Landshut unter Wasser Videos und Fotos vom Unwetter in der Region

, aktualisiert am 30.06.2021 - 17:00 Uhr
Das eigentliche Ausmaß der Fluten wurde erst bei Tageslicht sichtbar. Im Rosental in Landshut wurden ganze Straßenzüge weggespült. Foto: Ingmar Schweder

Am Dienstagabend ist erneut ein schweres Unwetter über Landshut hereingebrochen. Es regnete derart stark, dass die Wassermassen die Innenstadt unter Wasser setzten. Auch im Landkreis wurden einige Gemeinden überflutet. 695 Notrufe gingen am Abend bei der Integrierten Leitstelle ein.

Auf den Aufnahmen aus der Landshuter Innenstadt ist zu sehen, dass selbst Autos Mühe hatten, durch das Wasser zu fahren. Ein vorbeifahrendes Auto löste sogar eine kleine Welle aus. Unserer Redakteurin vor Ort zufolge dauerte es nur wenige Minuten, bis die Fluten in Teilen der Alt- und Neustadt an manchen Stellen kniehoch standen.

Unwetter zu Beginn des EM-Spiels

Zum Anpfiff des EM-Fußballspiels Deutschland gegen England zogen Starkregen, Blitz und Donner über die Stadt, wie ein Polizeisprecher sagte. Es gab Sturzbäche, verschlammte Straßen, weggeschwemmte Autos, ausgespülte Gullydeckel, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, beschädigte Stromkästen und Öltanks, wie der Lagedienst der integrierten Leitstelle Landshut, Mirko Olzem, die Situation beschrieb. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand. "Das war ein Unwetter, wie es nur alle fünf bis zehn Jahre vorkommt", ergänzte er.

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Große Wassermassen seien innerhalb kürzester Zeit über der Stadt niedergegangen. Zwischen 17.30 Uhr und 20.45 sind Feuerwehr und Rettungsdienst nach Angaben der Leitstelle zu knapp 650 Einsätzen ausgerückt. Das sei deutlich über dem Durchschnitt gewesen. Bei der Polizei kamen etwa 20 Einsätze hinzu.

Hauptschwerpunkte lagen der Feuerwehr zufolge neben dem Innenstadtbereich im Landshuter Süden - beginnend in Achdorf, über Hofberg, Moniberg, Haggrainertal, den Bereich Schönbrunn/Wildbachstraße bis hinüber nach Frauenberg. Behinderungen gab es auf sämtlichen Straßen durch Schlamm und Überflutungen, aber auch umgewehte Straßenschilder oder umgerissene Bäume mussten von den Hilfskräften beseitigt werden. Wegen der Unwetterschäden kam es auch zu schweren Behinderungen im Bahnverkehr auf der Strecke München-Landshut. 

Feuerwehr befreite Menschen aus Autos

Besonders dramatisch war die Lage auch im Bereich der Wildbachstraße, wo die Feuerwehr Personen aus von den Wassermassen eingeschlossenen Autos befreien musste. Dabei wurde mindestens eine Person verletzt und in ein Krankenhaus gebracht, mehrere Personen erlitten einen Schock.

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Auch im Rosental stürzte sich wieder eine massive Flutwelle mit Baumstämmen und mitgerissenen Straßenschildern bis zum Rossbach, der dieses Mal die Wassermassen nicht mehr fassen konnte und an mehreren Stellen über die Ufer trat und benachbarte Anwesen überflutete. Mehrere Straßen im Bereich Achdorf, Schönbrunn und Frauenberg sind auch am Mittwochmorgen noch nicht passierbar.

Einsatzkräfte aus anderen Kreisen angefordert

Bis nach Mitternacht kam es der Feuerwehr zufolge in der Stadt Landshut sowie auch in Teilen des Landkreises zu so vielen Einsätzen, dass zwischenzeitlich Feuerwehr- und THW-Kräfte aus benachbarten Landkreisen angefordert wurden. Bis etwa 1 Uhr morgens zählte die Feuerwehr über 500 Einsätze, die die ehrenamtlichen Kräfte der Kreiseinsatzzentrale Landshut koordinierten. 

Davon entfielen nach derzeitigem Stand rund 230 auf die Stadt und 270 auf den Landkreis Landshut, wo besonders Tiefenbach enorm betroffen war. Die Zahl an Einsatzkräften von Feuerwehr und THW in der Stadt Landshut dürfte in der Spitze im Bereich von etwa 350 gelegen haben. 

Die Aufräumarbeiten dauerten am Abend an. Viele werden das Ausmaß der Schäden erst am Morgen erkennen, wie Olzem sagte. Im Jahr 2016 habe es ein ähnliches Unwetter in Essenbach im Landkreis Landshut gegeben.

Der ganze Umfang der Schäden ist auch am Mittwochvormittag noch nicht abzuschätzen, teilt die Stadt Landshut mit. Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW sind im Dauereinsatz.

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Infolge von Überschwemmungen, Erdrutschen und Schlammlawinen sind zudem zahlreiche Straßen und Wege unpassierbar. Die Bauamtlichen Betriebe der Stadt arbeiten zusammen mit Feuerwehr und THW fieberhaft an der Beseitigung dieser Schäden.

