Leihgabe von Mainz 05 Aaron Seydel: Beim Jahn zurück ans Leistungsmaximum

Aaron Seydel ist in der Rückrunde vom FSV Mainz 05 an den SSV Jahn Regensburg ausgeliehen. Foto: Fabian Roßmann

Aaron Seydel (23) hatte es nicht immer leicht in seiner bisherigen Laufbahn. Nach einer Verletzung will die Leihgabe des Bundesligisten FSV Mainz 05 nun beim SSV Jahn Regensburg wieder angreifen und zurück ans Leistungsmaximum.

Vor zweieinhalb Jahren wäre es schon einmal fast zu einem Wechsel gekommen. Nach dem damaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga wollte der SSV Jahn Regensburg Offensivspieler Aaron Seydel vom FSV Mainz 05 in die Oberpfalz lotsen. Damals entschied sich dieser allerdings für eine Leihe zum Mitaufsteiger Holstein Kiel. „Es waren nur Nuancen, vor allem das Bauchgefühl“, blickt Seydel auf die Gründe zurück, warum es damals Kiel statt Regensburg geworden ist.

Bereut hat er den Schritt nicht. „Ich hatte eine schöne Zeit in Kiel“, sagt er heute. Insgesamt zwei Jahre spielte er im hohen Norden. Er hat dort eine andere Art von Fußball kennengelernt. Seit der U10 hatte er durchgehend beim FSV Mainz 05 gekickt. „Während in Mainz Mentalität, Lauf- und Kampfbereitschaft und vor allem das Spiel gegen den Ball großgeschrieben werden, lag in Kiel unter Markus Anfang und Tim Walter der Fokus auf Ballbesitz und dem Spiel mit dem Ball“, vergleicht er. Eine schöne Erfahrung für ihn: „Den Fußball von einer anderen Seite kennenzulernen, hat mein Spektrum erweitert.“

Zudem hat er in Kiel sehr viel Spaß am Fußball gehabt. „Das war nicht immer so“, räumt Seydel ein. Gerade zum Ende der Schulzeit, als das Abitur anstand, „war es schon extrem viel. Da hatte der Tag oft gar nicht genügend Stunden, das geht irgendwann schon an die Substanz.“ Es war nicht die erste schwierige Phase, die er durchgemacht hat. Im Alter von 13 oder 14 Jahren hatte er Probleme mit dem Wachstum. „Da habe ich mich nicht gut gefühlt auf dem Platz, das war eine schwierige Zeit“, blickt er zurück.

Gute Schule für den Profifußball

Aufgeben war für Seydel aber niemals eine Option. Im Gegenteil: „Im Rückblick hätte es eigentlich gar nicht besser kommen können“, sagt er. Schon in der Jugend musste der gebürtige Hesse lernen mit Rückschlägen umzugehen. Eine gute Schule für den Profibereich. „Ich kenne viele Jungs, die es in der Jugend immer einfach hatten, die vielleicht sogar mehr drauf hatten als ich. Aber als der Schritt in den Profibereich anstand, kam da nicht mehr viel“, sind ihm auch andere Karriereverläufe bekannt. „Mir hat es geholfen, dass ich schon Widerstände zu spüren bekam, bevor es richtig ums Profiwerden ging.“

Der 23-Jährige hat in seiner bisherigen Laufbahn auch gelernt, dass Rückschläge nicht gleich Niederlagen sind: „Das Wichtigste ist immer: Was passiert, wenn einmal etwas nicht klappt? Wenn man daraus lernt, dann ist es keine Niederlage.“ Aaron Seydel muss zum Beispiel neben dem Mannschaftstraining viel für seinen Körper machen. „Vor allem die Rumpfstabilisierung ist bei mir wichtig“, sagt der 1,99 Meter große Mann. Hier habe er in der Vergangenheit auch Fehler gemacht. „Ich habe mal zu viel trainiert, mal falsche Sachen. Aber daraus habe ich gelernt.“

