"Meine einzige Hoffnung ist die Liebe der Landshuter zu ihrer Stadt." Fast flehend appellierte der Dokumentarfilmer und Autor Dieter Wieland bei einem Mediengespräch am Freitag an die Landshuter, beim Ratsbegehren am 14. Oktober dem Burgaufzug eine deutliche Absage zu erteilen. Organisiert wurde das kurzweilige Treffen im "Florenz" von der Bürgerinitiative "Schützt den Burgberg".

Wieland bezeichnete den Hofberg als letztes großes Heiligtum der Stadt, das durch einen Aufzug zerstört werde: "Es ist, als ob man ein Gemälde von Dürer mit dem Messer durchschneiden würde." Er sei entsetzt, dass das Thema nicht längst im Papierkorb gelandet ist. Der Filmemacher, der in Landshut aufgewachsen ist, ist resigniert: "Das ist nicht mehr das Landshut, das ich als meine Heimat betrachte."

Mit dem Leben in der Stadt ist Wieland überhaupt nicht zufrieden. In Landshut gehe es nur noch um Geschachere und um die Frage, wie man die Stadt am besten vermarkte. Landshut verkomme zum Disneyland, zu einer Stadt mit "Bluff- und Trickfassaden". Außerdem sprach er von Theaterkulisse und Märchenbühne. Bauherren schrieb er ins Stammbuch, sie sollten sich genieren, den Stadträten warf er vor, neogotisierende Häuser und andere Bausünden abzusegnen.

Mit dem Oberbürgermeister beschäftigte sich der streitbare Mann ebenfalls. Das einzige nachvollziehbare Argument für den Aufzug sei wohl dies, dass sich Hans Rampf ein Denkmal setzen wolle. Statt eine "Rampf-Bahn" zu bauen, solle sich der Oberbürgermeister lieber um Grünflächen, sauberes Wasser und die Stadtgeschichte kümmern. Damit sei ihm ein verdienstvoller Platz in der Geschichte sicher. Es könne aber nicht angehen, dass "ein Träumer" die Stadt auf Jahrzehnte weiter verschulden dürfe.
Gegen den Burgaufzug argumentierte Wieland mit den bekannten Argumenten, etwa mit Kosten, die heute noch keiner abschätzen könne. Er ist aber auch aus einem geschichtlichen Grund gegen das Projekt. Wer am Dreifaltigkeitsplatz eine Talstation baue, greife ins Herzstück des ehemaligen Judenviertels ein. "Würde man auf hebräische Grabsteine treffen, wären die Bauarbeiten umgehend vorbei." Solch einen Skandal könne sich Landshut nicht leisten.

So bissig seine Kritik ausfiel, so versöhnlich sprach Wieland über sein Anliegen. Bei allem, was er an Kommunalpolitikern, manchen Geschäftsleuten und Bauherren auszusetzen habe, gehe es ihm um Landshut, sagte Wieland. Denn: "Ich liebe diese Stadt."
Die Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative, Elke März-Granda, Andreas Gänsbacher, Peter Wölling und Dr. Peter Weinstock betonten, keine Totalverweigerer zu sein. Theoretisch könnten sie sich eine bergmännische Burgaufzugsvariante vorstellen. Aber die sei wegen der zu erwartenden horrenden Kosten ohnehin vom Tisch.

Von Siegfried Rüdenauer