Gleichzeitig werden Bürger gebeten, im Interesse der eigenen Sicherheit die geltenden Sperrungen und Umleitungen zu beachten und keine Fahrten in verschlammte Bereiche oder ausgespülte beziehungsweise unterspülte Straßenabschnitte zu riskieren. Grundsätzlich sollten momentan gerade in den besonders betroffenen Stadtteilen alle nicht unbedingt notwendigen Fahrten vermieden werden.

An einen Starkregen dieses Ausmaßes kann sich Thomas Schindler, Leiter des Zivil- und Katastrophenschutzes der Stadt Landshut, nicht erinnern. „Das war wirklich extrem, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt er. „Die Sturzfluten, Erdrutsche, Schlammlawinen und Überschwemmungen waren dann eine unvermeidliche, katastrophale Folge dieser außergewöhnlichen Unwetterlage.“

100-jährliches Ereignis

Innerhalb einer halben Stunde, nämlich zwischen 18.05 und 18.35 Uhr, fielen den Daten der vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betriebenen, im äußersten Osten des Stadtgebiets gelegenen Station Landshut-Reithof zufolge am Dienstagabend rund 57 Millimeter Niederschlag, das entspricht etwa 57 Litern Regen pro Quadratmeter. Ein „100-jährliches Ereignis“, wie der Grafik zu entnehmen ist.

Auch die Wetterstation Schönbrunn verzeichnete zwischen 18 und 19 Uhr gut 50 Millimeter Niederschlag; dort wurde der Grenzwert zum „100-jährlichen Ereignis“ knapp unterschritten.

Die Naturgewalten sorgten binnen Minuten für mehr als 1.000 Anrufe von betroffenen Bürgern in der Integrierten Leitstelle (ILS) und für hunderte Einsätze von Feuerwehr, THW, Hilfs- und Rettungsdiensten. „Wir haben auch Unterstützung aus dem Landkreis Landshut und den Nachbarlandkreisen erhalten. Das BRK hat gegen Mitternacht zudem eine Verpflegungsstation für die Einsatzkräfte eingerichtet“, sagt Schindler.

Das unermüdliche Engagement der Einsatzkräfte hob auch Oberbürgermeister Alexander Putz hervor, der sich am Dienstagabend zusammen mit Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger selbst an mehreren Einsatzstellen ein Bild der Lage gemacht hatte.

Spenden aus der OB-Direkthilfe

Viele Bürger hätten unverschuldet große wirtschaftliche Schäden durch das Unwetter erlitten. Putz plant daher, den besonders hart Getroffenen mit Spendengeldern aus der OB-Direkthilfe etwas unter die Arme zu greifen.

Um Betroffenen die Aufräumarbeiten und insbesondere die Entsorgung von Sperrmüll zu erleichtern, hat das Wertstoff- und Entsorgungszentrum (WEZ) zudem mit sofortiger Wirkung die bisher gültige Begrenzung der Liefermenge auf drei Kubikmeter aufgehoben. Um Belastungsspitzen und damit lange Wartezeiten zu vermeiden, werden Nutzer gebeten, am kommenden Wochenende nur den notwendigsten Sperrmüll anzuliefern.

Erhebliche Schäden hat indes auch die öffentliche Infrastruktur davongetragen. So wurden im Corona-Impf- und Testzentrum auf dem Messegelände Pavillons beschädigt und Bauzäune umgeweht. Der Betrieb musste daher gestern Abend vorzeitig eingestellt und eine laufende Impfaktion abgebrochen werden.

Neben zahlreichen Straßen im Stadtgebiet wurde zudem das Wegenetz im Hof- und Herzoggarten arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Hangbereiche dort sind laut Stadtgartenamt weitgehend unpassierbar und daher gesperrt. Der Hauptweg vom Hofgärtnerhaus zur Polizei kann momentan ebenfalls nicht begangen werden. Generell werden Besucher wegen des schlechten Zustands der Wege um erhöhte Vorsicht gebeten. Nicht betroffen sind dagegen der obere Bereich des Tiergeheges und der Spielplatz, der ohne Einschränkungen genutzt werden kann.

Gräber beschädigt

Die Starkregenfälle der vergangenen Tage, die am Dienstagabend ihren Höhepunkt fanden, führten darüber hinaus auf den städtischen Friedhöfen und insbesondere in Teilen des Achdorfer Friedhofs zu beträchtlichen Schäden. Sowohl um die Gräber als auch innerhalb der Grabbeete kam es zu Erdsenkungen, wobei nach Schätzungen der Friedhofsverwaltung mehrere hundert Grabstellen betroffen sein dürften. Auch außerhalb von Grabflächen wurden Senkungen oder Einbrüche festgestellt.

Die Stadt bittet alle Friedhofsbesucher daher, sich umsichtig auf dem Friedhofsgelände zu bewegen. Die Bediensteten der Stadtverwaltung werden in den kommenden Tagen abteilungsweise die außerhalb der Gräber aufgetretenen Senkungen und Löcher zu verfüllen. Für die Grabbeete selbst sind dagegen die Grabnutzungsberechtigten zuständig. Freiliegende oder abgesunkene Grabeinfassungen sowie teilweise oder ganz eingesunkene Liegesteigende sind umgehend wieder passend einzubauen. Auch dies obliegt den Grabnutzungsberechtigten, die gebeten werden, dafür gegebenenfalls einen Steinmetz zu beauftragen.

Soweit von einzelnen Grabstellen eine besondere Gefahr für die Besucher ausgeht, werden die betroffenen Grabnutzungsberechtigten von der Friedhofsverwaltung direkt schriftlich benachrichtigt.

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