Probleme mit dem Körper hatte Seydel auch in den vergangenen eineinhalb Jahren. Schon in der vergangenen Zweitliga-Saison in Kiel kam er nur auf sechs Einsätze, in dieser Spielzeit stand er noch gar nicht bei einem Spiel auf dem Platz. Eine Verletzung an der Ferse stoppte ihn, im Mai wurde er operiert. Doch nun ist er auf einem guten Weg zurück. Seit Anfang Dezember befand er sich in Mainz wieder voll im Mannschaftstraining. Hier war für den Jahn der gute Draht zu Ex-Trainer Achim Beierlorzer sehr hilfreich. „Er hat uns gesagt, dass Aaron im Training einen super Eindruck hinterlassen hat und sehr weit ist“, verrät Jahn-Coach Mersad Selimbegovic.

Zurück auf 100 Prozent

Wieder auf 100 Prozent zu kommen, ist nun das vorrangige Ziel Seydels. „Ich habe aber auch gelernt, dass alles zur richtigen Zeit passieren muss und man die Dinge nicht zu schnell angehen darf“, sagt er. Beim Jahn hätten sie ihm „einen guten Weg aufgezeigt, wie ich nach meiner Verletzung am besten zurückkomme und möglichst schnell wieder mein Leistungsmaximum erreichen kann“, erzählt Seydel, dem gefallen hat, „wie offen und ehrlich der Kontakt zu den Verantwortlichen war – da wurde kein Hintertürchen offengelassen.“ Bis zum Sommer ist er an den Jahn ausgeliehen – danach hat der Verein nach Informationen des „kicker“ eine Kaufoption. Um wieder auf 100 Prozent zu kommen, werde er noch die eine oder andere Spielminute brauchen, im Training fühle er sich aber wieder sehr gut. Das Wichtigste ist, so sein neuer Trainer, „dass wir Geduld mit ihm haben, ihm Zeit geben, aber auch immer wieder Reize setzen.“

Die 2. Liga kennt Seydel bereits aus seiner Zeit in Kiel. In Regensburg erwartet ihn nun aber eine andere Art zu spielen. „Es ähnelt sicher mehr dem Mainzer Stil“, sagt Seydel. Als „sehr griffig, aggressiv und aktiv“ hat er den Jahn-Fußball in der Vergangenheit wahrgenommen. Seydel kann sowohl auf den Zehnerpositionen im Mittelfeld als auch im Sturmzentrum spielen. Ihm selbst sei es egal, auf welcher der Positionen er zum Einsatz komme. Mersad Selimbegovic sieht ihn eher auf der Zehnerposition einen Tick besser - „aber da ist nur ein minimaler Unterschied.“ Genau solche Spielertypen, die mindestens zwei Positionen bekleiden können, würden sie beim Jahn aber auch suchen, so der Coach.

Selimbegovic: "Sehr interessantes Paket"

Was der Neuzugang, der sich neben dem Fußball vor allem für Musik interessiert, ins Jahn-Spiel einbringen kann? „Aaron ist ein Spieler, der für seine Körpergröße eine unglaubliche Technik hat. Er hat eine super Ballkontrolle, ist beweglich und schnell. Das ist ein sehr interessantes Paket, das er mitbringt“, schätzt Selimbegovic ein. Als Typ passe er ebenso hundertprozentig zum Verein. „Er ist ambitioniert und fleißig, gleichzeitig aber auch bodenständig“, sagt der Jahn-Trainer und fügt schmunzelnd hinzu: „Er muss auch mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, sonst wird es bei seiner Größe sehr schwierig das Gleichgewicht zu halten.“

In Mainz hat Aaron Seydel schon Einsätze in der Bundesliga und in der Europa League absolviert. Ein Niveau, auf das er gerne wieder einmal kommen würde. „Klar wäre ich froh, wenn es passiert“, sagt er. Um aber sofort anzufügen: „Ich erzwinge das nicht. Ich bin kein Fan davon, sich Ziele in der Ferne zu setzen.“ Das Wichtigste sei, sich nun weiterzuentwickeln und ans Leistungsmaximum heranzukommen. Und dafür sieht er derzeit im Jahn die bestmögliche Adresse.

 

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