn die Zeit im Krankenhaus dennoch: „Ich denke, ich bin etwas strenger und konsequenter geworden. Ich habe einfach keine Zeit mehr zu verlieren“. Gleichzeitig engagiert sich der 56-Jährige nun auch selbst stark im Kampf gegen den Krebs, ist unter anderem in der Leukämiehilfe Ostbayern aktiv. Dabei profitiert er auch von seinem Beruf als Architekt. So hat der Verein etwa die Errichtung eines Patientenhauses auf dem Gelände des Universitätsklinikums Regensburg vorangetrieben. Am 15. Juni soll es offiziell eröffnet werden. Für Franz Bast eine Herzensangelegenheit: „Ich freue mich, dass ich immer noch da bin und immer noch Häuser bauen kann. Ich habe in dieser schweren Zeit viel Unterstützung erfahren und möchte nun etwas zurückgeben.“ Gleichzeitig nutzt er auch seine Erfahrungen als selbstständiger Unternehmer, um Spenden für die Leukämiehilfe zu sammeln.

Zurück ins Leben segeln

Auch die bekannte José Carreras Leukämie-Stiftung hat Bast schon mehrmals mit Spenden unterstützt. Dafür nahm er in der vergangenen Woche auch am José-Carreras-Yacht-Törn vor Mallorca teil. Fünf Tage lang segelten hier mehrere ehemalige Krebspatienten zusammen „zurück ins Leben“. „Ein super Erlebnis“, schwärmt Bast. „Die meisten von uns waren Laien, die noch nie auf See waren. Bei Windstärke 6 und einer Geschwindigkeit von acht Knoten wurde uns deswegen teilweise schon etwas mulmig. Aber wir haben gut zusammengefunden, es war eine tolle Gruppe. Und niemand ist über Bord gegangen.“

Sinn der Aktion war es, anderen Leukämie-Patienten zu zeigen, dass die Krankheit besiegt werden kann. Ein Ziel, dass Franz Bast aus tiefstem Herzen unterstützt. „Müsste ich anderen Betroffenen einen Rat geben, würde ich sagen: Nehmt es an, aber hadert nicht. Ihr seid nicht allein. Es lohnt sich, zu kämpfen.“ Für seine eigene Zukunft hat der Straubinger nur einen Wunsch: „Gesund bleiben, alles andere ergibt sich.“

Info:
Wer selbst zum Lebensretter werden möchte, hat am Freitag, 25. Mai, die Gelegenheit dazu: Zum "Aktionstag Bayern gegen Leukämie" finden vielerorts Typisierungsaktionen statt, unter anderem in Straubing, Landshut, Dingolfing und Regensburg. Eine vollständige Auflistung aller Standorte finden Sie hier

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