Lebensmittelverschwendung vermeiden Containern – Diebstahl oder höherer Zweck?

Die beiden Studentinnen Caro (l.) und Franzi haben Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Sie waren in der Vergangenheit wegen Diebstahls verurteilt worden, weil sie Lebensmittel aus dem Müllcontainer eines Supermarktes entnommen hatten. Foto: dpa

Zwei Studentinnen aus Bayern, die beim „Containern“ von Lebensmitteln erwischt wurden, wehren sich gegen ihre Verurteilung. Ihnen geht es ums Prinzip. Am Freitag haben sie in Karlsruhe Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

Die jungen Frauen hatten nachts in Olching bei München Obst, Gemüse und Joghurt aus dem Müll eines Supermarktes gefischt – aus einem verschlossenen Container, der auf dem Firmengelände stand. Die Gerichte werteten das als Diebstahl und verurteilten die beiden zu Sozialstunden. Außerdem erhielten sie eine Geldstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Studentinnen meinen, dass sie zu Unrecht schuldig gesprochen wurden. Wer sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetze, tue nichts Verwerfliches – im Gegenteil. Die Klage wird von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) unterstützt, die sich vor Gericht für Grund- und Menschenrechte engagiert. Vor Einreichung der Klageschrift fand im Karlsruher Schlosspark eine Kundgebung statt.

In Deutschland landen nach Berechnungen der Universität Stuttgart jährlich fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Umweltorganisation WWF geht sogar von mehr als 18 Millionen Tonnen aus. Ein Vorstoß von Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne), das Containern zu legalisieren, scheiterte im Juni auf der Justizministerkonferenz in Lübeck am Widerstand der CDU-Länder. Täglich werden allein in München 168 Tonnen Nahrungsmittel entsorgt – genießbare wohlgemerkt. Das entspricht einer Menge von 131 Gramm pro Haushalt.

Containern aus Armut

Auch in Straubing ist das Problem nicht unbekannt. Aron Vistein, Leiter des Edeka-Marktes in der Schildhauerstraße, hat erlebt, wie eine ältere Frau Gemüse aus dem Biomüll geholt hat. „Die hat mir leid getan, bei der war das eher Armut“, vermutet er. Seine Vorgehensweise wäre, die Betreffenden erst einmal anzusprechen. Wenn es zu viel wird, habe aber jeder Supermarkt das Recht, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und einen Platzverweis zu erteilen. Die Mülltonnen des Marktes sind bereits mit einem Schloss gesichert. „Da hatten wir den Fall, dass Leute Decken hineingeworfen haben.“ Wer versperrte Container aufbricht, müsse mit einer Anzeige rechnen.

Im Markt selbst bemühen sich die Mitarbeiter, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. „Fisch, der leicht verderblich ist, wird nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums weggeworfen“, sagt Vistein. Milchprodukte wie Joghurt werden zum halben Preis verkauft, wenn sie sich diesem Datum nähern. „Das Angebot gibt es schon seit langem und wird sehr gut angenommen.“ Lebensmittel wie Reis oder Nudeln, die nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch eine ganze Weile problemlos verzehrbar sind, werden an das Personal verschenkt.

Schlösser knacken ist strafbar

Bisher kein Problem mit „Containern“ hatte der Rewe-Markt in der Oberndorfer Straße in Landshut, berichtet Marktleiter Marco Schmid. Dies könnte aber auch dran liegen, dass die Mülltonnen in der über Nacht versperrten und zusätzlich mit einem Zaun gesicherten Anlieferzone stehen. „Da kommt man nur mit einem Chip rein“, sagt Schmid. Oder mit brachialer Gewalt – und das ist selbstverständlich strafbar.

Auch Rewe versucht, der Lebensmittelverschwendung auf andere Art zu begegnen. Nähern sich Lebensmittel dem Mindesthaltbarkeitsdatum, wird der Preis um 30 Prozent reduziert. Sind sie abgelaufen, werden sie an die Tafel verschenkt. Die Zusammenarbeit besteht seit 2016. Die Ehrenamtlichen der Tafel suchen sich die Lebensmittel raus, die sie verwerten können, so wird nichts verschwendet.

Tipps für Sparfüchse

Verbilligt verkauft werden beispielsweise Bananen mit braunen Stellen nicht mehr. „Die Erfahrung zeigt, dass die Kunden dann nur noch dieses Obst kaufen“, sagt Schmid. Statt dessen können sich die Mitarbeiter im Aufenthaltsraum über Gratisobst freuen.

Wer sparen möchte und sich gleichzeitig gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen will, für den hat Schmid noch ein paar Tipps: Butter, die kurz vor dem Ablaufdatum steht, sollte man trotzdem nicht in den Reduziert-Kisten der Supermärkte liegen lassen, wenn man etwa Plätzchen backen möchte. Dann würde sie ohnehin auf ein Mal verbraucht werden. Jemand, der weiß, dass er in der Mittagspause einen Joghurt essen will, sollte hier ebenfalls zugreifen.

Es geht auch legal

Einen weiteren legalen Weg gegen Lebensmittelverschwendung geht man beispielsweise in Viechtach (Kreis Regen): Hier hat die städtische Jugendinitiative moveVit in Kooperation mit der Mittelschule Viechtach schon mehrfach eine Wastecooking-Aktion durchgeführt und damit auf das Thema Lebensmittelverschwendung hingewiesen. Die Aktion auf dem Wochenmarkt kam gut an, der Stand lockte zahlreiche Viechtacher, die das Engagement der jungen Leute gut fanden und das Ergebnis auch sehr lecker fanden.

Die Jugendlichen kochten hier mit Lebensmitteln, die wohl ansonsten auf dem Müll gelandet wären, da das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war oder das Gemüse nicht mehr so ansprechend aussah. Die Spenden dazu erhielten sie von örtlichen Supermärkten und Marktständen. Dazu mussten sie kein Schloss aufbrechen oder Angst haben erwischt zu werden. Statt dessen haben sie einfach danach gefragt.

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