Laschet-Nachfolger Wüst neuer Parteichef der CDU in NRW

Der designierte neue Landesvorsitzende der NRW-CDU: Hendrik Wüst. Foto: Bernd Thissen/dpa/dpa

Stabwechsel in der nordrhein-westfälischen CDU: Hendrik Wüst beerbt Armin Laschet mit über 98 Prozent Zustimmung als Parteichef. Für die Ministerpräsidentenwahl braucht er allerdings 100 Prozent aus der Koalition.

Mit der Wahl ihres neuen Landeschefs Hendrik Wüst hat die CDU den Machtwechsel in Nordrhein-Westfalen eingeleitet. Bei einem Landesparteitag am Samstag in Bielefeld wurde der Landesverkehrsminister und designierte Ministerpräsident mit 98,3 Prozent zum Nachfolger von Armin Laschet gewählt.

Der 46-Jährige hatte keinen Gegenkandidaten. Voraussichtlich am kommenden Mittwoch soll Wüst im Düsseldorfer Landtag auch als Laschets Nachfolger im Amt des Regierungschefs der schwarz-gelben Koalition gewählt werden. Da das Bündnis nur eine Mehrheit von einer Stimme hat, wird er zumindest im ersten Wahlgang auf jede einzelne angewiesen sein.

645 Ja-Stimmen von 656 Wahlberechtigten

Beim Parteitag entfielen 645 Ja-Stimmen der 656 teilnehmenden Wahlberechtigten auf Wüst. Es gab 11 Nein-Stimmen und keine Enthaltungen oder ungültigen Stimmen. "Vielen herzlichen Dank für dieses gigantische Ergebnis", rief Wüst. "Ich werde mir ein Bein ausreißen, diese Vorschusslorbeeren auch zu rechtfertigen."

Laschet, der in diesem Jahr als Kanzlerkandidat der Union angetreten war und in den Bundestag wechseln will, trat nicht mehr an. Der 60-jährige scheidende Ministerpräsident führte den mit rund 117.000 Mitgliedern stärksten CDU-Landesverband seit 2012.

Wüst will Wahlkampf starten

Obwohl beim Parteitag nicht formal über die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Mai 2022 abgestimmt wurde, machte Wüst klar, dass er die CDU auch in die nächste Landesregierung führen will. "Ich will durchstarten", rief er den Delegierten zu. Schon in der kommenden Woche wolle er die Mitmach-Kampagne "Du zählst" starten. "Wir werden sofort damit anfangen, zuzuhören." Die CDU werde nur Volkspartei bleiben, wenn sie klare, erkennbare Antworten auf die Alltagssorgen der Menschen habe. Diese Antworten dürften nicht "im Dickicht eines Wahlprogramms versteckt" bleiben.

Die rund 660 Delegierten feierten Wüst wie zuvor auch den sichtlich gerührten Laschet mit langem Applaus im Stehen. Viele hielten Schilder hoch, auf denen "Team Wüst" stand.

Laschet warnt

In seiner letzten Rede als Landeschef hatte Laschet zuvor eindringlich Geschlossenheit im Landtagswahlkampf und darüber hinaus angemahnt. Mangelnde Geschlossenheit sei die Hauptursache für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl gewesen. Mit hörbarer Bitterkeit warnte er aber auch davor, jetzt "das Drama" an die Wand zu malen. "Wenn ich jetzt lese, wie da manche als Kandidaten des Bundesvorsitzes sich präsentieren und sagen: "Das ist die größte Krise der CDU seit 1945" - na ja, das inspiriert überhaupt keinen Wähler, wieder die CDU zu wählen. Das ist nun wirklicher Unsinn."

Im Zweifel habe die Parteispenden-Affäre im Jahr 2000 die Substanz der CDU mehr geschädigt als ein paar Prozentpunkte hinter dem Wahlsieger zu liegen, sagte Laschet. "Deshalb die Tassen im Schrank lassen, realistisch an die Dinge herangehen."

Zuvor hatte Bundesgesundheitsminister und CDU-Bundesvize Jens Spahn im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks gesagt, die CDU sei in der größten Krise ihrer Geschichte. Auch Spahn nahm als Delegierter am Parteitag der NRW-CDU teil. Die CDU hatte bei der Bundestagswahl Ende September eine historische Niederlage einstecken müssen.

Laschet gab der CDU drei Grundsätze als politisches Vermächtnis mit: Geschlossenheit, ein "soziales Herz" und: "Bewahrt Euch diese Kraft zur Integration, dass wir Stadt und Land, Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, Alt und Jung zusammenhalten, dass wir nicht in Populismus oder Ressentiments verfallen."

 

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