Als zweite Starterin des finalen Durchgangs klettert Afra Hönig die vierte und entscheidende Route hoch. Die Zeit läuft ab, nur noch 15 Sekunden bleiben ihr, um die letzte Hürde zu nehmen. Dieser eine Wandvorsprung ist ihre einzige Chance auf Gold. Also setzt die Landshuterin zu einem allerletzten, waghalsigen Sprungmanöver an, packt fest zu - und schafft den Boulder. Danach heißt's für sie hinsetzen, zuschauen, hoffen. Vier Athletinnen sind noch dran. Eine nach der anderen scheitert an der Strecke. Bis es Afra Hönig dämmert: Sie ist erstmals deutsche Meisterin im Bouldern.

"Ich kann's immer noch nicht ganz glauben, ich hatte eigentlich keine großen Erwartungen", sagt die Sportkletterin, die für den Deutschen Alpenverein Landshut an den Start geht: "Jetzt bin ich megaglücklich. Bei der deutschen Meisterschaft bin ich seit 2017 immer ins Finale gekommen und schon fast alles geworden." Aber eben nur fast. Jetzt, im fünften Nachfassen, steht sie endlich ganz oben.