Woche für Woche Millionen Einschaltquoten, Blitzlichtgewitter, Interviewmarathon. Keine Frage, wer an der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar (DSDS)" bei RTL teilnimmt, gibt jegliche Anonymität auf. Er war damals einer von ihnen: Martin Stosch. 2007 belegte er mit gerade mal 16 Jahren den zweiten Platz. Was wurde aus dem einstigen Teenieschwarm?

Wie fast alle Teilnehmer an dieser und ähnlichen Castingshows verschwinden die Newcomer meist recht schnell wieder in der Versenkung. "Es war schon eine sehr intensive Zeit damals", erinnert sich der heute 24-jährige Martin Stosch zurück. Mit allen Höhen und Tiefen. Alte Schulfreunde distanzierten sich plötzlich von ihm, vermeintliche neue Freunde gaben sich die Klinke in die Hand. Schnell ist da mal ein Teenager überfordert.

Stosch möchte diese Erfahrung dennoch nicht missen: "Man lernt viel aus dem Umgang mit Menschen, legt sich eine gewisse Skepsis zu." Den großen Traum, Popstar zu werden, hatte er ohnehin nie. Musik sei für ihn vielmehr immer schon seine größte Leidenschaft gewesen.

Von wegen Knebelverträge

Eine Leidenschaft, die sich für den damals 16-Jährigen durch seine Teilnahme an DSDS freilich auch finanziell ausgezahlt hat. Stosch: "Ich habe dadurch sehr gutes Geld verdient und ein Auto geschenkt bekommen." Vielmehr wundert sich der Landshuter darüber, dass etliche DSDS-Gewinner monieren, durch Knebelverträge abgezockt worden zu sein. "Die verprassen halt ihr ganzes Geld gleich und dann kommt plötzlich die Steuer. Die 25 Prozent Abgaben an die Plattenfirma sind völlig legitim", so Stosch.

Schon kurz nach der RTL-Show war für den passionierten Weltenbummler klar, dass die Musik fortan wieder ins zweite Glied rückt. Er machte an der Fachoberschule sein Abitur und studierte Wirtschaftsingenieurwesen. Im Rahmen des Studiums lebte er ein halbes Jahr in Südafrika. "Ein traumhaftes Land", schwärmt der 24-Jährige, "auch, wenn ich ein Mal überfallen wurde." Seine Bachelorarbeit machte der Niederbayer im Oktober 2014 in Oxford.

Solider Job, statt Popsternchen

Seit knapp drei Monaten arbeitet Stosch nun in der Planung bei BMW in Landshut. Anders, als man das vielleicht annehmen würde, öffnete ihm seine kurze TV-Karriere dort nicht sofort Tür und Tor. Im Gegenteil. "Nach dem Vorstellungsgespräch am Freitag, bekam ich am Montag nochmal einen Anruf vom Chef", erinnert sich Stosch. Er hatte wohl im Internet etwas recherchiert und wurde dort schnell fündig, dass er am Freitag einen ehemaligen DSDS-Finalisten vor sich sitzen hatte. "Damit ich den Job bekomme, musste ich ihm versichern, dass die Arbeit bei BMW oberste Priorität genießt und die Musik nur noch die zweite Geige spielt", verrät Martin Stosch, in dessen Leben langsam wieder Ruhe und vor allem Anonymität eingekehrt ist.

"Man lernt wieder zu schätzen, wie wichtig Anonymität ist"

Gerade die Anonymität weiß er mittlerweile mehr denn je zu schätzen. "In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Show habe ich mich ständig beobachtet gefühlt. Man merkt, wie die Leute am Nebentisch über einen reden, man wird in der Disco von wildfremden Menschen angesprochen", berichtet der 24-Jährige über seine Erfahrungen. Das Schlimmste seien jedoch die Vorurteile gewesen. Stosch: "Ich habe oft gehört: Du bist ja gar nicht so arrogant."

Die Musik ist natürlich immer noch sein treuer Begleiter, wenn auch nunmehr im kleineren Rahmen. Heute tingelt er mit seiner Band "Tourists in a daydream" durch die Republik und nimmt dort bevorzugt an Band-Contests teil. Dieser Tage veröffentlichte die Ethno-Funk-Band ihre erste Single "Quero Dancar". Keine kreischenden Teenies mehr, kein Blitzlichtgewitter mehr und Martin Stosch sagt mit Erleichterung: "Ich habe wieder zu schätzen gelernt, was Anonymität wert ist."